und Christenthum fördernd, wahrhaftig, dje moderne Demo-kralie würde sich dann nicht als Vertheidigerin >cr Lege aus-werfen, und wäre die Lege so patriotisch und monarchisch ge-sinnt, dann käme eS der Socialdemokratie sicherlich nicht tu denSinn. für dieselbe eine Lanze zu brechen.
Was aber die Stellungnahme deutscher und anderer Fürsten für die Loge betrifft, so lassen Sie mich kurz nur noch sagen,die Loge legte es daraus an, womöglich gekrönte Häupter inihren Bund zu ziehen, obwohl, wie wir bereits aus Freimaurer-mund gekört: „Freimaurer und Monarchist zwei mit einauoerunverträgliche Dinge sind "und „die Repnblik über allen Königs-kronen steht und daS Gesetz der Gesetze ist". Durch diesesHerbeiziehen gekrönter Häupicr aber, die grundsätzlich niemalsin die wahren Ziele der Loge eingeführt werden, beabsichtigtdie Loge in kluger Berechnung allen und jeden Verdacht vonihren, der Kirche und dem monarchischen Staate gefährlichenBestrebungen abzulenken und um so unschuldiger und gerecht-fertigter dazustehen. Aber von dieser Ausnahme gekrönterHäupter in die Loge ist in letzterer Zeit die Freimaurerei mehrabgekommen. Die letzten gekrönten Hohenzollcrn, die ihr ange-hörten, waren Kaiser Wilhelm I. und sein Sohn KaiserFriedrich III.
Aber gerade Wilhelm I. , Kaiser von Deutschland (1863bis 1883), lochte nach seinem Eintritt in die Loge durch Ueber-nahme des Protektorats und Einführung vieler regierungstreuenBeamten einen Einfluß auf die Freimaurerei zu gewinnen, umletztere in ihrem staat-gesähiticken Charakter zu überwachen unddesselben nach Kräften zu entkleiden. Darum dachte er sich dieLoge als ein christliches Institut, wie seine in Solingen imJahre 1853 gehaltene Rede bekundet, in welcher er sagte: „DieFreimaurerei ist ein auf Religiosität gegründetes, ein christ-liches Institut. Diese AnfsassungSweise spreche ich überall,in jedem maurerischen Kreise und heute auch hier aus, hoffend,daß die Bruder im Geiste deS Christenthums undsomit auch im Geiste der Freimaurerei denken undhandeln, leben und wirken und dadurch dem Institutden weitesten und segensreichsten Raum gewinnen helfen." Indieser Hinsicht ließ aber die Loge ihren „hochwürdigcn Protektorund allerdurchlauchtigstcn Bruder" reden, ohne dessen gutge-meinte Mahnungen sich zur Richtschnur zu nehmen. DaS ver-bot der Loge ihre principielle Gegnerschaft zum Christenthumdurchaus, welche Gegnerschaft zum sehr fühlbaren Ausdruck kamin der Jnscenirung deS unseligen „Cnlturkampfes". WeilKaiser Wilhelm aber dar srcimaurerische Humanitätsprincip inReligion und Politik nicht anerkannte und, des CulturkampieSspäter satt, dem Volke die Religion erhalten wissen wollte, be-gannen die ^grundsätzlichen" Freimaurer in ihm mehr undmehr einen lästigen „Hemmschuh" zu erblicken und die „christ-.iche Unterströmnng", welche Kaiser Wilhelm in die Loge zubringen und in ihr zu fördern suchte, energisch zu bekämpfen(s. Baubütte 1879, 1883, 1885). Der Freimaurer Karl Schulztrat sogar in offener Rede anläßlich deS GcburtSsestcS desKaisers (1883) dessen früher ausgesprochenen Wünschen ent-gegen in den scharf gemünzten Worten: „Glauben Sie ja nicht,der Freimaurerbund sei eine christliche Institution." Als solchesInstitut hatte nämlich Kaiser Wilhelm D als Kronprinz dieLoge bezeichnet, wie wir oben vernommen. Nach dem Todedes Kaisers aber schrieben französische Logenbrüdcr, die immeroffener und kühner sich gerircn als die zahmeren Schurzfell-brüder in Deutschland: „Wilhelm I. hat sich niemals durchernstliche Erfüllung seiner maurerischen Pflichten ausgezeichnet,aber er dielt eS nichtsdestoweniger für Vortheil-haft, persönlich an der Spitze einer in der Welt so weitver-breiteten Institution zu bleiben." (Lullotin inaxonnigns Nr. 102x. 131, otr. Gerber „Die Freimaurerei".)
Kaiser Wilhelm II. (15. Juni 1888) ist der erste ausdem Hohenzollernhanse, welcher in die Freimaurerei sich nichtaufnehmen ließ, eine Thatsache, über welche die zahmen Logen-bruder trauern, die grundsätzlichen aber sich freuen, weil siedamit einen Herzenswunsch erfüllt sehen — das Bcfrcitsein vonhoher Protektion, durch welche die grundsätzlichen Logenbrudersich in ihrer eigentlichen Maurerarbeit eingeengt fühlen. Alsdaher mit Kaiser Friedrich III. „der letzte Protektor der König-lichen Kunst aus dem Hohenzollcrnstammc zur dunklen (Todes-)Kammer hinabging" (Banhütte 1888), von den osficicllen Ber-liner Logen aber eine Erneuerung dieses Protektorates ange-strebt wurde, erhoben sich hiegegen ganz energisch die grundsätz-lichen Freimaurer. „Es ist ja fraglich," schrieb die „Bauhütte",„ob die fürstlichen Protektorate überhaupt ein Segen sind. Wennsie dem Einfluß von Intriguen ausgesetzt sind, bringen sie dasGegentheil von Segen, deßhalb wäre Klarheit über die jetzigen
Verhältnisse sehr erwünscht: sie könnle vielleicht dazu sichren,daß die o-cbuincht mancher Kreise nach Protektoraten sich merk-lich abkühlen ließe uns wenigstens ein fester Stamm den Mutobekäme, auf eigene Beine sich zu stellen," welch' letzteres durchScttegast und seine Anhänger uuumebr geschehen ist. Und aueiner anderen bcmcrkcnSwerthe» Stelle sagt die „Bauhütte":„Im allgemeinen sprechen gewichtigere Gründe gegen die fürst-lichen Protckwrate, als iür dieselben." Mit gcwobntcr Offen-heit äußerte sich anläßlich des NichtbeitrittS Kaiser Wilhelms II.zur Loge das schon früher citirte Pariser Bulletin magonuigns(okr. Gerber „Die Freimaurerei") in den srbr deutlichen Worten:„Wir stauben, die deutschen Freimaurer können sich nur Glückdazu wünschen, daß Friedrich III. seinen Sohn nickt in denBun» aufnehmen ließ, und sie müssen sich durch die Abneigung,welche letzterer gegen die Freimaurerei zu hegen scheint, sebr ge-eint füdlcn. Denn eS iü einem Herrscher, trotz all' seinesguten Willens — er müßte denn abdanken — einfackhin un-möglich, die Grundsätze der Freimaurerei (die auch »ach Finde!in der französischen Revolution Fleisch annahmen) mit der ganzeigenthümlichen Meral der StaarSraison, diesem transscendentenGesetze, in welchem die Fürsten zum voraus die Absolutionvon allen Verbrechen finden, zu vereinbaren. Friedrich III. wäre dies anck nicht gelungen trotz des Liberalismus,den man ihm nachsagte, trotz seines philosophischen (d. b. frei-uiaurerisch-vemokralischen) Geistes und seines wohlwollendenCharakters. Sein Sohn aber wäre dem Frciinanrerbnnde niein anderer Absicht beigetretcn, alt um denselben zu knebeln odervon seiner Ausgabe abzudrängen." — Und an einer anderenStelle schreibt dasselbe Blatt: „. . . Die Freimaurer werdensich nicht einschüchtern lassen. Weil der Kaiser (Wilhelm II. )sich nicht einweihen lassen will, werden sie das Volk einweihenund wenn das Kaiserreich sie verfolgt, werden siezurNcpublikübergchen (okr. Gerber „Die Freimaurerei").Als sodann am 13. Februar 1889 Prinz Friedrich Leopold „mit allerhöchster Genehmigung" der Log- beitrat, den osficicllenBrüdcrn zur Freude, den „grundsätzlichen" und fortgeschrittenenzum Leide, schrieb die >01>»ine cl'nnion«: „. . . Nach dem Vor-stehenden wird man es begreiflich finden, daß wir uns ent-halten, die Berliner Freimaurer zu der neuen Erwerbung, diesie gemacht haben, zu beglückwünschen. Wir halten dafür,daß sie in großer Kntmüthigkeit den Wolf in denSchafstall eingeführt haben."
Dock genug und mebr als genug. Wollen Sie sich mitdiesem so knapp als möglich gehaltenen Bild der Freimaurerei ,das noch mn vieles und sehr interessantes erweitert werdenkönnte, begnügen. Sie haben nnn einigermaßen wenigstenseinen Einblick in den tieferen Geist und dar wabre Wesen derLog- thun können an der Hand deS angehäuften Materials auSFrcimanrermund selbst. Sie haben sich einen Begriff zu bildenvermocht von jener vielgepriesenen Freimaurcrhnmanität.
Diese Freimaurerhnmanität bekommt unter allen christ-lichen Konfessionen niemand empfindlicher und nachdrücklicherzu fühlen, als die katholische Kirche , gegen welche die Loge nachwiederholtem eigenen Geständniß vor allem die Wucht undSpitze ihres Angriffes und ihres Hasses kehrt. Im Namendieser „Humanität", dieser „Naturrcligion", dieser „Rcin-mcnschlichkcit" fordert und strebt die Loge allüberall an, wo sieeS irgendwie vermag, die Lahmlegung der Kirche, die Unter-bindung ihrer Lebensadern, die Entchristlichung der Massen.Im Namen dieser „Humanität", dieser principiellen Gegner-schaft gegen jedes Christenthum und vor allen, gegen die kath.Kirche schwärmte und schwärmt der Freimanrerbund für denKulturkampf, trat und tritt er ein für die Civilche, erhob underhebt er sich gegen die Orden, protestirt er gegen christlicheSchulen, ist eines seiner höchsten Ideale die religionS- und kon-fessionslose Schule, die er, wo immer seine Macht ausreicht,mit allen Mitteln einführt, wie in Frankreich, Italien, Belgien uiw., bringt er Schulgesetze, wie das Zedlitz'sLe, welche derKirche auch nur ein minimalstes Recht in der Schnlfrage ein-räumen wollen, zu Falle, beraubt er trotz Protest der Aerzteund medizinischer Aiiktoritäten sowohl wie der armen Krankendie Spitäler in Paris der Pflege durch barmherzige Schwestern.All diese Vergewaltigungen an den heiligsten Rechten aber verübtdie Loge im Namen der — „Humanität", d. h. im Namenihres grundsätzlichen AntichristcnthumS, ihres Hasses gegen allesUebcrnatürliche. — Ja die Loge, die Freimaurerei ist das große,gewaltige Triebrad der heutigen Zeit im Kampfe gegen dasCbristcnthum im allgemeinen und im Kampfe auf Leben undTod gegen die katholische Kirche im besondern, welch letztere dieLoge unter allen Confeisionen als jenen Factor erklärt, derallein noch zu fürchten sei. In diesem Nicscnkampf des Frei-