es die andern jungen Burschen gleich im Chöre wiederholten. Es war ziemlich harmlos,wenn auch nicht frei von Satyrs, aber der Oederbauer lachte mit, als die Anwesendenalle durch ein frohes Gelächter ihren Beifall kund gaben. Solcher Beifall reizte aberden jungen Improvisator und nach wenigen Augenblicken hatte er schon ein zweites undein drittes G'sangl auf den seltenen Gast losgelassen.
Bald war der Oederbauer von den jungen Burschen umringt, und was nun demEinen nicht einfiel, das kam einem Andern in den Sinn und Schnadahüpfl folgte aufSchnadahüpfl — jede Strophe im Chöre unter lautem Gelächter aller Anwesenden wieder-holt. Die Anspielungen wurden dabei immer derber und zuletzt hagelte ein wahrer Schauervon beleidigenden Ausdrücken auf den Geizhals und Sonderling hernieder.
Der Oederbauer hatte schon beim zweiten G'sangl zu lachen aufgehört und immerdüsterer wurde seine Stirne, bis er in voller Wuth aufsprang und die lustigen Spötterwegstoßend aus der Zechstube verschwand. Er hörte noch das schallende Lachen aus demWirthshause, als er wieder an seinem einsamen Hofe die Hausthüre aufmachte, die erheftig hinter sich zuschlug.
Am andern Tage war er in der Stadt beim Advokaten. Er nannte demselben dieacht Burschen, die sich am meisten hervorgethan, an der Spitze den Feldnertoni, der mitden Spottliedcrn den Anfang. gemacht hatte. Den Inhalt der einzelnen Spottversewußte er dem Doktor nicht anzugeben, aber einzelne Scheltworts hatte er sich gemerkt.
Wenige Tage später lief bei dem betreffenden Bezirksgericht eine Klage des Oeder-bauern gegen Feldnertoni und Genossen wegen verläumderischer Beleidigung ein.
Da es nun zur öffentlichen Verhandlung kam, waren der Oederbauer und die achtBeklagten erschienen. Die Zeugen, auf die sich der Oederbauer berufen hatte, wußtenwenig Auskunft zu geben. Der Eine hörte nicht recht gut, der Andere war gerade nichtin der Zechstube anwesend, der Dritte wollte gerade geschlafen haben und die klebrigenkonnten sich der einzelnen beleidigenden Ausdrücke nicht mehr erinnern; die Angeschuldigtenaber stellten jede Beleidigung in Abrede.
„Nun, daß Ihr Schnadahüpfeln auf den Oederbauern gesungen habt, könnt Ihrdoch nicht leugnen," sagte der ungeduldig gewordene Senatsvorstand zum Feldnertoni.„Wenn Ihr bestreitet, daß diese Gesangeln die in der Klage behaupteten beleidigendenAusdrücke enthielten, so sagt mir, wie sie gelautet haben?"
„Ja, Gnaden Herr Präsident," ließ sich jetzt der Feldnertoni vernehmen, „i müßtschon noch, wie s' g'laut hab'n, aber a Schnadahüpfl kann man blos singa — nit sag'n!"
„Nun, so singt's, wenn Jhr's nicht hersagen könnt," entgegnete der Richter ärgerlichund siehe da, unser Feldnertoni begann mit frischer Stimme:
Was nützt dir a Chais'nWenns d' nit damit fahrst, —klnd was thust mit dein Geld, Narr,
Wenns d' allewei sparst.
Mit schallendem Jubel fiel der Chor der Mitangeschuldigten ein und kaum, daßer fertig war, sang der Zweite:
Bal' d' gar a so geizi« Willst Alles derspar'n,
Waarst g'scheiter a ledern«
Geldbeutel wor'n.
Wieder siel der Chor ein und der Feldnertoni fuhr mit noch lauterer Stimme fort:A ledern« GeldberttelGeht dv' nv' aus —
Aus dir bringt der Teufelkoan Heller nit 'raus.
ttJa," rief jetzt der Oederbauer triumphirend dazwischen, „so haben s' g'sungen.V- wgr' s Herr Präs ident! Aber das war nur der Anfang."