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thum eurer wilden Flora, deren Bestände nur äußerst selten von den Halmen eines Geireideackersoder von einer anderweitigen Kulturpflanzung unterbrochen werden. Der hellgrüne Sammt desWiesengrundes. dient gleichsam zur Uutcrmälung des Bildes; auf ihm erheben sich in den verschieden-sten Gruppiruugcn laubige Gebüsche, lichre Buchen- und Birkenhaine und endlich der schwarze Tanmm-forst, a»S dein uns auch einmal ein kleiner See anblickt wie das plötzlich aufgeschlagene dunkle Augeder Landschaft. So erreicht man nach einer einsamen Wanderung den südwestlichen Rand diesesHügellandes; auf einer ins breite Amperthal vorgeschobenen Kuppe steht das Hochschlost Pähl . DieseLage bedingt eine herrliche Nundsicht. Im Süden zieht die Alpenwand; au der Rieseusäule derZugspitze bricht sich,das Wellengewimmcl der Algauerberge. Die vorgelagerten Alpenketten bis zuder isolinen brcitgezogenen Drciecklinic des PeißenbcrgeS präsentiern sich deutlich wie auf einer Relief-karte. Dann kommt die von schwachen Hügelrändern gesäumte Ampcrebeuc, eine saftgrüne Tafel,von Feuchtigkeit durchtränkt. Mitten darin liegen die Häujermassen und der dicke Kuppelthnrm vonWcilheim, ckm grauen Mittagsdnst schattenhaft sich abzeichnend; allenthalben stehen Bäume zerstreutin schwarzen Klumpen; eine vielgcwundene Bogenlinie von Buschwerk, den Laus des Flusses be-zeichnend, zieht zum Ammersee , dieser bleigrauen Wasserfläche, die im Süden zu stuf Buchten ausge-zackt und von melancholischen Wäldern umrahmt ist. ... An den Hinblick über das Land schließtsich der Rückblick in seine Vergangenheit. Es wäre ein Wunder, wenn die Römer, nachdem sie vondem Gebiete südlich der Donau Besitz genommen, mit ihrem militärischen Scharfblicke die Hochwartevon Pähl , eine natürliche Festung und ein natürliches Observatorium zugleich, übersehen und nichtals einen Zeitpunkt ihres Fortisikatiousststemes benutzt hätten.. Die Vermuthung der gelehrtenForscher, daß hier das römische (lasten Ilrnsa zu suchen sei, hat deßhalb die grüßte Wahrscheinlich-keit für sich. Von dem hohen Mauerwalle aus konnte der Lieutenant (lncnm tonons) der römischenWache die vier Straßenliuien überblicken, die in Pähl wie in dem Knoten eines Netzes zusammen-liefen; die eine nach Nordost mitten durch das Hügelland über Machtelfing gegen Starnberg; diezweite nach Nordivest -über FifckM an den Ammcrfce; eine dritte südwärts gegen Weicherm; dievierte gerade nach Westen über das sumpfige Ammerthal nach Raisting und Wcssobrunn zu.. Sobekehrt uns die „Bavaria " (I. 642 f.) Aber von nicht geringer Verwunderung wird der landes-kundige Leser ergriffen, wenn er in diesem Werke die weitere Notiz findet: Mach der Ortsgeschichtevon Raisting soll oberhalb der südlichen Seile des Ammersees, die Ortschaften Raisting wie Pähl umfassend, in der Vorzeit eine große Stadt gestanden haben" — und wenn daran die Behauptunggeknüpft wird, daß „diese Gegend in früherer Zeit weit trockener gelegen war." Auch die Römer-straße, wird weiter gefolgert, hätte kaum da hinüberführen können, wenn die Thalebene ein Moosgcivesen wäre wie heutzutage. Dieser sonderbaren historischen Kombination, bei welcher mit unsicherenTraditionen gerechnet wird, stellen wir die auf Beachtung des Thatbestandes gegründete Behauptungdes Geographen gegenüber, dcrzufolge „der alte Ammersee sich südlich in dem weiten Thale vonWcilheim mächtig ausdehnte aufwärts über Posting bis an die Mösec an der Ach, in der Ebenevon Hausen (südöstlich vom Peißenberg). lind dazu mag er eine Breite von 2 ','2 Stunden besessenhaben in seiner größten Ausdehnung vom Bergrücken von Wcssobrunn über Monetshausen, ja viel-leicht bis an den Würmsee bei Tutzing ." (Wälther S. 105.) Einzelne Splitter dieses ehemaligengrößten Ausdehnung vom Bergrücken von Wcssobrunn über Monetshausen, ja vielleicht bis an denWürmsee bei Tutzing ." (Walther S. 105). Einzelne Splitter dieses ehemaligen großen Wasser-spiegels liegen noch rings um den heutigen Ammcrfee verstreut, so hier im Süden der Wessobrunner -und der Tölbernsee bei Wcilheim. Es ist also der Ammersee , ebenso wie der Wärm- oder Köchclsce,feit vorhistorischer Zeit bedeutend eingeschrumpft, und er befindet sich in einem langsamen AbzehrungsProzesse. Der Prozeß ist aber nothwcndigerweise ein kontinuirlicher und kann nicht durch wechselndeStadien einer schwächeren oder stärkeren Versumpfung des ehemaligen Seegrundes unterbrochenwerden, wie der Topograph der Bavaria annimmt. Und wenn er sich zur weiteren Begründung,feiner Ansicht auf einen „Spadrich" genannten Eichenwald beruft, der ehemals bei Raisting gestauden-und bei dessen Abholzung (1803—1810) man eine Masse von antiken eisernen Kriegsgeräthen gesunden,so erwidern wir darauf, daß jene Waldstelle ganz wohl eine Wölbung im einstigen Seegrunde gewesensein kann, daß sie dann als Insel aus den mehr und mehr versickernden Flnthen hervortrat, einenAnfing von Eichen erhielt und durch die verschlungenen Wurzeln derselben zu festerer Kvitsisteuz