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theologische Phrase, sondern ein weltbürgerlickicS Institut, derTempel der allgemeinen Menschenliebe und des freien Geistes."Sehen Sie hier ein gewaltiges Stück sreimaurcriscbcr, vielge-priesener Humanität. Ja, dieses sreimaurerische Humanitäts-princip mit seinem grundsätzlich christcnfeindlichen Charakter istcS, das Finde! an einer andern Stell? ausrufen läßt: „Religiöse„Ketzerei" war somit von jeher der charakteristische Grundzugdes Maurerthums. Auch in der heutigen Forni und Verfassungtritt es (das Maurertlmm), wenn auch unausgesprochen, denPrätensioncn der Kirche entgegen. Denn, fährt er fort, eineAnstalt (nämlich die Freimaurerei ), welche daS Lichtsuchen ge-bietet, anerkennt keine göttlich geoffenbarte, für alle Zeiten fest-stehende Wahrheit."
Diese Humanität ist eS. welche nicht nur Finde!,sondern die ganze Freimaurerei zur Gegnerin des Christen-thums macht. Denn wie Finde! so denken und sage» allewahren Freimaurer, alle, welche nicht bloß äußerlich mitthun,sondern den Geist der Loge erfaßt haben. Dieses Humani-tätsprincip erklärt uns der deutsche Frciniaurer GcttboldSalomon in seinen Stimmen aus Osten mit den Worten:„Eine christliche Freimaurerei wäre der entschiedenste Wider-spruch, ein eckiger Zirkel, ein rundes Winkelmaß", erklärt unsder deutsche Freimaurer Stilting, der in der Frei-maurerzeitung „Bauhütte" bekennt, daß die Logen seit ihrerGründung die Trägerinnen und Verbreiterinnen des Na-turalismus oder der sogenannten Vernunftreligion waren, alsojener Religion, welche jede Offenbarung und damit den Höhe-punkt aller Offenbarung, das Christenthum, verwirft, erklärtuns der deutsche Freimaurer Jochinus Müller, derin seinem Werke „Kirchenresorm" unheimlich offen eingesteht:„Ein freies, wahres Hcidcntbum steht unö näher, als ein eng-herziges Christenthum." Was unter diesem freimaurerischenHumanitätsprincip zu verstehen, wie sehr cS die gründliche Läug-nung alles Christlichen in sich begreift, daö lehrt uns die „Bau-hütte", jene deutsche Freimaurcrzeitung, die sich „Organ sür dieGcsammtintercsstn der Freimaurerei " nennt, also gewiß alöSprachrohr dcS freimaurerischen Geistes angesehen werden darf.Sie bringt ungescheut die Rede des Freimaurers Br.'. Schulzeüber die Unsterblichkeit und den Glauben. Darin heißt es:Unsere errungene Vervollkommnung lebt durch die geistigeNachlassenschast, durch die Kindererziehung oder das gute Lebens-bcispiel in unsern Mitmenschen, ja bei großen Menschen inkünftigen Geschlechtern fort. Dies ist die, unserem Ver-stände erfaßbare, vernunftgemäß e Unsterblichkeit.Zur Erfüllung dieser Lebensaufgabe bedürfen wirweder der Versprechung himmlischer Freuden,noch der Drohung mit Höllenqualen, wir erkenneneinfach in dieser Aufgabe unsere Pflicht. Nicht ein Wieder-sehen im Jenseits soll uns trösten .Erst wenn
wir unS von jedem Phantasiegcbilde frei machen, weroen wir
unsere Lebcnsauigabc recht erkennen. Wäre uns zu
ihrer Erfüllung etwas UebernatürlickeS nöthig,gewiß würde es uns von der allgütigen Natur (I)verliehen worden sein. Da uns aber von ihr der Blicküber unser irdisches Dasein hinaus verschlossen wurde, sobleibt jedes Glaubensdogma, also auch das an die Un-sterblichkeit, ein unnatürlicher Uebergriff, eine An-maßung und Auflehnung gegen die Schöpfung, dieuns alles Ucbernatürliche ... zu unserem Bestenvorenthielt." — Gewiß ein unheimlicher und vielsagenderCommcnlar zu dem Begriff freimaurerischer „Humanität", dieein Jenseits, die Unsterblichkeit der Seele, jedes Glaubcnsdogma,kurz „alles Uebernatürliche" rundweg verwirft.
Gegenüber solchen offenen zahlreichen Geständnisse» einzelnerFreimaurcrauctoritäten wie eines der ersten Freimaurcrorganchilft alles Läugncn nichts, ist es sogar geradezu lächerlich, wennder eine oder andere Freimaurer der niederen Grade noch vonsein christlichen Wesen der Loge rührselig zu erzählen weiß.Den Geist und daö Wesen einer Partei erkennt und beurtheiltman mit Fug und Recht nach den Aeußerungen ihrer Anhänger,chrer Schriften und Organe. Das gilt und galt überall, mußalso auch bei der Freimaurerei gelten — trotz ungeschickterLäugnungövcrsuche.
Fügen wir, um alle diese Läugnungsversuchc unmöglich zumachen, ein Bekenntniß der Gesammtircimaurerci an, ein Be-kenntniß eines Wcltfrcimanrcrcongresscs im Jahre 1869 zuNeapel . Nicht wcniaer als 700 Freimaurer, und zwar alsVertreter der Logen Europas. Nord- und Südamerikas, Asiens und Afrikas haben dieses Bekenntniß in der Forni eines Be-schlusses abgelegt, der so recht zeigt, wohin das „Humanitäts-idcal" der Loge zielt, worin ihre vielgepriesene „Humanität"
besteht. Dieser Beschluß lautet nach der „Dublin Rebielv" Juli1884 S. 148 ff.:
„Die Unterzeichneten, alö Abgeordnete der verschiedenenNationen dercivilisirten Welt, proclamiren die Freiheit derVernunft gegenüber der religiösen Auctorität;die Unabhängigkeit des Menschen gegenüber dem Despotismusvon Kircke und Staat; die Freiheit der Erziehung gegenüberdem klerikalen Unterrichte, indem sie keine anderenGrundlagen für den menschlichen Glauben aner-kenne» als die Wissenschaft; sie proclamiren die Frci-beit des Menschen und die Nothwendigkeit, alle officicllenKirchen abzuschaffen; — das Weib muß von den Fesseln,womit es Kirche und Gesetzgebung bisher an der vollen Ent-wicklung gehindert haben, befreit werden; die Moral mußvon jeder Dazwischenkunft der Religion voll-ständig unabhängig sein."
In diesem radikalen Beschluß hat der Freimanrerwolf denSchafspelz gründlich abgeworfen und präscntirt sich als das,was er im innersten Grunde seines Wesens und Geistes immerist, als haßerfüllt gegen jedes positive Christenthum, an dessenStelle er die Vernunft, die Wissenschaft und die Unabhängigkeitder Moral von jeglicher Religion setzt, also jenes „Humanitäts-ideal" ausstellt, daS im satten Unglauben endet.
Solch hochosficiellcn Aeußerungen gegenüber weiß man nurzu gut, was die Worte bedeuten sollen, welche das deutsche Frei-maurerorgan „Die Bauhütte" 1879 S. 75 niederschrieb: DieFreimaurerei sei „das ursprüngliche, reine oder biblische Christen-thum, das in den kirchlichen Satzungen verloren ging". Esmag ja sein, daß ein einzelner Freimaurer die eine oder anderechristliche Wahrheit noch festhält, ja sogar ein gläubiger Christsein will — die Freimaurerei als solche, in ihrem Princip, istvollständig unchristlick, geborene Feindin jeder geoffenbartenReligion und alles Uebernatürlichen. Sie ist und will nachihren eigenen Programmsägcn und oftmaligem Bckenntniß andie Stelle der Offenbarung die Vernunft, an die Stelle drSGlaubens die Wissenschaft und an die Stelle des christlichenMoralgcsctzcS die sogenannte „unabhängige Moral" setzen.Hicmit aber ist ihr Abfall vom Christenthum und dessen Ver-werfung documenlirt.
Die Freimaurerei bleibt aber auf Grund ihres Humanitäts-principes, das eine unumschränkte Denk- und Gewissensfreiheitverkündet, bei der Läugnung des Uebernatürlichen und desChristenthumes nicht stehen, sondern schreitet in ihren ächtenVertretern weiter bis zur Läugnung eines persönlichen, überden Menschen als Richter und Vergeltcr stehenden GotteS. Dietiefer eingeweihten Freimaurer — ich meine also nicht jene, diebloß mitzablcn und milfestcn, sondern die fortgeschrittenen undmaßgebenden derselben, und auf diese kommt es vor allem undhauptsächlich an, diese also bekennen sich zu jenem pauiheistisch-naturalistischcn Gottcsglanbcn, der unter Gott nichts anderesversieht, als die in der Welt wirkenden Naturkräftc, Natur-gesetze, und erkennen und verehren im Menschen, als der Kroneder Schöpfung, die höchste Erscheinung des Göttlichen. Einsolcher Gottesglaubc und GotteSbegriff kommt aber praktischder Läugnung eines persönlichen Gottes, kommt dem Atheismusgleich. Um zu täuschen spricht die Loge ost vom Göttlichen,versteht aber darunter zumeist entweder einen Gott. der wederSchöpfer noch Richter ist, oder überhaupt nur die Naturkrästeund den vergötterten Menschen, daö Reiumcnschlichc. Deßhalbprotcstireu aufrichtige, cvnscqucntc Freimaurer gegen daö vonder Loge viel gebrauchte und viel mißbrauchte Wort: ^Deltcn-baumeister und Allmächtiger Baumeister aller Welten. Finde!will. man soll den Weltenbaumcister einfach fallen lassen. Denndieses „Symbol" sei als freimaurcrisches völlig unhaltbar. DieAnrufung des großen Baumeisters in den Logen habe nämlichfast durchweg die Bedeutung eincö Lückenbüßers. — Der Frei-maurer Dr. Treut owSki, Mitglied der deutschen Loge,schreibt in der „Bauhütte" 1865 unbeanstandet: Ihr (der Frei-maurerei ) Weltenbaumcister ist und bleibt daS Wesen, welchesman verstehen kann, wie man will — welches ebenso ein Christ,ein Jude, ein Muhamcdancr, ein Heide... ja sogar ein Atheist...anerkennen niuß. Und die Freimaurcrzeitung von1874 schreibt: Atheisten aus Grundsatz . . . können zugleich dieebrenwcrthcsten Menschen und die würdigsten Maurer sein.Noch offener predigen die französischen und italienischenFreimaurer den nackten Unglauben, welche, wie ;. B. das fran-zösische Logenblatt De proArös vom 6. Juli 1874, die Auf-fassung der christlichen Gorresidce geradezu als unsittlich be-zeichnen.
(Fortsetzung folgt.)