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jüngere. Diese Frage kann nur durch eine kritischeVergleichung der beiden Berichte entschieden werden.
Es mag ja sein, daß die schriftliche Fixirung desbabylonischen Berichtes eine ältere ist, als diejenige desbiblischem Uebrigcns ist nicht außer Acht zu lassen, daßdie den Bericht enthaltenden Keilschrifttafeln erst aus demsiebenten Jahrhundert v. Chr. stammen. „Ihr Textjedoch ist zweifellos viel älter und rührt aus einerspätestens 2000 o. Chr. abgefaßten Urkunde her."(Andrer S. 3.) Die Beurtheilung dieses „zweifellos"muß ich genauen Kennern der babylonischen Literalurund Sprache überlassen und einstweilen die Richtigkeitdesselben annehmen. Allein wenn auch der biblische Be-richt erst viel später schriftlich fixirt wurde, so wäre esgewiß ein ganz unbegründetes Vorgehen, die Zeit derschriftlichen Fixirung mit der Entstehung des Berichteszu identifiziern. Ich halte vielmehr, besonders auf Grundder scheinbar unmotivirten Wiederholungen im biblischenBerichte, die Annahme für berechtigt, daß derselbe auszwei verschiedenen, einander ergänzenden, schon längstvorher im jüdischen Volke extstirenden mündlichen oderschriftlichen Flutbcrichten zusammengesetzt ist. Ist diesrichtig, so beweist es, daß der biblische Bericht einen vielälteren Ursprung hat als die Zeit seiner jetzigen schrift-lichen Formirung; aber auch im andern Falle ist diesmöglich und wahrscheinlich. Ich möchte den biblischenFlutbericht in folgende Abschnitte theilen: I. Abschnitt,onx. VI, 5—8; hier wird beschrieben, wie Gott ange-sichts der Bosheit der „Menschen aus Erden" beschlossen,dieselben zu vernichten. Noe aber findet Gnade vor demHerrn. II. Abschnitt, VI, 9—22; Geschlecht Nocs;Wiederholung der Thatsache, daß die Menschen verderbtsind; Beschluß Gottes, sie zu vernichten, welchen er Noemittheilt mit dem Auftrage, eine Arche zu bauen undauch von den Thieren je ein Paar mit sich zu nehmen.III. Abschnitt, onp.-VII, 1—5; Aufforderung Gottes anNoe, in die Arche zu gehen; Wiederholung des Auftrags,daß von den Thieren je ein Paar mitgenommen werdensoll, mit der näheren Bestimmung, daß von den reinend. h. opferfähigen Thieren je sieben Paare aufzunehmensind. IV. Abschnitt, von errp. VII, L an, mit Aus-nahme von cap. VIII, 20—22; Noe geht in die Arche;zweimalige Erzählung, daß von den Thieren je ein Paarmit hineinging; Verlauf der Flut; Bund des Herrn mitNoe und seinen Nachkommen, welcher schon im II. Ab-schnitt in AuSsicht gestellt worden war. Woher nun dievielen Wiederholungen? Dieselben lassen sich wohl ambesten so erklären: Der I. und III. Abschnitt gehörenzusammen und sind Theile eines Flutberichtcs, in welchemGott stets mit dem Namen Jahvc bezeichnet wird. Umaber über die Arche näheren Aufschluß zu geben, so istder Theil einer zweiten jüdischen Ueberlieferung, welchedie erste theilweise ergänzt, als II. Abschnitt eingeschobenworden, und zwar unverkürzt, so daß sich in ihm Wieder-holungen auS dem I. Abschnitte und dann im III. solcheaus dem II. finden. In dieser zweiten Ueberlieferungist der Name für Gott Elohim . Von enp. VII, 6 anwird dann der Name Elohim gebraucht, mit Ausnahmevon VII, 16, wo sich beide Namen neben einanderfinden, und VIII, 20—21. Es ist also hier vorwiegendder zweite.Bericht gebraucht und der erste nur zu kleinerenErgänzungen benützt. Auch einige Wiederholungen weisenauf den Gebrauch des ersten hin, wenn nicht der zweiteselbst wieder aus verschiedenen israelitischen Volksüber-lieferungen zusammengesetzt ist. Von diesen beiden Ueber-
lieferungen war vielleicht die erste im Besitze der Priester,resp. der Acltesten des Volkes, denn sie benützt den prä-ciseren und heiligeren Namen Jahve , der von den Judenso hoch gehalten wurde, daß sie ihn, wenigstens in späterenZeiten, gar nicht aussprachen. Diese Ansicht wird dadurchunterstützt, daß allein im dritten Abschnitte, wo eben derName Jahve gebraucht wird, von den reinen Thieren,d. h. von den Opferthicren, die Rede ist, daß fernerVIII, 20—21, wo wir wieder den Namen Jahve an-treffen, gerade von dem Opfer nach der Sintflut berichtetwird. Der heilige Name Jahve und die Beziehungenzum Opfer lassen daraus schließen, daß diese Ueber-lieferung sich unter den Priestern fortgeerbt bar. Inder zweiten Ueberlieferung wird dagegen der allgemeinereName für Gott, nämlich Elohim, benützt, und in ihm istnur von den Thieren überhaupt, nicht von den Opfer-thieren die Rede, waS im Gegensatz zur ersten auf Volks-überlicferung hinweist. So ist wohl anzunehmen, daßMoseS im Allgemeinen die unter dem Volk selbst kur-sirenden Ueberlieferungen benützte, diese aber vielleichtcorrigirt und jedenfalls ergänzt hat durch die unter denPriestern und Aeltcsten fortgeerbte Ueberlieferung.
(Schluß folgt.) -
Upsala, Schwedens erste Universitätsstadt?)
Von Or. P. Wittmnn».
Nach einer von zahlreichen Schriftstellern des früherenMittelalters überlieferten, in Chroniken und Volksliedernnoch fortlebenden Sage soll die Wiege der germanischenStämme in Skandinavien gestanden haben und. derenstrahlenförmige Verbreitung über das europäische Festlanddurch wachsende VolkSmeng: hervorgerufen sein.
Beweiskräftig hiefür scheint nicht allein der Um-stand, daß die Macht der schwedischen Ober-Könige ineiner nördlichen Provinz (Upland) wurzelte, sondern daßauch der Odinscnlt hier seinen Hanpisitz, seinen be-deutendsten Tempel hatte. Würde eine Einwanderungvon Süden nach Norden erfolgt sein, so wäre diese Er-scheinung kaum zu erklären. Ein abschließendes Urtheilläßt sich freilich deßhalb noch immer nicht fällen. Nursoviel steht fest, daß die sog. „Upsvear" schon im grauenAlterthume die herrschende Stellung einnahmen, ihreHaupistadt Aros oder Upsala aber lange Residenz derFürsten und der wichtigste Platz des ganzen Reiches ge-wesen ist.
Sie wird schon im neunten Jahrhundert erwähnt.Erik der Heilige erlitt daselbst unter den Schwerternheidnischer Feinde den Martertod (1160). Mit derWürde des Bischofs von Upsala war seit 1164 derPrimat verknüpft. St. Eriks Gebeine zogen Schaarenvon Wallfahrern an. Das Kirchengut mehrte sich; Machtund Reichthum des Stiftes wuchsen Zusehends.
Unter solchen Verhältnissen begann man (1260) nachdem Plane des Franzosen Vonneuil den Bau der ehr-würdigen Kathedrale, die zwar im Laufe der Jahr-
*) Von Schriften, welche ich zu dieser Skizze bcizog, seienhier genannt: 1) -LvoriZos bistoria kenn äldsia i n! tillvirrer äoK'nr.r 6 Bde. (1877 sf.) — 2) Stysfc, -8bnne!innv!onnnäsr nnionstidsn.- (!880.) — 3) Schück, -Lvcwdb lilre-ra-tnichisr.m'ia. (1890.) Band I. — 4) Warbera, -8vonsl. !it-tkratmliistoiia i .-aminnnclrnA.« (1888.) — ö) A nner stcbt,-Upsala universiters liistorla.- (1877.) — 6) Aiiucrstcdt,-Upsala nuiversiteisblbliotoles lüswria.- (1894.) — 7) Witt-in an n, „Würzburger Bücher in der schweb. Ilniv.-Bidlielhekzu Upsala." (1891) — 8) WiHinann, f.Jiibrer d. Schwe-den ." (1893.)