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und da ich meinen Bruder unaussprechlich liebe, beschloß ich sogleich, ihn zu begleiten.Armer Boguslav! Wären wir ruhig daheim geblieben, dann Hütte ich nicht jetzt diesenschweren, unersetzlichen Verlust zu beklagen.
Baron Bloomhaus griff nach seinem Taschentuch und gab sich den Anschein, alswolle er sich nur die Stirn abwischen, während er heimlich ein paar feuchte Tropfenentfernte, die ihm in's Auge getreten waren.
Sagen Sie das nicht, entgegnete der Franzose. Ich glaube fest an eine Be-stimmung unseres Schicksals. Wären Sie wirklich nicht gereist, dann hätte IhrenBruder daheim irgend ein Unglück getroffen. Vielleicht wäre er auf der Jagd voneinem Bären zerrissen worden, oder auf einer Fahrt über das Schwarze Meer hätte ihndie See verschlungen. — M. Bernaxd that sich nicht wenig auf seine Kenntnisse rus-sischer Verhältnisse zu gute.
Baron Bloomhaus hörte diesen Auseinandersetzungen aufmerksam zu. Sie mögenwohl Recht haben. Ich denke auch, daß man seinem Schicksal nicht entgehen kann.
Gewiß nicht, das ist meine volle Ueberzeugung. Wer einmal gewaltsam seinen
Kopf verlieren soll, der stirbt selbst an der gefährlichsten Krankheit nich^.
Der Russe zuckte betroffen zusammen, ein leiser, heimlicher Schauer schien überseinen Körper zu rieseln. Ja, es ist alles Vorherbestimmung, murmelte er leise undstarrte düster vor sich hin.
Lassen Sie sich von diesen Vorstellungen nicht anfechten, ermähnte der Franzoseund mit der seinen Landsleuten eigenthümlichen Liebenswürdigkeit suchte er den nieder-geschlagenen Russen wieder aufzurichten. Wir Beide sind dazu nicht bestimmt, unsere
Köpfe zu verlieren, fuhr der Arzt lebhaft fort. Sie sind noch jung, sind reich und un-
abhängig, haben also eine ganze Welt vor sich und Sie werden auch diese furchtbarenEindrücke bald und glücklich überwinden.
Nie, sagte Baron Bloomhaus und sein hübsches, regelmäßiges Gesicht nahm. einensehr festen unerschütterlichen Ausdruck an.
Der Franzose lächelte. Glauben Sie meiner zehn Jahre älteren Erfahrung.Unser Herz ist ein ganz wunderliches Ding; es mag noch so oft und noch so schrecklichzerschmettert sein, es rafft sich immer wieder auf und zeigt sich plötzlich wieder heil undgesund. Heut' ist unser Herz gebrochen, todeSwund und morgen jubelt es von Neuemaus. Sie werden das alles auch noch an sich erlebsn..
Ein schwermüthiges Kopsschütteln des Russen war die einzige Antwort.
Ah lassen wir also diese philosophischen Auseinandersetzungen, fuhr der französischeArzt mit überlegenem Lächeln fort. Erzählen Sie weiter, wie Sie eigentlich in dieHände der Räuber gekommen sind.,
Boguslav konnte es gar nicht erwarten, bis wir in Italien waren, begann derBaron von Neuem; endlich hatten wir das gelobte Land erreicht, aber auch in Florenz und Rom duldete es meinen armen Bruder nicht lange; er wollte weiter nach demSüden, — nach dem sonnigen Neapel . Ich fügte mich gern seinen Wünschen, da ichsah, wie glücklich er sich hier fühlte. Heute hatten wir einen Ausflug nach Capri ge-macht und wir wollten nun in Sorrent übernachten. Unterwegs stolperte nun dasRiuulthier, auf dem mein Bruder ritt und brach ein Bein; ich wollte aus der Stelleumkehren und ein anderes Thier miethen, aber Boguslav mochte davon nichts wissen.Wir können ganz gut den^Weg zu Fuß zurücklegen und die Maulthiertreiber zurück-schicken, es ist ein so wunderbarer Abend und ich bin so froh und glücklich, wie einKind einmal allein herumzuschwärmen, war seine Meinung. Ich war der Aeltere undhätte sollen vernünftiger sein? Aber was wollen Sie? — Mein Bruder hatte dasTalent, mich zu Allem zu bewegen, und wenn er die thörichsten Wünsche vorbrachte, ichhabe niemals die Kraft gehabt, ihm zu widerstehen. -
Unsere Lieblinge besitzen die Kunst, uns zu tyrannisiren, und machen auch stetsdavon den unumschränktesten Gebrauch, schaltete der Franzose ein und Baron Boomhaus