Ausgabe 
(15.11.1896) 48
 
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An Annexen besitzt die Hochschule ein Krankenhaus,chemisches Laboratorium, Observatorium, sowie einen aus-gedehnten botanischen Garten mit musterhaften Gewächs-häusern.

Unter den Professoren, welche im Laufe derletzten drei Jahrhunderte in Upsala wirkten, haben einigeWeltruf erlangt. So zeichneten sich Messenius (157Sbis 1636) und Olof Rudbeck (16301702) durch un-gewöhnliche Vielseitigkeit aus. Geifer (17831847)nimmt als Geschichtsfchreiber seines Volkes, Scheele alsNaturforscher eine geachtete Stelle ein. Doch weit werdendiese Männer überragt von einem Geistesriesen, dessenName keinem Gebildeten fremd ist, von Karl Linus(17071778), dem Vater der Botanik, dem Schöpfereiner völlig neuen empirischen Wissenschaft.

Die 122 akademischen Lehrer der Gegenwart reihensich ihren Vorgängern würdig an. Die Anzahl derStudirenden belauft sich auf 1500, darunter beiläufig30 Damen, meist Hörerinnen der philosophischen undmedicinischen Disciplinen.

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Der schwedische Student unterscheidet sichwesentlich von seinem deutschen College» die Leicht-lebigkeit ausgenommen. Er betreibt zwar Gymnastikmit Leidenschaft, lernt auch meist fechten; doch findMensuren unbekannt. Die bunte Vielfarbigkeit deutscherCorporationen sucht man in Upsala vergebens. Jederakademische Bürger trägt vielmehr die gleiche Mütze:weiß mit breitem, blauem Samwtband und der National-kokarde. Auch gibt eS weder Burschenschaften noch Corps.ES rührt dies daher, daß die neu Jmwatrikulirten ge-halten sind, bei ihrerNation" d. h. jenem Theile derStudentenschaft einzuspringen, dem ihre Landsleute imengsten Sinne des Wortes angehören. DieseLands-mannschaften " haben die Rechte juristischer Personen undkönnen mit Legaten bedacht werden. Sie stehen unterLeitung und Aufsicht von Professoren, besitzen ihre eigenenHäuser und bisweilen namhaftes Vermögen. Das Kapitalder Gesammtheit beträgt 523,000 Kronen. Baden, Ru-dern, Schlittschuhlaufen, Spielen und Trinken bilden einHauptvergnügen der Jünger der Wissenschaft, die hierweniger dem Btergenuß huldigen, aber desto stärker inKonsumtion von Wein und Spiritussen sind. Gesangist allenthalben beliebt und geübt; die Nationen setzenihren Stolz darein, sich bei musikalischen Productionenzu überbieten.

In Bezug auf Lage und Natur ist Upsala weitstiefmütterlicher bedacht, als die meisten deutschen Uni-versitätsstädte. Die Umgegend bietet wenig Reiz; einflaches, monotones, nur hin und wieder von kleinerenWaldparzellen unterbrochenes Acker- und WieSgelände,vom trägen Fyris durchströmt, der unterhalb der Stadt,die er in zwei Hälften theilt, schiffbar wird und seinegelben Gewässer dem Mälarbecken zuführt. Sein linkesUfer ist erst seit einigen Decennien stärker besiedelt. Dasehen wir den Bahnhof, die Tonhalle, das Schauspiel-haus; die oben erwähnten Monumentalbauten: Dom,Universität, Bibliothek, Wasaschloß, liegen auf Hügeln,welche dem rechten Ufer entlang sich ausdehnen. Hiersind auch die Vergnügungsplätze Odinslund, Karlsparkund Strömparterren zu suchen, von denen namentlich derletztgenannte stark besucht wird. An lohnenden Ausflügenfehlt es nicht. Dampfboote vermitteln den Verkehr mitdem an Naturschönheiten so reichen Mälarsee und seinen

Küstenplätzen; mittelst der Bahn läßt sich die Rrfidcnzin 1*/z Stunden erreichen.

Die Civilbevölkerung Upsala'S dürfte 20,000 Seelenkaum übersteigen. Industrie und Gewerbe halten sichin engen Schranken, auch der Handel zeigt kein rechtesLeben. Die meisten Bürger sind eben auf Professorenund Studenten angewiesen. Die »alwg. wnter", dieseSchöpfung deL katholischen Mittelalters, verleihtder Stadt noch heute ihr Gedeihen und Gepräge; ohnedie Universität müßte sie verkümmern.

Recensionen und Notizen.

Jahrbuch für Philosophie und speculativeTheologie. Herausgegeben von Professor vr.Ernst Comnrer in Breslau. Paderborn 1896.Schöningh. XI. Bd. 2. Heft.

Inhalt: I. Die angebliche Mcumelhaftigkeit deraristotelstchen Gotteslehre. 1. Art. Von Rektor vr. EugenRolses. II. Des Kardinals P. PszmLny Physik. VonKanonikus vr. M. Gloßner. III. Die Neu-Thomisten.(Fortsetzung.) Von k. Llsx. Itieol. Gundisalv Feldner.vrä. vrseä. IV. Die unbefleckte Empfängniß der Gottes-mutter und der hl. Thomas. (Forts.) Von ?. Josephus a Leoniffa, 0. LI. Os.p- V. Zur Fixirung der Probabilis-musfragc. Von Professor I. L. Jansen, 0. 88. Iloä.VI. Die Grenzen der Staatsgewalt, mit besonderer Rück-sicht auf das staatliche Strafrecht. (Forts.) Von Vr. jsr.Raymund Zastiera, Orä. krssä. VII. Die Grundprincipiendes hl. Thomas von Aauin und der moderne Socialis-mus. (Forts.) 8. Die Kirche und die Freiheit. Von vr.C. M. Schneider. VIII. Der Herbartianismus und seineVertheidigung durch O. Flügel. Eine Replik. Von vr.M. Gloßner. IX. 6 Litterarische Besprechungen u. s. w.

8. Ikomss st äoetrws prsemotionis pbMsss ssu rsspvnsio R. v. 8obnssmsnn 8. I. sliosgus äoetrinss sebolsvtbomietiess iwpugustorss ssetoro V.V. ^..Ll. vummsr-mot,b, Orä. krseä. cte. Vei. 8", pgg. IV, 759.vekensio Vootrivss 8. Iboioss Lg. äs prsemoticmvpbxsics ssu responsio R. k V. Urins 8. I. soetorsk. V. LI. v online rmutd, 0. ?., 8. Ibeol. Llsx.et in Ooll. Vovsniensi sjusä. Oräinis 8tnä. lieg. Isr.8°. xsx. VI, 43b.

ätz Seit Erscheinen des berühmten päpstlichen Rund-schreibens ,-Leterni vstris" vom 4. Aug. 1879 bemühen sichdie Neu-Molinisten mit aller Gewalt, sich als die ge-treuesten Schüler des hl. Thomas von Äguin hinzustellen.Sie gehen sogar so weit, daß sie der Thomisten-Schuleden Vorwurf machen, diese hätte in Bezug auf die Fragevon der Mitwirkung Gottes auf die Thätiglest der Ge-schöpfe. besonders der freien, die Lehre des hl. Thomasganz und gar verlassen, nur sie selber folgten darin alleinder echten Lehre des Aqninaten. In vielerlei Zeitschriften,Broschüren und dgl. suchten sie dies nachzuweisen, undzwar derart, daß weniger genau unterrichtete Leser leichtrn die Irre geführt werden konnten. Unter diesen moli-nistischen Schriften nun sind die bedeutenderen ?. Schnee-mann's:Oovtroversisrrnn äs äivinse grstiss tiberigus srbitriiconcoräis initis st progressns", und I. Frins':8. Ikaruseprssäeterminstionis pkvsicss omnew sotionsw erestsmsävsrssrius." Letzteres wurde, wie im Jahre 1894 in denLaacher Stimmen und in der Passauer Monatsschrift,noch jüngst in der Linzer Quartalschrift (Heft iv, S.892 ff.) als ein hochbcdcntsames und für das Studiumder behandelten Frage sehr maßgebendes bezeichnet undempfohlen, v. Frins schrieb fein Werk gegen k. Dummer-mutb, und zwar gegen dessen oben sub 1) angeführtesWerk, dasselbe zu entkräften. In diesem Werke hatteI. Tummermuth in eingehendster Weise die wahre An-schauung des hl. Thomas und der älteren wie neuerenThomisten in unserer Frage dargelegt und gründlich derenvolle Uebereinstimmung nachgewiesen. Ein gewiß kom-petenter Kritiker, Pros. Morgott in Eichstätt (früher selbstMolinist), spricht sich über dieses Werk im LiterarischenHandweiser 1887 Nr. 424 f. eingehend aus und schließtmit folgenden Worten sein Referat:v. Dummermuth'sWerk überragt w eit alle anderen Schriften, welche