Ausgabe 
(14.7.1880) 4
 
Einzelbild herunterladen

zur

Äugslmrger postsiiümg."

Nr. 4

Mittwoch, 14. Juli

1880 .

Da es der Charakter unserer Landsleute ist, das Gute ohne viel Prunk zu thun und zuleisten, so denken sie selten daran, das; es auch eine Art gebe, das Rechte mit Zierlichkeit und An-muth zu thun und verfallen vielmehr, von einem Geist des Widerspruchs aelrielien, leicht in denFehler, durch ein mürrisches Wesen ihre liebste Tugend im Cvnlraste darzustellen. Goethe.

Hetzen bis in öen Hoö!

Zur hohen Mittelsbuchrr Jubrlüums-Destselerin drei Bildern aus alten Zeiten

der Jugend neu nacherzählt von

Jgn. Schuster,

Pfarrer und Distrikts-Schulinspektor in Loppenhausen.

(Z,IM Lorlmgc sür mihrrrr Schüler.)

II.

l.

Schon in der grauen Vorzeit Tagen blühteIn Bayern ein Geschlecht, der Tilgend Preis.Mit Hohem Heldenmuth, mit HerzensguteWar es im Land das schönste Edelreis.

Und als durch Pfalzgraf Otto's NuhmespfadeDes Himmels Thau darauf gefallen warIn Kaiser Barbarossas Lieb' und Gnade,

Da wuchs das edle Reis gar wunderbar.

Da ward es bald zu dem gewalt'gen Baume,Der hoch nun ragt im reichen Blätterkranz,Der seine Wipfel wiegt im weiten Raume,Umstrahlt vom hellen, hehren Sonnenglanz.

»

In seinem Schatten wohnt in stillem FriedenEin gutes Volk, das fröhlich und beglückt.

In jeder Lage, die es trifft hiniedeirVertrauensvoll zu seinem Fürsten blickt.

Fest steht der Baum und möcht' es nochso stürmen

Mit Wetters Ungestüm und wilder Wuth,Gefahren dräuend sich entgegenthürmen:

Der Baum blieb fest mit ungebroch'nem Muth.

Denn seine Wurzeln senkt er stets auf's NeueTief in den Boden unzerreißbar ein.

Und diese Wurzeln sind desVolkes Treue",Liefest steht, wenn auch flieht des Truges Schein.

Zu diesem Baume laßt uns heute schauenMit seinem Stamm und seinem, BlätterdachMit seinen Wurzeln in den heim'schen GauenZum hocherhabenenHaus Wittelsbach!"

Llrko.

So ist'S! Die auch die Zeitenstürme brausten .Auf Land und Fürsten , mächtig ungezählt;

Wie immer auch die Donner niedersausten:

Di eWu rz el h a t d ein B num e n i e gefehl t!"

Wie war es damals, als ein schwer'VerhängnisUns einst in die Tyrolerberge rief?

Groß war gar bald die Noth und die Bedrängnis;,Manch' Bayer bald den ew'gen Schlummer schlief.

Jedweder Berg mit seinen jähen GründenEr ward zur starken Beste allsersch'n.

Von wo der Tod mit tausend FeuerschlündenSein sich'res Opfer konnte schnell erspäh'n.

Auch Dir hätt' damals wohl von Deinen TagenDen letzten bald des Schicksals Lauf gebracht.Hätt' nicht ein treues Herz sür Dich geschlagen.Für Dich, o Max Emanuel , gewacht!

Denn als sie ritten, wo des Junes Fluthenrauschen.

Die Martinswand aufraget hoch und hehr,Sprach Arko:Laßt uns. Fürst, ,die Pferdetauschen!

Von trüber Ahnung ist mein Herz heut schwer."

Gewährt es mir bei diesem Unglücksritte

O laßt nicht angehört mich heute fleh'n!"

Den Churfürst wundert erst die heiße Bitte,Doch endlich läßt er diesen Tausch gescheht».

Kaum ritten sie die Bahn war wenig offenDa juckt vom Berg ein Blitz ein Schußverhallt

Graf Arko sinkt, vom Todesblei getroffen,

Von jener Kugel, die dem Fürsten galt.