Ausgabe 
(7.7.1880) 2
 
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gelangte, als der übrige Sumpfboden. Was aber die Waffenfunde betrifft, so braucht man aus denselben nicht auf eine Nömerstadt zu schließen. Die Nähe römischer Kastelle und Straßen reicht zuihrer Erklärung vollkommen hin. Wahrscheinlich ist auch die Entstehung der erwähnten Volkssageanf derartige Ausgrabungen zurückzuführen. Die versunkene Stadt im Weilheimer Sumpf mußdemnach als ein reines Phantasicstück bezeichnet werden, und über den damals ebenso oder noch mehrwie heute versumpften Ammergrund lief von Pähl aus gewiß nur die oben erwähnte Nömerstraße,die wegen des nassen Bodens oft gerade so schwer zu passiren sein mochte, wie noch gegenwärtig dieweiter nordwärts von Pühl nach Messen führende Straße. Das Kastell Usura und die römischeAnsiedlung, die sich wahrscheinlich gleich dem heutigen Dorfe Pähl am Fuße des Berges gebildethatte, verschwanden, als im 5. Jahrhundert die aus dem Innern Asiens hccvorgcbrochcne Flnth derVölkerwanderung verheerend über Süddeutschland hinbrauste. Die Geschichte der ältesten bayerischen Orte weist von dieser Zeit an durchweg große Lücken auf, zum Beweise, wie vernichtend jene Kata-strophe gewirkt haben nmß. So ist es auch in der Chronik von Pähl der Fall, welche der PfarrerI. Brenner imOberbayerischen Archiv" (lX, 219 bis 253) mit großem Fleiße zusammengestellt hat.Erst vom 8. Jahrhunderte an finden wir Schloß und Torf wieder erwähnt. Das erstere wechseltedann vielfach seine Herren, bis es bei der im Jahre 1240 vorgenommenen Eintheilung Bayerns inLandgerichte, unter denen auch Pähl sich befand, zum Wohnsitze des fürstlichen Pflegers auserschenwurde, welchem Zwecke es bis in's 17. Jahrhundert gedient hat. Aus dem römischen Lagerorte, aufdem wohl ein freundlicher Wiedersehen! antiker Kultur liegen mochte, war eine finstere Zwingburgder grausamen mittelalterlichen Strasrechtspflege geworden. Neben dem Hochschloße stand ein vier-eckiger Thurm, worin adelige Verbrecher rasch und heimlich hingerichtet wurden. Am 28. März 1603z. B. ward ein Stallmeister von München Namens Astor hier enthauptet; zehn Jahre später gareine vornehme Dame: .,^nr>o 1613 menoe Leptambrio in arco ouperiori capito privat» est uobilisDomina, Disenraiebar cujus eaäavsr in coeinatorio nostro sopultus (!) äst" sagt ein altes Sterbe-register der Pfarrei Pähl . Das heutige Schloß steht übrigens nicht mehr auf dieser von blutigenSchemen umkreisten Stätte. Nachdem nämlich das Pfleggerichlsgcbäude mit den dazu gehörigenGrundstücken gegen Ende des 17. Jahrhunderts an das Kloster Andcchs gekommen war, ließen dieMönche das alte Schloß verfallen und führten nebenan ein neues Gebäude zu ökonomischen Zweckenauf. Dieses fiel bei der Säkularisation an den Staat und wurde endlich vor etiva 40 Jahren vandem bekannten Münchener Hosrath Hansstängl erworben, der es in dem gothffchen Stil restaurirenließ, wie es hente dasteht. Seit dieser Zeit hatte sich in dem trefflichen Gasthause unten im Dorfeeine Kolonie von Münchener Malern angesiedelt, und auch der seinsinnige Naturforscher G. H. vonSchubert pflegte Jahrzehnte lang seine Svmmerserien hier zuzubringen geiviß ein Beweis, das;Pühl reich sein muß an landschaftlichen Reizen. Sie liegen hauptsächlich in dem oben geschilderten,sormenreichen Panorama des Ainpergebietcs mit seinen interessanten, vielfach wechselnden Beleuchtungen.Und wenn wir zum Schlüsse noch den Wassersall erwähnen, der in einer Schlucht des Schloßhügelsüber die 80' hohe Nagelfluhwand herabstürzt, so geschieht es, um auch dem Geschmacke derjenigenNaturfreunde Rechnung zu tragen, welche für solche lärmende Effeklstückchen der Natur eine ganzbesondere, mir indeß nicht recht verständliche Vorliebe hegen. (Korr. v. u. s. D.)

Vision.

Von I. Mayer hofer. Vorgetragen auf dem Festcommers der kath. Studentenvercine in München .Weit weit dehnt sich der Raum.

Von der Donau bis zu der Alpen SaumErblickest du duftiges NeubruchlandMit Senn' und Waid' und GehöftestandUnd wogende Saat mit goldene«! Halm,

Frohblöckend Rind auf der Vorlands-Alm,

Und über dem Allen frisch und reinDer Glast voni milden Frühlingsschein.

Und drüber kam's mit GewitternachtIn derselben blutigen Ungarnschlacht