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sind gesammelt i» der Broschüre: Freimaurerei und Social-demokratie, Süddeutsche Verlagshandlung fD. OckS), Stutt-gart , Seite 99 —128.) Daß mit diesen republikanischen undsocialistischen Ideen der Loge daS Königthum, die Monarchie,sich nicht mehr vereinigen läßt, ist naturnothwendigc Folge.Offene Freimaurer, welche die Maske der Eeheimthuereilängst abgeworfen, bekennen das so unumwunden, daß manaus dem Staunen nicht herauskommt, wenn man sehen muß,wie es Träger von Königskronen gibt, welche nach solchen Ge-ständnissen der Loge noch ihre Sympathien bekunden. Geschiehtdas, weil den Herrschern systematisch alles verborgen gehaltenwird, was ihnen die wahren Ziele der Loge zur Kenntnißbrächte, oder geschieht es bereits aus Furcht vor dem alles be-herrschenden, bis in die höchsten Regionen durchgesickertcn undEinfluß übenden Geiste der Loge? Doch hören wir diese anti-inouarchuchen, köuigsthumfcindlichen Geständnisse der Bruderim Schurzfell. Der bayerische Gesandte von Olry,längere Zeit Mitglied der Berncr Loge, sagt in seiner Selbst-biographie: „Die Logen bilden einen geheimen Staatim Staate, bestimmt, die Regierungen entwederzu beherrschen oder zu untergraben und durchLogenmitgliedcr zu ersetzen." — Der Großsecretär derösterreichischen Großloge, Uuiversitätsprofessor Zllois Hoffmann,äußert sich in seiner „Aktcumäßigen Darstellung rc.": „DerZweck des Freimaurcrbundes ist die Verwerfung aller Religionund Entthronung aller Monarchen." — Der vonFreimaurern redigirte „Sieclc" mackt bei Betrachtung der ge-waltsamen Hiuwcguahme Roms anno 1871 folgendes weit-tragende Gesländniß: „Weil in einer nahen oder fernen Zu-kunft alle Throne stürzen müssen, so muß in der pro-videutiellen Ordnung, wie unsere Gegner sagen würden, zuerstdie Stütze für die übrigen Throne verschwinden.Darum rüttelt die. italienische Monarchie den hl. Stuhl um,auf welchem die übrigen Throne aufgerichtet sind. . . . DieserThron muß also unwiderruflich fallen, damit umdie Reihe alle anderen fallen können, damit dasSystem der vereinigten Staaten Europas unterrepublikanischer Fahne dem alten und abgelebtenmonarchischen Systeme folgen könne."
Das höchst bedeutsame Memorandum des ehemaligen preuß-ischen Ministers v. Haugwitz, gewesenen Provinzialgroßmcistcrsder Loge, an den Monarchcucougreß in Verona , dessen Ent-hüllungen die Kaiser Franz von Oesterreich und Nikolaus vonRußland gegen die Freimaurerei sebr bcdcnküch machten, seibloß angezogen und noch bemerkt, daß es gerade die Nevolutions-pläne der Loge waren, welche den Minister zum AuStritt ausderselben bewogen. Dieses Memorandum eines preußischenMünsters und FrennanrcrS — dieses ernste: ab nnno rogesintellig'ito, dürften die Herrscher und Fürsten der Erde sichimmer wieder vor die Seele führen, namentlich in einer Zeit,welche um die Tbrouc so unheimlich mit Dynamitbomben spieltund gegen Regenten den verbrecherischen Mordstahl schleift. Daist es wohl von Interesse, die neueste Aeußerung des ehemaligensranzösischcn Gesandten beim hl. Stuhle, Marquis de Gabriac.zu vernehmen, die er jüngst im „Eorresponvent" gethan batanläßlich der Worte, die Papst Leo XIII. unlängst über dieFreimaurerei an die Fürsten und Völker richtete. Sie lauten:
„Die strengen Worte Leo'S XIII. werden gerechtfertigt durchdie täglichen Ereignisse. Ob die Freimaurerei wirklich die MutterderAnarckie ist, daraufkommt es wenig an: aus jeden Fallaber in die Ver w andts chaft sebr nahe n n d n n l ä u g-bar. Die nämlichen Grundsätze, nur etwas verheimlicht untereiner weniger brutalen Form, wcrvcn nothwendigerwcisc dieVölker zu den nämlichen Conscquenzcn führen. Die besten undmit der größten Bebarrlickkeit angewandten Gesetze zum Schutzeder allgemeinen Sicherheit können auf die Dauer nichts aus-richten gegen die verrückte» Lehren dieser beidenSekten, die auf den nämlichen nur allzu bekannten Satzhinauslaufen: „Weder Gott »och Meister!"" („Teutsche Reicks-zeitung", August 1894.)
Fügen wir noch nachstehende, geradezu unheimliche Frci-maurcrbekenntnissc an: „Die Republik steh: über allen Königs-kronen, über allen Verfassungen; sie ist das Gesetz der Gesetze"(vbaino (I'union 1886 p. 107), und: „Ein wahrer Freimaurerkann nicht Monarchist sein; Freimaurer undMonarchi stsind ; ivci mit einander unverträgliche Dinge" (ÜIs-moramlnm du 8»pr. tloiw. clo kranee Nr. 97, 1887, okr. Hilv.Gerber: Die Freimaurerei p. 83).
Sage man nicht: Ja das sind eben Aeußerungen der vielradic.stercn Freimaurer Italiens und Frankreichs , mit welchendie Deutschen in keiner näheren Beziehung stehen. Dem ist
aber ganz entschieden entgegenzuhalten einmal, daß, wie gleichanfangs nachgewiesen wurde, die Freimaurerei ein ausge-sprochener Welt- und Mcnschheitsbund ist, so daß eS schon inseinem Wesen liegt, die ganze Menschheit in seine „Brudcrkette"zu schließen, mit seinem Geiste zu erfüllen. Obwohl sodann diedeutsche Freimaurerei — selbst in ihren eingewcihtcrcn Mit-gliedern — aus naheliegenden Gründen einer viel größeren Zurück-haltung und viel größeren Mäßigung in ihren Ausdrücken sichbefleißt, als die radicalen, revolutionären französischen, italien-ischen und belgischen Freimaurerbelden, so kann nicht gcläugnetwerden, daß die deutsche Freimaurerei im Großen und Ganzenkeinen wesentlich andern Geist hat, als die Freimaurerei eben-genannter Länder. Daö beweisen unläugbar und deutlich genugdie fortdauernden, oft dickfreundschaftlicken Beziehungen zu den-selben. So haben z. B. die drei großen Berliner Großlogenden Freimaurer -Großmeister und Revolutionär Lemmi zuihrem FreundsckaftSbürgen beim Großoricnt in Rom erwählt,wohlverstanden jenen Lemmi, der sich selber rühmt, ein be-geisterter „Nachahmer und Schüler Mazzini's und Garibaldi's,Gefährte und Freund der wenigen Theilnehmer an unserengroßen Revolutionen" zu sein. Meine Herren, wenn ein solchesFrenndschaftsverhältniß mit einem ausländischen Revolutionärein katholischer Priester oder gar Ordenömann einginge, nichtwahr—welch einen Zeitungssturm, einen ZeitungSoikan würdedas nicht entfesseln und welche Vorwürfe über Vaterlandsfeind-schaft unserer Kirche würde es da nicht hageldicht regnen.Weil es aber Brüder im Schurzfell gethan, war's recht undgut und schwieg man darüber in eisigem Schweigen.
Derselbe Großmeister und Revolutionär Lemmi schrieb, lautdem italienischen hochofficiellen Frcimaurerorgan „NivistaMassoneria", am 3. Mai 1889 an den Großorient von Frank-reich: Die italienischen Freimaurer fordern, indem sie die Feierder französischen Revolution mit der Brunoseier verbinden, diefranzösischen Brüder auf, alles Mißtrauen und alle Eifersuchtaufzugeben, auf daß beide Völker nach Auötilgung jeder Spurpolitischen und religiösen Despotismus auf den Trümmern deralten Welt die ersehnte Aera der Brüderlichkeit, der Gleichheit,der Wissenschaft, der Freiheit und des Friedens vorbereiten undbeschleunigen mögen." Bei diesem Giordauo Bruno-Fest mitseinem ausgeprägt ckristenfeindlichen und revolutionären Cha-rakter war aber, wie Großmeister vr. Settegast in der Bau-hütte 1889 mit Stolz hervorhob, die deutsche Freimaurerei eben-falls vertreten. Endlich hat man noch nie von einem Protest,der schon aus Patriotismus bückst angezeigt gewesen wäre, alsoman hat noch nie von einem Protest deutscher Großlogen ge-lesen gegen die geradezu hochrevolutionären Bestrebungen desitalienischen Großorients oder gar von einem Abbruch derFreundschaftsbeziehungen zu demselben in Folge dieser revo-lutionären Tendenzen.
Hochanfchnliche Versammlung! Man wollte die deutschenKatholiken schon wiederholt als Feinde des Dreibundes hinstellen.Es wäre viel besser, anstatt dieser Unwahrheit daran zu denken,daß die italienische Freimaurerei eine geborene Feindin desDreibundes ist, welch letzteren sie als unnatürliche Bastard-allianz bezeichnet, an dessen stelle sie — ich citire wörtlich —„eine hl. Allianz freier Völker erstrebt, welche den drei Despotenim Norden (wie sich das officiclle schon citirte italienische Logcn-organ ausdrückt) das Gesetz der Freiheit und des Fortschrittszu dictircn bätte." Und mit einer solchen revolutionären Frei-maurerei unterhalten deutsche Logen frenndschastliche Beziehungenund gelten dennoch als die Träger und Förderer der Ordnungund des monarchischen Gedankens und gcriren sich nochals solche.
Nickt wenige Freimaurer der gewöhnlichen Art und derniederen Grabe werden biegegen Protest erbeben und mit gutemGewissen versichern, von alledcm sei ihnen nichts bekannt. Abergerade dieser ihr Protest bestätigt eben nur, daß sie vom ein-geweihten Freimaurcrthum und dessen eigentlichem Geist undWesen so gut wie nichts wissen und zu den Eß-, Spiel- undFormsrcimaurcrn gehören und die NaSgcsübrten sind, von denenselbst die Frcimaurerzeitung „Bauhütte" klagt und spottet, daßeS in Deutschland zwar viele „Logenbrüder", abernur wenige wahre „Freimaurer " gebe. Die „Eß-,Spiel- und Form-Freimaurer" bilden, sagt dasselbeLogenblait, die große Mehrbeit („Bauhütte" 1991). Unter3000 Suchenden seien keine 200 rechte Leute („Bau-hütte" 1880). Diesen Vorwarf, für den wir der „Bauhütte"sehr dankbar sind, sollen sich jene Maurer zu Herzen nehmen,welche, vom wahren Wesen der Loge nichts wissend, gleich Zeterund Mcrdio schreien und mit „Verleumdung" um sich werfen,wenn an der Hand von Bekenntnissen eingeweihter Freimaurer