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Der grüße Kaiser fand für derartige reiche Schatzeeine treffliche Verwendung, denn eben war — und damitkommen wir auf eine weitere für Deutschlands Kunst-geschichte sehr bemerkenswerthe Jubiläumserinnerung ausdem Jahre 790 — seine Hofkapelle in Aachen , der jetztnoch erhaltene älteste bedeutendere Kirchenbau auf deutschemBoden, vollendet?') Der berühmte Münster --) ist einCentralbau, offenbar nach dem Vorbilde von S. Vitalein Ravenna. In der Umfassungsmauer ist er 10-, imMittelbau Leckig angelegt mit Kuppel und zwei über-einander befindlichen, rings herumlaufenden Gallerten.Italienische Maler haben sie ausgeschmückt?") Von demGlanz und dem in sie gelegten Reichthum erzählt wiederdes Kaisers Biograph:^) „Die christliche Religion, mitder er von Kindheit auf erfüllt war, pflegte er mit hohemErnst und mit der größten Frömmigkeit. Darum bauteer die herrliche Kirche in Aachen und schmückte sie mitGold und Silber und mit Leuchtern, sowie Gittern undThüren aus festem Erz. Da er zu ihrem Bau Säulenund Marmor anderswo nicht beschaffen konnte, ließ ersolche Dinge von Rom und Ravenna kommen. Uner-müdlich besuchte er die Kirche . . und trug eifrig Sorge,daß Alles, was dort vorgenommen wurde, mit der größtenFeierlichkeit geschah. . . An heiligen Gefäßen aus Goldund Silber, sowie an Priestergewändern ließ er hin-reichenden Verrath anschaffen. . ."
Endlich bringt dieses Jahr 796 noch die innigeVerbindung Karls mit Papst Leo III. , welch letztererdem Kaiser die Schlüssel der Petersgruft schickte und ihnbat, Gesandte nach Rom zu beordern, um den Eid derRömer entgegenzunehmen?^) In Rom selbst ließ Leo III. ein prächtig geschmücktes Triklinium, einen Empfangs-und Speisesaal für hohe Persönlichkeiten, vor allem wohldes Kaisers, Herrichten, in welchem das Verhältniß Karlsals xatwioius der Kirche zum Papste zur Darstellunggebracht wurde. Wer heute in Rom über den Lateran-platz geht, bemerkt an der Seite der Kapelle der heiligenStiege eine offene Hallennische, in welcher «an in Mosaikdiese hochinteressanten und wichtigen Darstellungen sieht.Es ist eine getreue Copie dieser vor 1100 Jahren ent-standenen Trikliniumsnische (Irieiiiüum I^6ouia,inrm)?°)(Fortsetzung folgt.)
Recensionen und Notizen.
Geschichte der bayerischen Birgittenklöster von G.Binder, Priester der Erzdiveese München - Freising .Preis ungcbd. 4 M. Verlag der I. I. Lentner'schenBuchhandlung (L. Stab! jnn.), München .
1. II. Ein Seelsorgspriester, ein Pfarrer der ErzdiöceseMünchen-Freising , hat uns in dem angekündigten Werke dieFrucht seiner langjährigen Studien vorgelegt. Wie sein erstesWerk: Geschickte der hl. Birgitta, so wird sicher auch diesesWerk mit Freude aufgenommen und mit Befriedigung gelesenwerden. Eine Menge von Urkunden. Archivalien und Literalienist in diesem Bücke zusammengestellt. Mühevoll mag die Ar-beit gewesen sein, aber sie darf sich sehen lassen in der Literaturder Geschichte. Wie in einem Mosaikbilde sich Steinchen anSteinchcn reiht und keines fehlen darf, damit ein Kunstwerk
2') Im Laufe der Zeiten kamen allerdings verschiedeneAnbauten dazu, bis das jetzige Münster entstand.
22 ) Vgl. den "Art. „Aachen " im Kirchen!. 1,1. Fäh läßt denBan erst 790 begonnen werden; für jeden Fall ist er alsoein Jubiläumskind.
22 ) Grundriß u. nähere Beschreibung siehe bei Fäh, Grund-riß der Gesch. der bild. Künste per». 260.
2 ^) Einbard, I. o. 26 cp.
2") Jaffs, I. o. M». 216.
2 °) Beschreibung des TrikliniumS: Gsell-Fels, Nom u. dieCamp. 3. Anst. !>!>§. 386 f.
vollendet werde, so reiht sich-in dieser Geschickte der Birgiiten-klöster Jahr an Jahr und Ereignis; an Ereignis; in historischerEntwicklung, bis die ganze Geschichte des bat) rücken Birgitten -ÖrdenS meinem Entstehen, Blühcn und Vergehen sich vorunsern Augen entrollt. In Bayern bestanden drei Bwgitten-kiöiter: zu Gnadenberg in der Oberpfalz , zu Maihingcn inSchwaben und zu.Attvmüinter in Oberbayern . Die Spurendieser Ordensniederlassuugen sind noch vorhanden, und der Kon-servator am bayerischen Nationalmnscnin in München , HerrDr. Hager, hat die bcsondcrS'sür Architekten nno Kunstfreundeinteressante Geschichte der Kloster;nine Gnadenberg in ein-gehender Weise als . Anhang znr Bindsr'ichen Geschichte be-schrieben. Beim Lesen dieser OrdcnSschickjalc mutbet cS unsan, als ob längst vergangene Zeiten wieder ausS neue auflebenwürden. Bayerische Fürsten aus dem Hause Wittelsbach ausdein Anfang des 15. Jahrhunderts als die Gründer des Klostersvon Gnadenberg, dann Grafen von Oettingen und Wallerstein ,Herren von Sandizcll, dann wieder reiche Patriziersainilicn vonNürnberg und Augsburg , wahrhaft beldenmüthig'e Äcbtissiimcnund gelehrte, fromme Mönche ziehen an unserm Geiste vorüber,und wir scheu sie, wie sie damals wirklich gelebt und gewirktund gearbeitet haben. Der Verfasser schildert aber auch ininteressanter Weise trübe Zeiten, die über die Klöster unv ihreBewohner hingezogen sind: das Eindringen der neuen LehreLuthers , die manche Mönche und Nonnen in sich einsogen undauch den gelehrten Oekolampadins veranlaßte, die stille Kloster-zelle zu Nltomünster wieder zu verlassen, dann die Verwüstungenund Greuel der Klöster durch den 30jährigen Krieg, den Bauern-krieg, die spanischen und bayerischen Erbsolgekriege. Doch immerwieder erhoben sich die Kloster znr neuen Blüthe, bis die L-ä-kularisation am Anfange dieses Jahrhunderts ihren Untergangbeschloß. Der Gnade eines WittelSbacher-Fürsten, KönigLudwigs I., ist es zu verdanken, daß das alte Birgitlenklosterzu Altomünster, das einzige noch in Bayern , sich wieder re-generiren durfte, so daß bis zur Stunde dort fromm- Nonnennach dem Geiste ihrer hl. OrdenSstisterin Birgitta leben undwirken dürfen; der männliche Zweig dieieS Ordens aber istwohl aus immer aus Bayern verschwunden. Der historischeVerein von Regensburg hat obiges Buch seinen Mitgliedernals Vereinsgabe pro 1896 gewidmet; das ist wohl auch derGrund, warum manche Partien desselben etwas kurz ausgefallensind, es durfte eben die Arbeit nicht zu sehr ausgedehnt werden;das thut aber der Gediegenheit des Werkes keinen Eintrag.Alle Freunde vaterländischer Geschichte werden reichen Genußdarin finden.
Die göttliche Wahrheit des Christenthums. In vierBäckern von vr. Herman Schell , Professor derApologetik an der Universität Würzbnrg- Erstes Buch:Gott und Geist. I. Grundfragen. 395 S. 8°. br.M. 5,00, geb. M. 6,00. Verlag von Find. Schöninghin Paderborn .
Es ist freudig zu begrüßen, wenn katholische Gelehrte sichnicht nur darauf beschränken, der studircndcn Jugend in Lehr-büchern die philosophische Wissenschaft paragraphenmäßig vor-zuschneiden, svndern auch die wichtigen principiellen Fragen derspekulativen Philosophie, welche gegenwärtig vielfach im Dienstedes Pantheismus und Unglaubens steht, gründlich behandelnund für die Apologetik fruchtbar zu machen suchen. Zwar fehlteS katbolischerscits nicht an philosophischen Werken, welche diePhilosophie und Theologie der Vorzeit über diese wichtigenProbleme im Gewände der modernen Wissenschaft reproduciren,aber bei aller Verehrung für die große Vergangenheit muß cSgesagt werden, daß im Kämpfe mit der heutigen ungläubigenWissenschaft durch das starre Festhalten an der alten ontolog-iscken Methode mit ihren formalen Distinktionc» und Snb-distinktionen nur der Gegensatz gesteigert wird. Der Verfasserdes vorliegenden großangelegten Werkes hat bereits durch seinekatholische Dogmatik gezeigt, daß er einer solchen Aufgabe voll-auf gewachsen ist. Man kann in vielen Punkten anderer An-sicht sein und selbst an der ganzen Methode manches auszusetzenhaben, aber man wird nicht bestreiken können, daß er in geist-reicher und origineller Auffassung der schwierigen Gegenständeviele Theologen übertrifft. Seine streng wissenschaftliche Be-handlung erschwert die Lektüre nicht wenig, aber er kann mitRecht erwidern, daß die strenge Wissenschaftlichkeit auch derRücksicht auf einen weiteren Leserkreis nicht zum Opfer gebrachtwerden dürfe, weil sie ein unentbehrlicher Vorzug der apologet-ischen Darstellung sei. „Man muß sich nur unter der schützen-den Hülle einer freien, ungezwungenen Darstellung dessen be-wußt bleiben, daß die Schönheit niemals zum Ersatz der Stärkewerden kann und darf, und daß die wahre Kraft nur in den