Ausgabe 
(28.11.1896) 50
 
Einzelbild herunterladen

389

waltiger geistiger und physischer Kraft, und sein Uebertrittzum Christenthum hatte die weittragendsten Folgen.")

Ein anderer Gedenktag dieses Jahres ist der Toddes berühmten Papstes Gelasius I. , welcher ein ruhm-reiches Andenken an seine oberhirtliche Thätigkeit in derGeschichte hinterließ. Er trat den Anmaßungen der Griechengegenüber, erließ viele wichtige Dekrete, schrieb gegen Pela-gianer, Nestorianer und Monophysitcn, kämpfte gegen Hab-sucht und eiferte für kirchliche Einfachheit, ordnete denMeßcanon (das bekannte Laoramantariuw Oalasianuin),schrieb einen Commentar zu den paulinischen Briefen,dichtete Hymnen, hielt Synoden, lehrte und mahnte,strafte und ordnete und hinterließ so das Beispiel einesfrommen, gelehrten, eifrigen und tüchtigen Papstes undPriesters".")

596.

Hatte das Jahr 496 für Frankreich das in Betreffseiner künftigen Gestaltung und Entwicklung denkwürdigsteEreigniß gebracht, so sollte das Jahr 596 ein solches fürEngland bringen.") Der größte Mann seines Jahr-hunderts, Gregor der Große , hatte schon längst den Planzur Bekehrung der heidnischen Angelsachsen gefaßt. Aufdem Sklavenmarkte am Forum hatte er einst bildschöneJünglinge mit gelocktem Haar und prächtigem Körper-wuchs ausgestellt gesehen und sich nach ihrer Heimatherkundigt. Als er erfuhr, daß es Angelsachsen seien,bedauerte er mit tiefstem Mitleid, daß sie noch in dasHeidenthum verstrickt wären, und war in seinem heiligenEifer sofort entschlossen, selbst Britannien aufzusuchen,um das Evangelium dort zu verkünden. Aber dasrömische Volk ließ den berühmten und geehrten Mannnicht ziehen. Papst geworden, wendete Gregor seinAugenmerk wieder diesem früheren Plane zu und hattealsbald in seinem Nachfolger im Benediktinerkloster amCölius, nämlich im hl. Abt Augustin, den richtigen Mannzur Verwirklichung seines Lieblingsplanes gefunden. ESwar im Jahre 596, als Augustin und seine 30 Genossenin Noni vor dem Papste knieten, seinen Segen zu em-pfangen, und dann mit seiner Mission, ihr liebgewonnenesHeim verlassend, wilden Völkern entgcgeuzogen. Unter-wegs wurde ihnen ungcmein bange gemacht, daß sie nichtsausrichten werden und nur Grausamkeiten entgegengehen.

Da sie deßhalb wieder zurückkehren wollten, schrieb ihnender Papst einen herrlichen Brief, sie ermahnend, nur aus-zuhalten und um Gotteslohn und mit Gottvertrauen dasUnternehmen fortzusetzen, denn es sei besser, ein gutesWerk gar nicht anzufangen, als das begonnene nicht zuvollenden.") Durch diese väterlichen Ermahnungen wiederermuthigt, setzten sie ihre Reise fort und gelangten imJahre darauf (597) an die Küste Englands , sofort diePredigt des Evangeliums beginnend. Und ihre Müheund ihr Gehorsam war von den schönsten, von wunder-baren Erfolgen begleitet: nicht Einzelne bekehrten sich,sondern hundert, Tausende, ja viele Tausende, ganzeVölkerstämme auf einmal; in kurzer Zeit war Britanniendem Reiche der Kirche einverleibt.")

696.

Den beiden eben angeführten hocherfreulichen Jnbi-

") Kirchcnlcxikon III, pag-. 101 ff. und Jaffü I. e,

5360.

6Ir. ebenda V, 228, Hcrcieinöihcr I. o. I, 549.

Bollaudislcii, Lla.ji VI, 373 ff.

'°) Gregors AuSgcw. Schriften (Kcmptncr Ausgabe) II,xag-. 329.

") BcnediktuSstimmcn 1880 xa§. 377 ff.

läumserinnerüngen müssen wir eine überaus traurigefolgen lassen. Wir haben gesehen, wie zur Zeit des hl.Augustin. zu Ende des 4. und Anfang des 5. Jahrhunderts,das christliche Nordafrika in höchster Blüthe stand. Befaß esdoch beim Tode dieses hl. Kirchenvaters in 6 Provinzenmehr als 600 christliche Bisthümer. Aber die hier imJahre 428 auf Einladung des römischen StatthaltersBonifazius, welchen der hl. Augustin in einem seinerschönsten Briefe vergeblich davon abmahnte, eingefallenenWandalen unter Geiserich richteten großes Unglück an,und die Katholiken wurden unterdrückt und verfolgt.Zwar machte der griechische Feldherr Belisar im 6. Jahr-hundert dem Vandalcnreich ein Ende und konnte sich dieKirche wieder etwas erholen, aber im nächsten Jahr-hundert erschien ein anderer, noch gefährlicherer Feind.Der Islam drang immer weiter und weiter in Afrika vor, im Jahre 696 wurde Carthago von. den Arabern einge-nommen, und um die christliche Kirche war es in diesemErdtheile geschehen: von der ganzen herrlichen Blüthewar nichts, von den vielen bischöflichen Stühlen war aufJahrhunderte hinaus, ja fast bis auf unsere Zeit nichtein einziger geblieben. Nur in einzelnen Kostenpunktenwaren noch Spuren katholischer Religion.")

796.

Dieses Jahr führt uns aus deutschen Boden, zumgrößten und ruhmreichsten deutschen Kaiser, Karl d. Gr.Er ist eben in den Krieg mit den Hunnen und Avarcnverwickelt, welcher im Jahre 796 seine Hauptentscheidungfand, indem der Chakan von seinen Unterthanen abgesetztwurde, die Südslaven sich erhoben und Erich von Friaul in Verbindung mit dem Slavenfürsten Wonimir in dasLand einfiel und nach heftigen Kämpfen das zwischen derDonau und Theiß gelegene Hauptbollwerk der Nation,den großen Ring, einnahmen, eine Vcrschanzung ausBaumstämmen und Mauerwerk. Die Schätze, die manhier fand, waren unermeßlich, so daß das Silber imganzen Frankenreiche um ein Drittheil seines Werthesfiel.") Einhard berichtet von diesem Kriege Folgendes: ^")Der größte von allen seitens des Königs geführtenKriegen (mit Ausnahme des Sachsenkrieges) folgte jenemslavischen, der nämlich gegen die Avaren und Hunnen,den er auch persönlich nachdrücklicher als die früherenund mit viel größeren Bütteln unternahm. . . Wie vieleSchlachten darin geschlagen, wie viel Blut vergossen worden,davon gibt Kunde die völlige Entblößung Pannoniensvon Einwohnern und die Verödung des Gebietes, inwelchem die Residenz des Khans sich befand, so daß nichteinmal eine Spur mehr von menschlicher Ansicdlung dortzu finden ist. Der ganze hunnische Adel fand in diesemKriege seinen Untergang, sein ganzer Ruhm sank dahin;alles baare Geld und die seit langer Zeit aufgehäuftenSchätze wurden aus dem Lande geführt. Und andrer-seits hat sich seit Menschengedenken gegen die Frankenkein Kampf erhoben, durch den jene mehr bereichert undin ihren Machtmitteln verstärkt worden wären. Dennwährend sie bis dahin beinahe arm erschienen, fand mannun in der Residenz so viel Gold und Silber, wurde inden Schlachten so viele kostbare Beute davongetragen, daßman versucht wäre zu glauben: die Franken hätten denHunnen mit Recht das abgenommen, was die Hunnenfrüher andern Völkern ungerechterwerse genommen."

") Kirchenlcx. I, 312 f. u. III. 218.

Miß. Weltzesch. 3. A»fl. IV, x->§. 91.Lcöcn irarlö d. Er. 13. eazi.