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Nr. 3.
Samstag, 10. Juli
1880.
steige dich zu jeder FristStarker als dein Herzensjauimer!
Sei nicht Amdos deinem Leid,
Nein, sei deines Leides Hammer! Rnckert.
Der' Nerv Davon.
(Fortsetzung.)
Doktor Veruard war ein ganz Anderer am Krankenbett als im Salon. Dortzeigte er nichts als den hingebenden Eiser des'Arztes, der von der Wichtigkeit undBedeutung seines Berufes vollkommen überzeugt ist. Hier kam der angenehme Gesell-schafter, der liebenswürdige Plauderer ganz allein zur Geltung. In dem Munde deslebhaften, sogar geistreichen Franzosen gewann jetzt Alles einen anderen Anstrich. Dieruhigen Mittheilungen des jungen Nüssen erhielten eine romantische Färbung und DoktorBernard wüßte besonders die schwärmerische Liebs des Baron Bloomhaus für seinenBruder so rührend zu schildern, daß mehrere der im Salon anwesenden Daunen Thränenvergossen.
Der junge Nüsse war plötzlich in dem Gasihofe zu Sorrent der Held des Tages,ohne daß er davon eine Ahnung hatte. Man fand sein Auftreten bewundernswürdigund die Damen bestürmten den Doktor mit einer Menge Fragen nach der Persönlichkeitdes Barons. Ob er blond oder brünett, klein oder groß, hübsch oder häßlich sei? undder sonst so sprachgewandte Franzose hatte Mühe diesen Sturm von Fragen zu bestehen.Er gab mit liebenswürdiger Geduld über alles Auskunft und als dies dennoch nichtgenügte, sagte er lächelnd: Wenn morgen ein junger hochgewachsener Mann von etwasechsundzwanzig Jahren, mit einem vornehm bloßen, nur ein wenig in's bronzefarbensschillernden Gesicht in den Salon tritt, so ist es mein Patient. Um das Signalementzu vervollständigen, setze ich noch hinzu, daß der Baron blond ist, wunderbar blaueschwärmerische Augen und einen kleinen allerliebsten Schnurrbart hat, in den allein sichnicht zu verlieben, für manche Dame ihre Schwierigkeit haben wird.
Man mußte unwillkürlich lächeln, und wie dies in einem Salon, in einer von denverschiedensten Leuten belebten Gesellschaft immer geschieht, selbst dieser tragische Fallwurde allmälig leichter genommen und verlor seine düster unheimliche Färbung. Ueberden Fragen nach der Persönlichkeit des jungen Barons wurde vergessen, nach den Ein-zelheiten des räuberischen Ucberfalls weiter zu forschen. Anfangs freilich hatte dasVerbrechen die Gemüther der Fremden furchtbar erregt und in Schrecken gesetzt; aberals Doktor Bernard versicherte, nach seiner Ueberzeugung sei die Schandthat nicht voneigentlichen Räubern, sondern von Gelegenheilsdieben ausgeführt, begann die Gesellschaftsich zu beruhigen.
Es kann darüber kein Zweifel herrschen, fuhr der französische Arzt mit gewohnter