jetzt wußte er ihr geschickt auszuweichen, und wenn die feurige Italienerin versuchte, indie Gemächer ihres Mannes zu dringen, so verstand der gut abgerichtete Kammerdienersie durch irgend einen Vorwand fern zu halten. Besonders in den letzten Tagen hattensich die beiden Ehegatten kaum flüchtig gesehen. Der Baron ging zu einer Zeit zuBett, wo sich seine Gemahlin schon erhob, und in den Abendstunden war er schon wiederaus dem Palais verschwunden, doch eh' es ihr gelang, seiner einmal habhaft zu werden.
Wie ich von Jean gehört, ist der Herr Baron erst vor zwei Stunden ausgefahrenund —
Gleichviel, ich muß ihn sprechen, und sollte ich bis zum Morgen auf ihn warten,unterbrach sie die Fürstin.
Das wirst Du auch müßen, stand auf dem klugen Gesicht Enrichettas, aber sieschwieg, und ihre Herrin war viel zu erregt, um ihr Kammermädchen zu beachten.
Ja, Enrichetta, ich muß ihm sagen, daß ich ihn seit heute mehr denn je bewundereund daß ich ihn liebe, so heiß und glühend, wie es der edle, hochherzige Mensch verdient.
Hinter den langen dunklen Wimpern des Kammermädchens schoß ein Blitz hervor,der die Fürstin beleidigen gemußt, wenn sie ihn bemerkt hätte, so viel Hohn und Gering-schätzung lag darin, aber ihre Herrin war viel zu sehr mit sich beschäftigt und Enri-chetta's Augen nahmen schon wieder den gewohnten Ausdruck treuer Unterwürfigkeit an;nur ein verstohlenes Lächeln um die dünnen Lippen schien zu sagen; Das hast Du ihmja schon zum Ueberdruß vorgeschwatzt und es hat Dir nichts genutzt.
Das Verhältniß zwischen Herrin, und Dienerin war stets ein sehr gutes gewesenund hatte in der letzten Zeit einen völlig vertraulichen Charakter angenommen. In dietreue Brust Enrichetta's legte die leidenschaftliche Frau all' ihren Liellesgram nieder.Gegen diese allein klagte sie sich aus, besprach ihre Hoffnungen, ihre Pläne, wie sie dieLiebe ihres Gatten zurückerobern wolle und Enrichetta hörte ihr stets sehr aufmerksamzu und' wagte auch zuweilen, mit irgend einem klugen Rathschlag hervorzutreten.
Die Fürstin war viel zu sehr mit sich und ihrer Herzensangelegenheit beschäftigt,um die heimliche Schadenfreude zu bemerken, die zuweilen deutlich, wenn auch ganz ver-stohlen aus dem Antlitz der verschlagenen Dirne hervorleuchtete.
Erst heut' wieder hab' ich erfahren, welch' großes, warmes Herz mein theurerGregor besitzt, fuhr die Fürstin mit allen Zeichen der Erregung fort. Und wenn ichihn noch nie geliebt hätte, dann müßte ich es jetzt, denn er verdient die aufrichtigsteBewunderung von Allen. Mußt Du das nicht ebenfalls sagen.
Enrichetta zuckte mit den Achseln. Ich darf mir kein Urtheil über den HerrnBaron erlauben, sagte sie ausweichend.
Ah, gegen mich kannst Du Dich völlig aussprechen, erwiderte die Fürstin. Undbekenne selbst, überragt er nicht alle Männer an Geist und Schönheit? Hab' ich nichtRecht daran gethan, daß ich ihn vor Tausenden auszeichnete und ihm meine Hand gab?Er ist ein geborner Fürst!
.Das Kammermädchen war an solch' stürmische Ausbrüche der Bewunderung schongewöhnt und hatte Mühe, die Zeichen der Langeweile zu unterdrücken, sia'cntgcgnetrdaher nur: Excellenz« haben Recht. Der Herr Baron verdient ein Fürst zu sein.
Du sagst es auch! rief ihre Herrin lebhaft und ihre Augen erhielten einen nochhöheren Glanz. Ja, das ist die Wahrheit, aber wenn Du erst. erfährst, wie edel undgroßherzig er sich gegen seinen armen Bruder benommen hat, dann wirst Du ihn nochmehr bewundern, und ohne Weiteres erzählt sie nun ihrem Kammermädchen, was sievon Doktor Bernard gehört hatte.
> Enrichetta machte ein sehr verwundertes Gesicht und blickte zuweilen nachdenklichvor sich hin. Die Geschichte' klang sehr seltsam und dennoch mußte sie wahr sein^ ob-wohl der Herr Baron nicht einmal zu ihr etwas davon gesprochen hatte und er zeigtesich ja sonst gegen sie noch weit offenherziger, als selbst seine Gattin, die freilich nicht