Ausgabe 
(7.7.1880) 2
 
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Von anno neunhundert und sieben

Wo das ganze bayerische Heer geblieben

Der Markgraf, der Bischof, der Ritter und Knecht,

Dem Tode geweiht ein Heldengeschlecht.

Der Degen troff, und es schien kein Stern

Aus Westen nur in weiter Fern

Loht himmelhoch der Dörferbrand

Und markt der Ungarn Zug durch's Land,

Denn nimmer wehrt die Faust der Braven,

Die auf blut'gem Grund der Urständ entgegen schlafen.

Doch Einer noch regt sich, er athmet und sieh':

Er hebt sich, und schwankt und sinkt aus's KnietMein Gott ! Dein ist die Macht!

Ob rings Zerstörung und Tod und Nacht

In furchtbaren Schmerzen,

Den Tod im Herzen

Sei Dir mein Preis gebracht!

Ich diene Dir und eS dient Dir mein Haus,

Bis der Letzte des Stammes tritt zur Schwelle des Lebens hinaus.

Ich schau wie ein Seher aus alttestamentlichcn TagenDie Zukunft und im Munde verstummt mir das Klagen.

Ein Markgraf füllt und ich sehe den Sohn,

Wie er trägt auf dem Haupte die Herzogskron'!

ES dunkelt die Luft es kommen die nordischen Kaiser!

Still mein Staunn! Steck' unverdrossen die Reiser

Verzweige, verwurzle dich fest und fester mit deinem Volke,

Und die Sonne durchbricht die verfinsternde Wolke.

Huoh! schon seh' mein Geschlecht ich wieder zu Throne steigen!

's ist Otto, mein Enkel, der eröffnet den Neigen.

Wirr Wasfcngctös' und Jammern und Wimmern,

Und über Maximilians Haupt seh' ich den Knrhnt schimmern!

Was schau' ichs Es walzen die Donau heraus sich furchtbare Schaaren:So kommen sie wieder, die Ungarn und die Avaren?

So recht mein Enkel! Du schmetterst sie nieder wie Blitz so schnell!Gott mit dir, mein Max Emanuel !

Und noch kein Ende für mein Entzücken!

Ich sehe Max, meinen Enkel, den Stuhl an die Tafel der Könige rücken!Es setzt sich Ludwig daran, und eS klingt ein Singen und Sagen,Paläste und Münster und Klöster ragen

Die Nationen kommen und bestaunen verwundertDas neuerblühte Medizeer-Jahrhundcrt.

Ein Königswort steht in goldene Lettern gegraben:

Ich will Frieden mit meinem Volke haben.

«Fest-Jubel erschallt, millionenhaft,

Das Volk in der alten Liebe KraftSchaart eng sich um des Thrones Stufen:

Heil Ludwig dem Zweiten! hör' ich sie rufen.

Die alte Lieb' und die alte Treu

Jahrhunderte alt und Jahrhunderte neu

So blüht sie nirgend wie beim Volke der Bayern Und seinem Fürstengesch lochte von Scheyernü