Ausgabe 
(10.7.1880) 3
 
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Reinigung des Trinkwaffcrs.

DaS Wasser, mit dem manche Städte und Plätze versehen sind, wird in warmemWetter unrein und zum Trinken untauglich, wenn es nicht durch irgend ein künstlichesVerfahren gereinigt wird. Wir wollen hier zu diesem Behufe einige Methoden angeben,die sich vorkommenden Falles als nützlich und zweckmäßig erweisen werden. In Indientrinken die Eingeborenen niemals Quellwasser, wenn sie Flußwasser haben können, welchesaber stets mehr oder weniger unrein ist und deshalb auf eine eigenthümliche Weise vonihnen behandelt wird. Sie reiben nämlich die inneren Wände des irdenen unglasirtenGesäßes, worin sich unreines Wasser befindet, eine oder zwei Minuten lang mit denSamenkerncn der Str^otznos potatorum, welche zu der Pflanzenfamilie gehört, aus derdas tödtliche Gift Strychnin bereitet wird, ein und lassen darin das Wasser setzen. Inkurzer Zeit fallen alle Unreinlichkeiten zu Boden, das Wasser wird hell und ist allenErfahrungen zufolge auch vollkommen gesund. In KriegSzeiten und auf Märschen führendie indischen Soldaten diese Samenkörner stets bei sich, um ihr Wasser damit reinigenzu können. Ein anderes Verfahren, dessen man sich in Indien bedient, um hartes Wasserweich und trinkbar zu machen, ist das Kochen desselben. Aus einem Berichte, welchendie Chemiker Graham, Miller und Hofmann über ihre Versuche mit dem Londoner Trink-wasser an die englische Regierung abgestattet, geht hervor, daß hartes Wasser, welches13>/-, Gran kohlensauren Kalk in der Gallone (4 Liter) enthielt, durch Erhitzen bis zumSiedepunkt über 2 Proc. von seiner Härte verlor. Bei einem viertelstündigen Kochenverminderte sich dieselbe bis auf 2>/., Proc. Vor mehreren Jahren nahm ProfessorClark zu Aberdcen in Schottland ein Patent zum Reinigen von hartem Wasser durchZusatz von ein wenig frisch gebranntem Kalk. Dieses Verfahren ist besonders anwendbar,wo man das Wasser zu technischen Zwecken gebrauchen will. Wenn man Wasser durchaufeinanderfolgende Lagen von grobem Sand, Kies und Holzkohlen futriren läßt, sowird es rein und gesund. Das Material muß aber öfters erneuert werden, weil sichviele Unreinlichkeiten darin ansetzen. Der Alaun besitzt die wundervolle Eigenschaft, insehr kurzer Zeit alle Unreinlichkeiten im Wasser niederzuschlagen. Darret fand, daß 7'/^Gran gepulverter Alaun hinreichten, ein Quart 'des schmutzigsten Nilwassers in einerStunde vollkommen hell und klar zu machen. Die Thätigkeit des Alauns ist hier einerein chemische. Das Salz wird zersetzt, die Alaunerde niedergeschlagen und mit ihr eineunlösliche Verbindung von schwefelsaurem Kalk. Das letzte Verfahren zur Reinigungdes Wassers besteht darin, daß man es durch Lagen von Sand, Kies und Eisenmagnet,stein, in kleine Stücke geschlagen, filtrirt. Dieser Eisenmagnet besitzt ganz ungewöhnlicheKräfte zum Reinigen des Wassers. (Fundgr.)

M i s c e l l e n.

Die ungeheure Zunahme und Verbreitung derNervosität" veranlaßte einenhervorragenden Arzt in New-Pork, Dr. G. M. Beard, zu einer sorgfältigen Beobachtungjener krankhaften Erscheinungen, die man unter dem Namen derNervosität" zusammen-faßt, und die Resultate, zu denen er gelangte, sind so merkwürdig, daß sie allseitigeBeachtung verdiene». Als ein Hauptsymptom der Nervosität führt Dr. Beard die ge-steigerte Empfindlichkeit der gegenwärtigen Generation gegen Kälte und Hitze an, besondersbei den geistig arbeitenden Klassen der Gesellschaft. Die gegenwärtige Generation ist um10 Grad empfindlicher gegen Kälte geworden, als es ihre Vüter waren. Dazu kommtdie gesteigerte Empfänglichkeit für aufregende und betäubende Mittel, wie Alkohol, Tabakund selbst Kaffee und Thee. Unsere Väter bemerkt Dr. Beard und auch unsereMütter konnten starke Liqueure trinken und selbst stark Tabak rauchen, so viel sie wollten,ohne etwas von der Nervosität unserer Zeit merken zu lassen. Jetzt ist über ein sehrbeträchtlicher Theil der Bevölkerung gar nicht im Stande, Tabak zu rauchen oder zukauen. oder auch nur milde Weine, ferner Thee und Kaffee zu trusten. otzne die üblen