Ausgabe 
(10.7.1880) 3
 
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Folgen dessen zu spüren. Eines der auffallendsten Symptome unserer Civilisation findetDr. Beard in dem frühzeitigen Verfall der Zähne. Dies rühre nicht blos von deni Ge-nuß von allzuviel Süßigkeiten oder Säuren her, von Vernachlässigung des Reinigensoder von dem Gebrauch von Speisen, die nur wenig Kau-Arbeit erfordern. Die Ursachendes Verfalles der Zähne seien bei Weitem mehr subjektiv als objektiv und in der ganzenKonslituuon dermodernen civilisirteu" Menschen gelegen. Empfindlichkeit der Verdauungist eine der bekanntesten und auffälligsten Wirkungen der Civilisation auf das Nerven-system. Auch die Augen bezeichnet Dr. Bcard als gute Barometer unserer nervösenCivilisation; die Zunahme von Augenschwäche, Kurzsichtigkeit und überhaupt von Störungenin den Funktionen der Augen sind hiefür sehr bezeichnende Thatsachen. Auch die offen-bare Steigerung der Frauenkrankheiten schreibt er einer Hauptsache zu, neben der alleanderen untergeordnet sind der Civilisation. In merkwürdigem Gegensatz zu allendiesen krankhaften Erscheinungen der Zeit steht aber die statistisch nachgewiesene Thatsache,daß fast in gleichem Schritt mit der Nervosität auch die Lebensdauer zugenommen hat.Ja, Dr. Beard behauptet sogar, Nervosität vertrage sich nicht blos mit einer langenLebensdauer, sondern befördere dieselbe thatsächlich durch Bewahrung des Organismusvor dem Angriff akuter Fieberkrankhciten. Den Grund, warum die Nordamerikanernervöser seien als andere Völker, findet Dr. Beard in der Trockenheit der Atmosphäreund in den starken Extremen von Hitze und Kälte auf dem nordamerikanischen Kontinent.

(Ein fataler Irrthum.) Einst gab die Lucca in ihrem Hause in der Viktoria-straße in Berlin eine Soiroe. Da fragte einer der Gäste, eine hochgestellte Persönlichkeit'die liebenswürdige Wirthin:Sagen Sie 'mal, gnädige Frau, wer ist denn der imper-tinent-blonde Mensch dort mit der polizeiwidrigen Visage, der so thut, als ob er hier-zu Hause wäre?"Der impertinent-blonde Mensch mit der polizeiwidrigen Visage,"erwiderte die Künstlerin mit maliliösem Lächeln,ist auch hier zu Haus; denn wann'snix dagegen haben, Herr Graf, dann ist's halt mein Vater!" Langes Gesicht!

(Wahlrede.)I moan holt mir zahlen jetzt viel weniger Steuer!" (Allge-meiner Beifall.)I moan holt, mir.zohl'n gar ka Steuer mehr!" (Wüthender Beifall.)I mor holt, mir haben lang gnua Steuer zohlt, jetzt soll d'Negierung a poar Jahruns Steuer zohl'n!" (Nicht enden wollender Zuruf:Bravo ! Vivat! Der vcrsteht's.")

N. N. hat nun wieder ein vollständig sortirtes Lager von feinen Handschuhen,für Herren das Paar 1 fl., für Damen ohne Finger 48 kr. und für Damen mitFingern 56 kr."

Ankündigung eines Klempners.Hier sind Maulkörbe zu haben für wüthende-Hundebcsitzer." Ganz in der Ordnung.

GoldLörner.

Vor Jedem steht ein Bild, da?, was er werden soll;

lang' er das nicht ist, ist nicht sein Frieden voll.

Die Häuslichkeit der Frau, besonders die Besorgung des Täglichen, muh dem verdeckten Trieb-werk der Uhr gleichen, die Ordnung muh sich als anwesend in stiller Gleichheit zu erkennen geben'wie der Weiser schweigend die'Stunden und Minuten zeigt.

Wenn du mit deinen Gefälligkeiten wartest, bis dich ein Freund anspricht, so erniedrigst dudie Gefälligkeit zu einem Almosen und deinen Freund zum Bettler.

Deutsche Lprüchwörtcr.

Auf den Boden sehen, wie die Hexe vor dein Kirchenthor.

Hast du den Brei dir selbst geblasen, bring den Napf keinem Vielfraß unter die Nasen.

Sein tägliches Brod ist aus mim Backöse».

O was würden wir sur Geist und Herz gewinnen, wenn wir, abstreifend den oberflächlichen,gleichgültigen Sinn, der uns in Allem nur Gleichgültiges und Alltägliches zeigt, durchdrungen undforschen würden, _vom Acnßcrn zum Jngcrn von der Gabe zum Geber.

Für die Redaktion oerantwortlich: Alphons Planer in Augsburg . Druck und Verlag desLilerarijchcn Jiislitns von Dr. M. Hutthu--