Ausgabe 
(15.11.1896) 48
 
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Hunderte mehrfache Schäden erlitt, in jüngster Zeit abernach Zetterwalls Plänen einer durchgreifenden Reparaturunterzogen wurde. Mit ihren steil emporstrebendenThürmen, den massigen Strebepfeilern und schlankenFialen bietet der Dom ein überwältigendes Bild. AuchdaS Innere wirkt machtvoll auf den Beschauer: hoheund weite Gewölbe auf Säulenbündeln von grauem Sand-stein, ein imposanter Hauvtaltar, Grabchöre mit Denk-mälern hervorragender Männer; in der Sakristei zahl-reiche Ueberreste der katholischen Vergangenheit. DieReliquien des hl. Erik ruhen in silbernem, kunstvollemSchreine.

Schon im 14. Jahrhundert war mit dem Dom-capitel eine Schule verbunden, an der auch LaienUnterricht erhalten konnten. Bald trat man dem Ge-danken näher, dieselbe zu einer »Universität zu er-weitern. Doch blieben bezügliche Synodalbeschlüsse trotzwarmer Unterstützung von Seiten der Könige, namentlichChristoph des Bayern , zunächst erfolglos. Erst dem ge-lehrten und eifrigen Bischof Ulfffon gelang es, seinemVaterland die angestrebte eigene Hochschule zu ver-schaffen. Die betreffende Bulle deS Papstes SixtuS IV. vom 28. Februar 1477 erhielt unterm 2. Juli dess. Js.Bestätigung des damaligen NeichsvorsteherS Sten Sture .Am 7. Oktober wurden die VorlesungenGott zu Lob,der Christenheit und dem Schwedenvolt zur Freude" er-öffnet. Als Professoren fungirten zunächst die Kanonikerdes Stifts, darunter der als GeschichtSschreiber bekannteErtcuS Olai (-s- 1486). Das Birgittinerkloster Wad-stena lieferte gleichfalls Lehrkräfte; unter ihnen zeichnetesich k. Petrus als gründlicher Kenner der Mathematikund Astronomie aus.

Indeß fehlten der jungen Anstalt genügende Do-tation und paffende Räumlichkeiten. Auch scheinen nurzwei Fakultäten, die theologische und juristische, vorhandengewesen zu sein. Man liest deßhalb nirgends etwas vonDoctorpromotionen. Die schwedischen Jünglinge pflegtenvielmehr wie ehedem, so auch jetzt ihre Studien an aus-wärtige» Akademien (Paris, Köln, Prag rc.) zum Abschlußzu bringen.

Mit Bischof Ulsssons Tod war der vorläufige Unter-gang seiner Schöpfung besiegelt, zumal die damals ein-dringende Häresie die Scholastik aufs bitterste bekämpfte,Gustav I . Was« aber kein Verständniß für die Wissen-schaft hatte. Seinen Bedarf an weltlichen Räthen wiean Prädikanten lutherischer Gesinnung deckten Witteuberg,Rostock, Greifswald. Erst Erik XIV. interessirte sichwieder für Upsala. Er suchte die Fakultäten herzustellenund schuf neue Lehrstühle. Laurentius Petrus Gothus,von den Zeitgenossen als »iostauratvr eollaxsas aca-äsmiav" gepriesen, unterstützte ihn bet Ausführung desWerkes. Leider äußerten die unter Johann III. ent-brannten liturgischen Streitigkeiten neuerdings sehr schäd-lichen Einfluß auf die Entwicklung der Hochschule. Unterden Professoren herrschte Zwist und Uneinigkeit; selbstdie Hörer pflegten dabei Partei zu ergreifen. Endlichkam es sogar zu blutigen Schlägereien.

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Mit Gustav II. Adolf begann für die UniversitätUpsala eine neue, bessere Zeit. In Erkenntniß derhohen Bedeutung echt nationaler Ausbildung drang erdarauf, daß auch der schwedischen Sprache Aufmerksam-keit und Pflege gewidmet werde. Er war es ferner, derdurch Ueberweisung zahlreicher Höfe, Mühlen und Säge-werke in Upland und Westmanland der Hochschule dir

ihr bisher mangelnde reale Grundlage verlieh und durchPrivilegicnertheilung jeder Art ihr neue Mitglieder zu-führte. Zu den theologischen Lehrstühlen traten baldmehrere neue für andere Disciplinen. Die durch Skytteund Oxenstjerna (1626) ausgearbeiteten Konstitutionen er-möglichten ein reicheres, wissenschaftlicheres Leben. Vonden achtzehn Professoren waren hinfort zwei Juristen,zwei Mediziner, drei Mathematiker; letztere hatten zu-gleich Geometrie, Architektur nebst Fortifikation zu dociren.Philologie und Theologie wurden getrennt; der Lehrerdes Hebräischen mußte in den vorderasiatischen Sprachenunterrichten. Außerdem gab eS Katheder für Geschichte,Staatswissenschaft und Poesie.

Als Attribut der Hochschule entstanden eine aka-demische Druckerei und Buchhandlung, bald auch (13. April1620) die jetzt so berühmte Bibliothek. Die Büchereides ehemaligen Domeapitels, sowie der trotz aller StürmederReformation" noch vorhandene Nest ehemaligerKlosterbibliotheken bildeten den Grundstock. BedeutendenZuwachs erhielt die Sammlung durch schenkungsweise Zu-Wendung von Kriegsbeute. So überließ ihr Gustav II.Adolf die Impressa und Manuskripte deS Jesuiten -collegiums Braunsberg und (1631) die bischöflich würz-burgische Hof- und Universitätsbibliothek, welche bei Er-stürmung des Marienberges den Schweden in die Händegefallen war. Eine sehr bedeutende Mehrung darunterden cväex urZentsus, das einzige Denkmal altgothischerSprache konnte die Anstalt (1669) dank der patriot-ischen Gesinnung des Grafen MagnuS Gabriel de laGardie verzeichnen.

Der einzige Mißstand, welcher die gedeihliche Ent-wicklung hemmte, war Raummangel. Um diesem einiger-maßen abzuhelfen, verfügte das Konsistorium die Ver-steigerung einer beträchtlichen Zahl mittelalterlicher Hand-schriften. Dieser Akt brutaler Ignoranz verursachte leiderunersetzlichen Schaden und läßt es erklärlich scheinen, weß-halb nur Codices des Birgittinerklosters Wadstena sich ingrößerer Zahl (326) erhalten haben, die übrigen Konventedagegen ausnehmend schwach vertreten sind.

Auf Befehl Karls XIV. Johann entstand (1819 bis1841) das Gebäude, in welchem die Schätze der Bibliothekgegenwärtig untergebracht sind. Nüchtern in der äußerenForm, schließt dasselbe hohe weite Säle ein und gestattetin all seinen Partien der Luft und dem Licht freien Zu-tritt. Die innere Ausstattung ist zweckentsprechend, theil-weise namentlich im Lesezimmer comfortabel, jaelegant. Der Leiter der Anstalt, Dr. Claes Annerstedt,auch als Historiker bedeutend, wirkt mit aufopferndemFleiß für Vergrößerung, Katalogifirung und Nutzbar-machung derselben; sie zählt nunmehr circa 300,000Bände nebst 8000 Handschriften und wird an Umfangnur von einer schwedischen Bücherei, der Riksbibliotekzu Stockholm , übertreffen.

Um auf die Universität als solche zurückzukommen,so mußte sich dieselbe lange mit dem alterihümlichen Skyt-teanum und unschönen Gustaviannm begnügen. Destogroßartiger ist der in den Jahren 1881 bis 1887 nachPlänen H. T. HolmgrenS ausgeführte Neubau. ImRenaissancestil gehalten, hat er eine Länge von 40 Meterbei 18 Meter Tiefe. Die Höhe beträgt 30 Meter. AlsMaterial verwandte man Sandsteine und bunte Ziegel;die Fensterpfeiler bestehen aus geschliffenem Granit. Dieprächtige Eingangshalle erhält ihre Beleuchtung von oben.Die Fliesen find aus Schiefermosaik zusammengesetzt,Treppen und Säulen aus grünem Marmor gefertigt.