Ausgabe 
(17.7.1880) 5
 
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die geringste Ahnung von den vertraulichen Beziehungen hatte, die zwischen den Beiden

bestanden. ^ ^

Mußt Du nicht auch sagend schloß die Fürstin ihre Mittheilungen, daß meinGemahl die Liebe verdient, die ich für ihn in meinem Herzen hege, und sie legte dieHand auf ihren heftig wogenden Busen, denn die ohnehin leidenschaftliche Italienerinwar durch ihre Erzählung in die stärkste Erregung gekommen.

Wer sollte aber auch Excellenz« nicht lieben? entgegnete das schlaue Kammer-kätzchen. Ich kenne mehr als einen hohen Herrn, in Florenz , der ganz verzweifelt war,als ihm plötzlich alle Hoffnungen auf die Hand von Excellenz« verloren gingen.

Ueber das Antlitz ihrer Herrin flog ein befriedigtes, stolzes Lächeln: Ja, ich hab'sie Alle durch meine Wahl überrascht und doch bereue ich sie nicht, sagte sie noch leb-hafter, als gewöhnlich und ihre Augen glänzten: Aber ich muß heute meinen Gemahlerwarten, wir dürfen uns nicht eher zu Ruhe legen, als bis er kommt.

Das Kammermädchen hatte Mühe, seinen Verdruß zu verbergen; Excellenza, dasdürfte sehr spät werden, wagte sie einzuwerfen.

Thut nichts! Wir müssen ihn erwarten. Verständige Dich mit Jean und giebmir augenblicklich Nachricht, wenn mein Gemahl gekommen ist.

Und wollen Excellenza so lange im Salon bleiben?

Gewiß. Sorge dafür, daß der Kamin noch einmal geheizt wird und bringe mirin wenigen Stunden noch eine Tasse Thee, das wird mich schon munter erhalten.

Cnrichctta verbeugte sich nur zum Zeichen des Gehorsams und ging dann schweigendhinaus, während die Fürstin noch lange in größter Aufregung den Salon durchwanderte.

Durch das Gespräch mit ihrer Dienerin waren ihre Gefühle noch mehr in Flammengesetzt worden. Wenn Gregorio sah, wie tief und glühend sie ihn noch immer liebte,wie jetzt ihr Empfinden für ihn durch die Mittheilungen Doktor Vernard's noch stärkergeworden, dann konnte er ja nicht länger in seiner kühlen Zurückhaltung beharren; dannmußte auch er wieder mit der alten Schwärmerei sie an sein Hcrz schließen. Ach, wieglücklich würde sie dann sein.

In diese Träumereien verloren, wurde ihr die Zeit des Wartens weniger lang.Sie war gewöhnt, sich früh zur Ruhe zu begeben, heut überkam sie keine Müdigkeit,der spät genossene Thee und die innere Erregung erhielten sie wach, aber Mitternachtwar längst vorüber und noch immer meldete ihr Enrichetta nicht die Ankunft ihres Gattenan. Endlich warf sie sich ermüdet in einen Lehnsessel und sie war eben eingeschlummert,da schlüpfte das Kammermädchen herein und berichtete mit seiner gewissen Hast: DerHerr Baron sind eben gekommen.

Ah, ich danke Dir, Enrichetta, Du bist eine treue Seele, sagte die Fürstin, dannerhob sie sich eilig, strich mit der Hand über die Stirn, als könne sie damit die letzteSpur von Schläfrigkeit verscheuchen und verließ rasch den Salon.

Enrichetta sah ihr mit einem boshaften Lächeln nach; Du wirst mit Deiner Be- -gcisterung übel ankommen, stand auf ihrem scharfen, verschmitzten Gesicht.

(Fortsetzung folgt.)

Die Wüste Ittda.

Bon Johann v. Asboth.

Wie das moabiter Gebirge ostwärts, so erhebt sich aus dem todten Meere west-wärts, kühn und steil die Wüste Juda, kaum an einigen Stellen schmale, flache Streifenzwischen sich und dem Ufer lassend. An den Wänden dieser zerrissenen Felsenwüste,kletterten mir in der heißen Mittagssonne aufwärts, tiefen Klüften entlang, zwischendenen manchmal nur ein schmaler Grat zum Wege diente, so daß wir uns ganz derGnade der Pferdefüße überlassen fühlten. Wie sich unser Weg erhob, entfaltete sichimmer weiter und breitsr v'ör unseren Augen das Jordanthal mit seinen grünen Inseln