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Dur Nüsse schüttelte düster den Kopf. Ich hab' auf der TZelt Niemand gehabtalZ meinen Bruder. Es ist für mich ein unersetzlicher Verlust und seiner Bewegungnicht länger Herr, brach er in krampfhaftes Schluchzen aus.
Sie bedürfen der Ruhe, Herr Baron, ermähnte der Arzt. Ich bitte Sie dringend,sich znnickzuziehen und mir die weitere Sorge um Ihren Bruder zu überlassen.
Nein, das kann ich nicht, erklärte Baron Bloomhaus mit großer Festigkeit. Ich
werde nicht von seiner Seite weichen und sollte ich ebenfalls zu Grunde gehen.
Sie nützen dein Verwundeten nichts und schaden sich nur und als Arzt muß ich
ganz bestimmt darauf dringen, daß Sie meinen Anordnungen folgen, denn Sie sind nun
einmal mein Patient, den mir ein wunderliches Schicksal zugeführt hat.
Ich werde nicht einen Augenblick Ruhe haben, wenn Sie mich von meinemBruder trennen, sagte der Baron, und seine Augen wanderten dabei voll Besorgniß zudem Schmerzenslager des Verwundeten.
Seien Sie um das Schicksal Ihres Bruders ganz unbekümmert, cntgegnete derArzt. Er ist in meinen Händen gut aufgehoben; ich werde alles anordnen, daß er diesorgfältigste Pflege erhält, und ich kann mich besonders auf Marietta verlassen. AberSie müssen sich nothwendig zur Ruhe begeben oder ich stehe für nichts. Sie sind weitangegriffener, als Sie eS selber glauben — und halb mit Gewalt drängte der lebhafteFranzose den Baron zur Thür hinaus.
Doktor Bernard fühlte, daß er seine Pflicht völlig gethan habe und ein wenig der Er-holung bedürfe. Die furchtbare Verletzung des jungen Russen war von ihm mit der größtenSorgfalt behandelt worden und eine Gefahr über das Leben des Aermsten nicht mehrvorhanden. Doktor Bernard mußte sich selber sagen, daß in minder geschickten Händender Unglückliche völlig verloren gewesen wäre. Mochte man auch sein künftiges Daseinnur noch ein Vcgetiren nennen — der ihn so zärtlich liebende Bruder hatte wenigstensden freilich -vielleicht sehr kümmerlichen Trost, ihn noch unter den Lebenden zu wissen.
Der Arzt empfahl dem Mädchen die weitere Obsorge für den Verwundeten, diebereitwilligst versprach, über den Kranken ängstlich weiter zu wachen und Doktor Bernardging jetzt erleichterten Herzens, mit ,der-Befriedigung, seine Pflicht in ausreichenderLPeife^ gethan en baden, jy den Salon zurück. Er wurde von den dort anwesendenFremden und besonders von den beiden Künstlern mit Ungeduld erwartet. Man wolltenun alles Nähere über den schrecklichen Fall erfahren.
(Fortsetzung folgt.)
Hochschlotz Pähl.
Von I. Wimmer.
Für die Bodengestaltung oer Gegend zwischen dem Wärm- und Alomiersee läßt sich kaum emetreffendere Bezeichnung erfinden, als diejenige, welche F. Walther in seiner Geographie von Bayern (S. 110) gebraucht: „Unausgeführte Studien der Natur." Davon habe ich mich jüngst wieder aufeiner dreistündigen, jenes Gebiet quer durchschneidenden Wanderung von Tutzing über Kerschlach nachPähl überzeugt. Man bekommt in der That den Eindruck, als hätte der .Künstler, welcher hier dieErdrinde nwdcllirte — nämlich das Wasser — gleichsam unvollendete Skizzen hinterlassen, und alswäre er gleichsam von seiner halbfertigen Arbeit abgerufen worden. Während nämlich das nieder-bayerische Hügelland mit den fast parallelen Reihen seiner langgestreckten Nordostlinien einen sozusageneinheitlichen Styl ausweist, vermißt man hier bei der oberbayerischen Hügelzone jeden architektonischenGrundplan; es ist ein regelloses Gewirrs plastischer Formen: bald wellenförmige Wölbungen, baldbreit hingelagcrte Kappen; hier allerlei Vertiefungen und Gesenke, dort sonderbar gebogene Faltungenund Thaleinschnitte. Nicht minder manchsaltig, ja, voll der grellsten Kontraste erscheint auch dasvegetative Gewand dieser Erdstelle. Wir kommen oft durch öde Sumpfgründe, über haideartigeStellen und sogar an Torflagern vorüber, wo die Stichfläche fettigschwarz erglänzt, die ausgegrabenenStücke in kleinen Rechtecken aufgeschichtet liegen und klare kaffeebraune Wasseradern dahcrricscln. Ananderen Punkten aber hat die Natur eine Fülle von Gewächsen angebracht, den überraschendsten Reich-