Ausgabe 
(28.10.1896) 45
 
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Papstes sofort eingegangen und haben zu ihrer Ver-wirklichung die nöthigen Maßregeln getroffen. Es wirdsich in absehbarer Zeit ja auch nur um den Ueber-tritt Einzelner handeln; den Uebcrtritt in Massenbezeichnet Cardinal Vanghan selbst alsTraum". Denen,die von einer Propaganda überhaupt nichts wissen wollenund fragen, warum die Bischöfe sich nicht auf ihre Schäf-lein beschränken, antwortet Cardinal Vanghan mit demden Kölner Katholiken wohlbekannten Worte: caritasvsi rir§6t no8, und fugt mit englischer Deutlichkeithinzu:Wir werden nicht ermüden, so lange es sichdarum handelt, dem englischen Volke sein kostbares Erb-thcil zu sichern, das Erbthcil, um das es betrogen wordenist durch die Begehrlichkeit und den Ehrgeiz der Fürsten ,die knechtische Gesinnung und Habsucht des Adels, unddie Schwäche der Bischöfe jener Zeit." (Köln . Volksztg.)

Rede des Herrn Pfarrers A. Schwarz inOttenLnch (Württemberg )

gehalten aus dem Ersten JntcruationalenAutisreimaurer-Congreßin Triezn am 28. Sept. 1896.

(Fortsetzung.)

Aber das Humanitätsprincip der Loge hat folgenrthwcndignoch eine andere Seite. Es schließt nicht nur die LäugnungdeS Christenthums und alles Ucbernatürlichen und in seinenConsequcnzen cincS persönlichen Gottes in sich, sondern folge-richtig auch die Läugnung deS Auctoritätspriucipes d. h.einer von Gott gesetzten und Gott verantwortlichen obrigkeit-lichen Gewalt. Diese Läugnung des AucwritätspriucipeS ver-steht und ergibt sich aus dem freüuaurcriichen Humanitäts-princip von selbst. Denn, wird der persönliche Gott gcläugnctund der Mensch, das Reimncnschliche zum Göttlichen, zumHöchsten erhoben, dann ist auch nicht mebr Gott die Quelleund Richtschnur aller Gewalt und alles Rechtes, sondern derMensch. Dann ist jede menschliche Gewalt losgelöst von einerVerantwortung gegen Gott und die obrigkeitliche Gewalt nurnoch Organ deS menschlichen Willeno. des VolkswillcnS, dersich keinem Höheren, sondern nur sich selbst noch verantwortlichfühlt. L>o wird der Mensch sein eigener, höchster Herr. Damitist aber der persönlichen Willkür, der völligen Anarchie inFamilie und Staat Thür und Thor geöffnet. Die heutige Zeit,die für solche Lehren, für die Verwerfung der Auctorität, nurzu febr empfänglich ist, beweist das unheimlich. Aus dieserBekämpfung deS Auctoritätspriucipes machen conscguent undoffen denkende Freimaurer kein Geheimniß. Findel sagt mitFontaues:Jeder Freimaurer, der nicht mit geistigerBlindheit geschlagen ist, wird aus den fortgesetzten An-griffen auf unseren Bund und seine Einrichtungen unschwerherausfinden, worauf unsere ernste und ausdauernde Arbeit ge-richtet sein muß, nlämlich auf die Zertrümmerung deskirchlichen Auctoritätspriucipes, wie es sich inder Erziehung und Schulung unseres Volkeszur Stunde noch geltend macht." (Finde!, Die mo-derne Weltanschauung und die Freimaurerei S. 150) DieBauhütte", das deutsche Frcimaurcrorgan, 1885 S. 138schreibt:Das Ende einer jeden Auctorität ist ebenimmer klerikal, da diese sich gar so leicht und gar so gernselbst als die Stellvertretung einer allerhöchsten Auctorität dar-stellt. (Hoffentlich.) Jeder Autoritätsglauben führt unaus-weichlich zum Klerikalen und unzertrennlich davon zum Ueber-sinnlicheu und Mystischen, zum Unwahren (II)." Diese Sätzesind so deutlich und bezeichnend, daß es fast überflüssig ist, derin ihren Aeußerungen viel zahmeren und vorsichtigeren deutschenFreimaurerei gegenüber noch diesbezügliche Enthüllungen derrücksichtsloser und radikaler redenden außerdcutschen Schurzfell-brüder anzuführen.

Wir wollen aber zum Zweck der gründlicherenBeleuchtung"des so vielgepriesenen Logeubuudes, dieserL-tützc der Autori-tät" (I), doch noch dem italienischen Großmeister Pirro Aportidas Wort leihen. Der sprach in einer Rede zu Mailand 1886(ctr. Hildebrand Gerber Die Freimaurerei S. 37 2. Anst.):

Die alte Gesellschaft hatte folgende Angeln, in denen siesich drehte: Alta»- und Thron, Feudalität und väter-liche Gewalt, und alle diese ihre Grundlagen faßten sichzusammen im AuctoritätSprincip. Mit einem Worte:

mau diScutirte nickt, man gehorchte. Und dies ließ sich beidem in knechtischem Sinne erhaltenen verdummten Volke, mitHilfe einiger Prediger und einiger drohender Gendarmen, dieman ihnen an die Seite gab, leicht erreichen. Die neuerenwissenschaftlichen Erfindungen, von der Buckdruckerknnst bisauf das elektrische Lichts!!), haben diese Grundlagen erschüttert»wenn nicht gar zum Einsturz gekrackt. An Stelle des Ge-horchens ist man jetzt überall bestrebt, das selbstständige Denkenzu setzen.Entmannung" das ist die einzige zutreffende Be-zeichnung für die religiöse Erziehung, welche die männ-liche Kraft deS Denkens verkümmert und unterdrückt, um anderen Vlah die Eunuchenfäbigkcit deS Glaubens auszubilden.Diese fluchwürdige Kastriruug (Entmannung) des menschlichenDenkvermögens ist in der That, wenn nickt der Endzweck, sosicher, um wenig zu sagen, das nothwendige Ergebniß aller(kirchlich) organisirten Religionen. Letzteren die Erziehung desMenschen anvertrauen, kommt auf dasselbe hinaus, als ihr dasentscheidendste Mittel in die Hand zu geben, um zu bewirken,daß der Mensch nicht denken lernt, um ihn zum Kadaver-gehorsam zu bringen."

Pirro Aporti empfiehlt am Schlüsse feiner Rede als Haupt-Mittel, um das AuctoritätSprincip zu Fall zubringen, die Verweltlichnng der Erziehung:Gebeteuren Kindern eine gründliche, kühne, bürgerliche, eine weltlicheErziehung. . . . Erziehet andere und erziehet euch selbst: dasmuß unser Schlachtruf gegen den KlcrikaliSmus sein."

Wer diese Enthüllungen über die Stellung der Loge zurAuctorität vernommen, dem legt sich unwillkürlich die Fragenahe: Wie stellt sich aber die Löge bei solcher Haltunggegenüber dem AuctoritätSprincip zum Königthum, zurMonarchie? Die Antwort hierauf ist schon indirect ent-halten in dem Bekenntniß der Freimaurerei zum HumauitätS-princip. Dieses fuhrt nämlich folgerichtig durchgeführtmit Nothwendigkeit zur Beseitigung der Monarchie und zurEinführung der Republik. Denn wenn man auf Grund vcrHumanität" das Neinmenschliche zum Quellpunkt aller Ge-walt und alles Rechtes macht, und wenn man damit jede, vonGott auf Menschen stellveriretenv übertragene Gewalt verwirft,für deren rechte und gerechte Ausübung der Mensch Gott Ver-antwortung schuldet, dann sind alle Menschen hinsichtlich ihrerpolitischen und bürgerlichen Stellung gleichberechtigt, soweit nichthervorragende persönliche Beschaffenheit oder der Wille aller»der Volkswille, es anders bestimmt. Mit diesem Aufhören derStandes- und Nanguntersckiede aber fehlt dann vor allem demKönigthum von GoiteS Gnaden der Existenzgrund, und dieDevise der französiscke» Revolution wird auch fotgenothwendigdie Devise der Loge, wie es auch thatsächlich und erwciöbar derFall ist. Nachstehende, hochbedeutsame Grundsätze, welche derwiederholt citirte Freimaurer Findel in folgenden, AntonioFranchi entlehnten Worten ausspricht, bekunden das sehr deutlich:Es waren die Ideen der Freiheit und Gerechtigkeit,der Gleichheit und Brüderlichkeit, der Association undSolidarität unter allen Menschen, Ideen, welche in der Thatnach einem veredelten Volksbewußtsein zielten,... Ideen, derenFolge die Achtung der Menschenwürde . . . deren Schlußsteindie Menschcnrcchte waren. Diese Gefühle und Grundsätzetreu zu bewahren, sie zu verbreiten, sie von Geschlecht zu Ge-schleckt, von Land zu Land zu überliefern in Gestalt eines re-ligiösen Cultus und Symbolismus, das war die Missionder Maurerei, die sie in dieser Periode erfüllthat. . . Sie waren das Wort, und dieses ist in derfranzösischen Revolution zu Fleisch geworden,und durch diese sind die maurerischeu Grundsätzedas Bewußtsein der gebildeten Völker und daSGlauben sbekenntuiß jedes freien Menschen ge-worden." (Geschickte der Freimaurerei I. S. 159.) Inseinem Ducke: Grundsätze der Freimaurerei S. 139 schreibtderselbe Finde! trotz aller sonst von deutschen Maurern be-obachteten Zurückhaltung:Auch hat noch niemand gesagt, daßder Cultus des Humanen im Geheimniß der Loge in keinerWeise gegen bestehende kirchliche und politische Ver-hältnisse gerichtet sei. ... So lange die Menschheit ihreBestimmung noch nicht erreicht hat und nicht eine Hcerdeunter einem Hirten (freimaurerische Universalrcpublik!)ist, muß die Freimaurerei mit innerer Nothwendigkeitgegen alles W esenswidrige (in ihrem Sinne natürlich ver-standen), Unvernünftige, Schlechte, Unfreie und Unharmonischereagiren." Wie sehr überhaupt die Republik , näherbin Welt-republik, das Ideal und Ziel der Loge ist. dem sie unverdrossenzusteuert, das beweisen die zahlreichen, unzweideutigsten Aus-sprüche der verschiedensten, angesehenen Freimaurer. hDieselben