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des Dankes gegen Gott gerührt, daß Vr unser armesGebet für Ihn, um Regierung Seines guten Geistes, nichtverworfen hat, denn aus diesen Aeußerungen überzeugenwir uns, daß Er, unfer lieber Sohn, sich von der be-sonders unter Gelehrten herrschenden Freigeisterei so weitlosgewunden habe, daß Er erkenne, wie alles Gedeihendurch den Segen von Oben herabkommen müsse. O, meinSohn, was kann mich stärker überzeugen, als selbst-gemachte öftere Erfahrung! Wo alle unsere Einsichten,Pläne, Borsätze, Anfänge scheitern, wo Rath, Zusageoder Hilfe vom Menschen nicht hinreicht, um einensichern Schritt zu thun, und man sich in einer ernstlichen ^Demuth und Gebet zu Gott wendet, das bringt ausFinsterniß Licht, und es erscheint Hilfe, die eine« Wundergleichsieht. Und gesetzt, sie erschiene nicht so bald, alswir erwarten, so wird uns doch das Herz leichter, wirgewinnen Vertrauen und Zuversicht auf Gott und werdenaufgemuntert, durch Geschäftigkeit, Fleiß und Ordnungauch das Unsrige beizutragen."
Diese Proben mögen genügen. Aus Wolzogen'SBuch erhellt ferner, welch' inniger gemüthlicher Verkehrin der Schiller'schen Familie herrschte, und es werdenuns manche Anschauungen und Aeußerungen aus denletzten Lebensjahren des Dichters verständlich, wenn wirerfahren haben, waS der große Sohn aus dem einfachenund schlichten Vaterhanse mitbekommen und mitgenommenhat. Ruft dieser doch einmal in den Tagen seiner ir-religiösen Richtung aus seinem gepreßten Herzen: „Wennich beten könnte!" ES war in der Zeit (1795), da erunter dem Einflüsse seines Meisters Kant an Goethe dietrostlosen Worte schrieb:
„Ich finde in der christlichen Religion virtualiterdie Anlage zu dem Höchsten und Edelsten, uud die ver-schiedenen Erscheinungen derselben im Leben scheinen mirbloß deßwegen so widrig und abgeschmackt, weil sie ver-fehlte Darstellungen diese? Höchsten sind. Hält man sichan den eigentlichen Charakterzug des Christenthums, deres von allen monotheistischen Religionen unterscheidet, soliegt er in nichts anderm, als in der Aufhebung de§Gesetzes, deS kantischen Imperativs, an dessen Stelledas Christenthum eine freie Neigung gesetzt habenwill usw." —
Die Eltern aber liebten nicht bloß ihren Sohn,dieser hing auch trotz Sturm und Ungewitter mit jederFaser seines Herzens an jenen. Im April 1895 warenVater und Mutter auf den Tod krank. In dieserkritische» Lage schreibt Schiller an seine verheiratheteSchwester in Meiningen :
„Ueberlege, meine liebe Schwester, daß Eltern insolchen Extremitäten den gerechtesten Anspruch auf kind-liche Hilfe haben. Gott ! warum bin ich jetzt nicht ge-sund und so gesund, als ich es bei der Reise vor dreiJahren war, ich hätte «ich durch nichts abhalten lassen,hinzueilen! Aber, daß ich über ein Jahr fast nicht ausdem Hause gekommen, macht mich so schwächlich, daß ichdie Reise entweder nicht aushalten oder doch selbst krankbei den Eltern hinfallen würde. Ich kaun leider nichtsthun, als mit Geld helfen, und Gort weiß, daß ich dasmit Freuden thue. Bedenke, daß die liebe Mutter, diesich bisher mit einer bewunderungswürdigen Standhaftig-keit betragen, endlich unter so vielen Leiden zusammen-stürzen muß."
Vierzehn Tage später schreibt er in der gleichenAngelegenheit:
„Wärest Du nicht hingereist, ich Hütte nicht hier
bleiben können. 'Die Lage der lieben Unsrigen war docherschrecklich — so allein, ohne den Beistand liebenderFreunde, und bei zwei Kindern, die in der Ferne vonihnen leben, verlassen. Ich darf nicht daran denken.Was hat unsere gute Mutter nicht an unseren Groß-eltern gethan, und wie sehr hat sie ein Gleiches vonuns verdient!"
Das muß man Schiller lassen: Wenn die SaitendeS Gemüthslebens anklingen, so finden sie in seinemedlen Herzen einen warmen Widerklang. Sein großerRivale kannte derartige Töne nicht; dafür hatte Goetheaber auch andere Eltern.
Rede des Herrn Pfarrers A. Schwarz inOttenbach (Württemberg )
gehalten auf dem Ersten Jntcrnaticualcn Antisreimaurer-Coii^rcßin Tricnt am 28. L-ept. 1896.
(Schluß.)
Fügen wir zum Beweise der engen Verbrüderung der ge-sammten Freimaurerei und ihres internationalen Charaktersnoch an das allen „Brudern" gemeinsame HilfS- und Noth-zeichen, auf Grund dessen jeder Freimaurer dem andern inGefahr und Bedrängnis bcispringen muß. Dieses manrerischeNvihzeichcn wird sogar thatsächlich in Kriegsfällen an-gewendet, und zwar in vaterlandsverrätherischcr Weise. Werdie Beweise für diese sehr gravirende Anschuldigung wünscht,den verweisen wir auf die wiederholt citirlc Schrift: „Frei-maurerei und Socialdemokratie", welche unter anderen Beleg-stellen eine amührt. in tvelcher eine derartige vaterlands-vcrräthcrische Handlung sogar als freimaurcrischePflichterfüllung gepriesen wird (s. S. 138). Kein Wunder,daß der sächsische Kriegsminister im Jahr« 1852 ein Eintritts-verbot in di- Loge an die Offiziere erließ, um von anderen der-artigen Verboten in Belgien (1845), Baden (1813), Frankreich (1845 und 1873) zu schweige». Denn, heißt cS in der Frei-maurerschrist „Die Gegenwart und Zukunft der Freimaurereiin Deutschland" S. 33: „Die letzten Kriege gegen Frank-reich sind reich an solchen Beispielen, woderfeind-liche Angreifer seine Waffen streckte, der Offizierseine eigene Mannschaft zurückhielt, um den er-kannten Bruder in der Uniform des Feindes zuschonen." Das „Allgemeine Handbuch der Freimaurerei" so-dann, in der Loge hochangesehen, schreibt unter dem Worte„Noth-oderHilsszcichen": „DiesesZeichen hat oft in Kriegs-zeitcn wohlthätig gewirkt und die bittersten Feinde ent-waffnet .Seit dem Bestehen und der Verbreitung der
Freimaurerei hat sich dieses Zeichen in den Kriegendes laufenden Jahrhunderts segensreich erwiesenund oft die unerwartetste Hilfe gebracht." Und trotzalledem soll die tzoM „vom Geiste der Vaterlandsliebe undanderer patriotischen Tugenden erfüllt sein".
Das soll die Loge sein, deren Endziel und Hochideal „dieVerbrüderung der freien Völker", die „Welirepublik" ist, jawelche iogar nach den Worten deß deutschen FreimaurersDr. Fischer in dessen Jubiläumörede als die Mutter der De-mokratie gepriesen wurde. Und in der Frcimaurerzeitung brichtderselbe vr. Fischer in die sehr bezeichnenden Worte auS: „Ja,meine Bruder, die Demokratie ist ein Kind der Maurcrei, undwir müssen sie anerkennen als unser Kind, und unser Bernsist es, daS Kind heranzuziehen zu aller Wcfttzeir, Kraft undSchönheit." Begreifen Sie jetzt, hochansebuliche Versammlung,nach solchen Geständnissen aus Freimaurcnnund, die zudemleicht vermehrt werden können, begreifen Sie jetzt, warum demo-kratische und socialdemokratische Zeitungen sofort über die Logeden deckenden Schild halten und für sie schützend in die Schrankentreten, sobald man der Loge die Maske abreißt und sie ausBekenntnisse aus eigenem Mund hin als daS hinstellt, was siewirklich ist, ja daß dann Demokratie und Socialdcuiokratiesofort zur Vertheidigung der Loge am die Namen einiger ge-krönter Häupter und deutscher Fürsten sich berufen, denen gegen-über sie sich sonst gar wohl hüten, sie als Auctoritäten für ihreZwecke anzurufen.
Liegt nicht gerade in diesem warmen Eintreten dieserParteien für die Loge der beste Beweis, daß die Loge im Sinneder Demokratie und Socialdemokratie thätig ist und Wasseraus deren Mühlen schüttet? Wäre die Loge christensreundlich