versität (Institut OntkoliHue) in Paris zu gründen,und der Liebling des Cardinals war mit der Organi-sation des großen Werkes und der Bestellung des Lehr-personals betraut worden. Dabei traten erst die hervor-ragenden Eigenschaften d'HuIst's ins rechte Licht, und alses sich um die Wahl des Nectors handelte, dachten mehrereBischöfe an ihn, .obwohl er kaum 35 Jahre zählte. DochCardinal Guibert wollte sich noch nicht von ihm trennen,und erst 1880 durfte der Archidiako» von St.-Denisder Nachfolger Conil'S werden. „Der junge Nector"— so äußert sich Cardinal Richard in einem Rund-schreiben an die Pariser Pfarrgeistlichkeit — „hattewunderbar begriffen, was der Kirche in unserm Jahr-hundert noth thut. Das Vatikanische Concil hatte indem grundlegenden Dekrete vom Glauben und vom Ver-hältnisse der Vernunft zur Offenbarung klar die Noth-wendigkeit wissenschaftlicher Arbeit in unsererZeit dargelegt, aber auch die Grenzen festgesetzt, inner-halb deren diese Arbeit sich vollziehen soll, nicht umdie Freiheit des Menschengeistes in Fesselnzn schlagen, sondern um auf die Klippen hin-zuweisen, wo ihr Irrthum drohen und Ohn-macht. Niemand war besser als Msgr. d'Hulst aufdieses Werk vorbereitet. Er hatte eine edle Leidenschaftzu wissenschaftlicher Arbeit. Sein herrlicher und thätigerGeist war für alle menschlichen Erkenntnisse empfänglich,ja ich möchte sagen, er erfuhr die Verlockungen derWissenschaft, die denjenigen, welchem der Gehorsamdes Glaubens fehlt, weit von der Wahrheit abziehen.Diesen Glaubensgehorsam besaß Msgr. d'Hulst, und darinbesteht sein Ruhm: Verstand und Glaube warenbei ihm in lauterster Harmonie." Als Nectordockte Msgr. d'Hulst zunächst Philosophie. DesLiberalismus verdächtigt, suchte er sich nicht in Lärm-artikeln zu rechtfertigen, sondern packte seine Kollegien-hefte zusammen und reiste nach Rom, wo man seine Er-örterungen gebilligt haben muß: denn 1881 kehrte erals Hausprälar Sr. Heiligkeit nach Paris zurück.
Mitten in seiner wissenschaftlichen Thätigkeit bliebMsgr. d'Hulst der Apostel der Armen; ihnen sollte seingroßes Vermögen gehören. Er selbst lebte in äußerstdürftigen Verhältnissen; der geringste Vikar machtemehr Aufwand, so daß die zahlreichen Besucher, die ihnum Rath und Hilfe angingen, nicht genug über dieSclbstentäußerung eines der reichsten und hochadeligstenPriester Frankreichs staunen konnten. Msgr. d'Hulst wardie Seele aller Vereine und Unternehmungen zu Gunstender Armen; ihre geistliche Leitung insbesondere war seinesüßeste Mühewaltung, und sein Beichtstuhl war fastausschließlich von Angehörigen der niedrigsten Volks-klasscn umlagert.
Auf wissenschaftlichem Gebiete pflegte er in denletzten Jahren hauptsächlich die christliche Apologetik.Seiner Initiative ist großentheils auch der Erfolg derbeiden ersten Internationalen wissenschaftlichenKatholiken-Congressc zu Paris 1888 und 1891zuzuschreiben; auch an den Vorarbeiten des dritten Kon-gresses zu Brüssel 1894 nahm er theil.*)
Msgr. d'Hulst sollte auf einen höher» Leuchter ge-stellt werden. Im Jahre 1891 wurde er vom Cardinal-Erzbischof Richard zum Nachfolger des k. Monsabw auf
*) Der vierte Internat,'on. wisscmch. Katholcken-Congretzfindet bekanntlich 1897 vom 9. bis 13. Anglist zu Freiburg i. d. Schweiz statt. Ueber 700 Mitglieder aus allen Ländernsind bereits angemeldet. Man hofft besonders aus Deutsch-land rege Antheilnahme.
der Kanzel von Notre-Dame bestimmt. Vielfachwar man überrascht, als es hieß, der Nector des InstitutOatkoliquo werde die Fastenpredigten halten; man hieltihn für einen trockenen Philosophen, seine Beredsamkeitfür zu akademisch. Als aber Msgr. d'Hulst am erstenFastensonntag 1891 die Kanzel bestieg, war der weiteDom so gedrängt voll, wie an den schönsten Tagen desk. Monsabrä. Seine einfache, bündige Ausdrucksweisewar für apologetische Kanzelvorträge wie geschaffen.
Am 6. März 1892 wurde der Conferencier vonNotre-Dame an Stelle Msgr. Freppel's zum Abge-ordneten von Brest gewählt. Schon am 26. Märzgewann er dem Parlament durch seine meisterhafte Redevon der FrejheiL dcrKirche Bewunderung ab. Auchfür die Beibehaltung des religiösen Eides vor Gerichttrat er mit apostolischem Freimuth ein. Seine parla-mentarische Hauptthätigkeit bewegte sich jedoch auf demGebiete des Unterrichts, weil er wie kein andrer wußte,daß die Zukunft dem gehört, der die Schulehat. Bei allen Kämpfen bewahrte er sein angeborenesritterliches Wesen; persönliche Angriffe verachtend, warer nur darauf bedacht, dem Rechte und der Wahrheitzum Siege zu verhelfen. Seine Kammerthätigkeit wurdedenn auch am 7. ds. von dem radikalen VorsitzendenBrisson äußerst rühmend hervorgehoben.
So vielfach in Anspruch genommen, fand Msgr.d'Hulst noch inimer Zeit, über Askese, Philosophie undApologetik zu schreiben; auch seine Predigten erschienenin mehreren Bänden.
Zn diesem rastlosen Mühen schickte auch ihm derHerr ein Kreuz. Seit Jahren quälte ihn ein Nieren-leiden, und vor wenigen Monaten erklärte er selbst einigenFreunden, daß seine Tage gezählt seien. Doch folgte erderen Rath und suchte Linderung in Biarritz . Ohne diesegefunden zu haben, kehrte er am 5. ds. nach Paris zurück.Das Leiden verschlimmerte sich mit rapider Schnelligkeit,und am 6. ds. empfing der Dulder die hl. Sterbsakra-mente; Cardinal Richard selbst spendete ihm die letzteOelung. Am Abend desselben Tages gegen -11 Uhr hatteMsgr. d'Hulst ausgelitten.
Aus seinem Testamente geht hervor, daß sein un-geheures Vermögen bereits in den Händen derArmen ist; nichts erübrigt mehr als das leere Schloßvon Louvillc. Diese freiwillige Armuth sollte auch nachseinem Tode zum Ausdruck kommen; seinem Wunsche ge-mäß schmückte auch nicht ein Kranz die Bahre. Destogroßartiger gestalteten sich aber am 10. ds. die für ihnin Notre-Dame abgehaltenen Obscquien; die Theilnahmevon Klerus und Volk war eine ungeheure. Seine Leichewurde, wie eingangs erwähnt, auf dem StammschloßLouville beigesetzt.
Beten auch wir für den Apostel der Armen und denKämpen der hl. Kirche ein Ave, zu Gott flehend, er mögedas katholische Frankreich durch Männer wie Msgr. d'Hulstrecht bald den Händen der Ungläubigen entwinden.