Ausgabe 
(1.7.1880) 1
 
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dahin die Verluste nicht erheblich gewesen, so steigerten sich dieselben empfindlich, als die Bataillonebeim Betreten des gänzlich unbedeckten jenseitigen Berghangcs von heftigem Gewehr- und Mitrailleusen-feuer empfangen wurden. Mit rücksichtsloser Energie gingen die westphälischen Regimenter unauf-haltsam vorwärts. Das zweite Treffen schob sich in die gelichteten Schützenlinien ein, nur schwacheAbtheilungen blieben geschlossen hinter der Front. Abwechselnd 10V150 Schritt vorlaufend, dannsich niederwerfend, eilten die Compagnien den Bergabhang hinab. Da zeigte sich unerwartet vorihnen eine steile und stellenweise wohl an 50 Fuß tiefe Schlucht, gleichsam wie der Graben vor einerstark besetzten Schanze. Aber auch dieses Hinderniß hemmte das Vordringen nicht. Den jenseitigenHang erklimmend, tauchten bald alle süns Bataillone 150, 100, ja, nur 30 Schritt vor den französischen Linien auf. Von beiden Seiten überschüttete man sich mit einem verheerenden Schnellfeuer. DerUnterschied zwischen Zündnadel und Chassepot verschwand bei dieser Nähe und wohl jede Kugel traf.Aber die Uebermacht der Franzosen war zu groß, denn auf dem rechten Flügel der Division Grenierwar die Division Cissey im Laufschritt herbeigeeilt und warf sich auf die decimirten preußischen Bataillone.Nur wenige Minuten dauerte der ungleiche Kampf auf der Höhe, dann gab der Oberst v. Archenseinem Regiment dem 16. den Beseht zum Rückzug. Unmittelbar darauf sank er tödtlich ge-troffen vorn Pferde. Die Trümmer der tapfern Bataillone glitten in die Schlucht hinab und dasFeuer des bis an den Rand herantretenden Gegners steigerte die Verluste fast bis zur Vernichtung.Die meisten Officiere waren todt oder verwundet. Von allen berittenen Ofsicieren war allein nochOberst v. Cranach (Regiment 57) zu Pferde; er führte, die Fahne seines 1. Bataillons in der Handhaltend, die Reste der Brigade zurück. In diesem Augenblick wurde auch die Fahne des 2. BataillonsRegiments Nr. 16 zerstückelt durch ein feindliches Geschoß. Sie war bereits in die vierte Hand über-gegangen, da drei ihrer Träger nacheinander zu Tode getroffen waren. Es fanden sich wohl keineHände mehr, das abgeschossene Stück Fahne aufzulesen, denn das Regiment war nahezu vernichtet!Die fünf Bataillone, welche den Angriff ausgeführt, sind mit 95 Osfieieren, 4546 Mann in das Ge-fecht gerückt, sie verloren innerhalb ^ Stunden 72 Officiere, 2542 Mann! Das 16. Infanterie-Regiment verlor von 60 Osfieieren 49, von etwa 2800 Mann 1736. Es hat hiermit von sämmtlichenRegimentern der deutschen Armee während des Krieges 1870/71 die größten Verluste auszuweisen;selbst das Regiment, welches ihm in der Verlustziffer am nächsten kommt, das 52. Infanterie-Regiment,verlor am Tage von Mars-la-Tour gegen 400 Mann weniger, als in derselben Schlacht das 16.Regiment. Das sind die nähern Umstünde, unter welchen ein Stück der Fahne des 2. Bataillonsdieses braven Regiments das später bei Beaune-la-Rolande für Mars-la-Tour glänzende Revanchenahm den Franzosen in die Hände fiel.

Auf allerhöchsten Befehl (Armee-Verordnungsblatt S. 5 von 1873) wurde dem Schafte derFahne die fehlende Spitze zugefügt und mit einem silbernen Ringe umschlossen, der die Inschrift führt:Am 16. August 1870 starben den Heldentod mit dieser Fahne in der Hand: Hauptmaun v. Schölten,Lieutenant Heidsieck, Unterofficier Fröhlig."

Sonach ist heute noch mindestens ein Theil der betreffenden Fahne im Besitz des Regiments, undnur die abgeschossene Spitze kau» sich in den Händen der Franzosen befinden. Allem Anschein nach istdieser Fahneutheil von den nachdrängenden Franzosen auf dem Schlachiselde gefunden worden.

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Durch die Felder mußt Du schweifen,Die im Sonnenstrahle prangen,Durch die grünen Wälder streifen,

In der Lüfte Wellen tauche

-p'ciue Bruu, tue lummerfchwüle,In des Himmels reinem HaucheDeine heiße Stirne kühle;

Schau, allüberall liegt offen,

Wie gedieg'nes Gold, das Hoffenl

-Lein Herz von Gram vesangeiLaß von Quellen, laß von BächenUeber Dich den Segen sprechen!

Nicht in Deiner dumpfen KlauseSitze mit des Schmerzes Geistern,Herren werden sie im Hause,Draußen wirst Du sie bemeistern;Draußen vor dem freien GlückeFlieh'n sie scheu und klein zurücke!

rauhen wirst Du sie bemeistern;

Wieder lernst Du frohe Lieder,

Lernest Du die Liebe wieder,

Und mit menschlich schönem Triebe

Ach, die längst vergess'ne Liebe;Quellen, Bäume, BlumenkerzenReden Dir von Menschenherzenl

Julius Lämmer.