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im Sandmeere, den Salz- und Gyps-Feldern, dem glänzenden Spiegel des riesigenSees, und rückwärts der Rahmen des ganzen Bildes: Die moabitische Kette.
Nach viertelstündigem Klettern gelangten wir zu einem breiten Felsen-Bassin vollbrackigen Wassers, das einzige süße Wasser vom Jordan, bis zu dem in der Mitte derWüste stehenden Kloster, und auch dieses kaum trinkbar; nur der Beduine findet mitLebensgefahr außerdem Wasser in der Tiefe der Klüfte. Unser Weg ist ein fort-währendes Klettern. Auf absolutem Steinboden, steilen Berghängen entlang, zuweilenauf natürlichen Felsenstufen, müssen wir uns mühsam emporkämpfen, und auf solchenStufen löst sich manchmal das Gestein unter dem Fuße der Pferde, und rollt in diegähnende Tiefe hinab. Ein wahrhaftiges Wunder erscheint es mir, als auf solcherStelle mein Pferd, den Boden unter seinen Füßen verlierend, ausglitt und zusammen-stürzte, und nicht nur ich mich auf die Bergseite werfend, sondern auch das Pferd sichan Ort und Stelle zu halten vermochte. Von da an folgte auch ich häufiger dem Bei-spiel des uns vorangehenden Beduinen und führte das ohnehin schwer vorwärtskommendeThier am Zügel. Die Stellen, an denen wir Stunden hindurch mühsam cmporkletterten,präsentirten sich nach einiger Zeit als tief unter uns liegende, wild zerrissene, breiteTerrassen, und dies wiederholte sich immer und immer wieder, bis wir gleichsam einStockwerk nach dem andern erstiegen. Nur der Spiegel des todten Meeres, der aufeinzelnen Punkten immer und immer wieder aufblitzte, schien dem Auge immer in der-selben Nähe zu bleiben; denn die zurückgelassenen Felsmassen tief unter uns schrumpftenzusammen, verflochten sich, der in der Sonne glänzende weite Wasserspiegel aber bliebimmer derselbe.
Eine passende Staffage waren in dieser unbeschreiblichen Wildniß, die schwarzenBeduinen-Lager, denen wir hier häufiger begegneten und die bald am Bergabhange,bald tief unten in den Abgründen aufgeschlagen waren. Diesen konnten wir trauen,denn es waren Freunde, die beständig diese Gegenden bewohnen, wie sie denn auchunseren Beduinen Ali als Freund und Bruder empfingen. Wir ritten zu einem dieserLager, um dasselbe näher zu betrachten. Der bärtige hohe Scheich kam uns unter demGebelle der Hunde entgegen, uns in sein Lager einzuführen. In weitem Kreise standendicht neben einander die einzelnen Zelte. Nur zwischen zweien derselben bildete einZwischenraum den Eingang ins Lager. Das rechts vom Eingänge liegende ist dasZelt des Häuptlings, der uns zum Eintreten einladet. Diese Zelten bestehen aus ein-fachen Pflöcken, niit einem starken wasserdichten Zeuge überdeckt, welches aus schwarzenZiegenhaaren die Beduinenweiber selbst verfertigen. Es sind das dieselben Zelte, derendie Schrift erwähnt, als sie von den schwarzen Kedareneren spricht. Aus Höflichkeitund Neugierde besiegte ich die Furcht vor dem Ungeziefer, von dem diese Lager wimmeln,und trat in das Zelt. Es bestand aus zwei Theilen, die mit demselben schwarzenZiegenhaarzeuge von einander getrennt waren; der eine für die Männer, der anderefür die Weiber. Im letzteren flüsterten einige zusammengekauerte Gestalten, in ersterembrannte auf niederem Herd getrockneter Mist, der uns alsbald hinausräucherte. Dieübrigen Bewohner des Lagers vor und in ihren Zelten, zwischen ihren schwarzen Ziegenruhend, schienen sich wenig um uns zu kümmern, nur einige halbnackte Kinder starrtenuns an. Aber auch diesen siel es nicht ein, zu betteln. Selbst den Tabak, mit demich den Scheich beschenkte, nahm er mit einer gewissen ernsten Dignität entgegen. Nebenmanchem dieser Lager sah ich überrascht, daß ihre Bewohner selbst auf diesem verzweifeltunfruchtbaren Boden, wo sie nur einzelne Flecken finden, die wie Erde aussehen, sichmit der Kultur derselben befassen. Allerdings gleichen die mit dem einfachen Pfluge »
gezogenen Furchen eher Schotter- als Erdfurchen. Aber diese Leute, die jeden Luxusverachten, begnügen sich damit, was ihnen die Natur dort gewährt, wo sie eben ihreZelte aufschlagen.
Nach und nach, wie wir uns immer höher erhoben und auch der Tag voran-ge;chritten war, fühlten wir immer mehr, daß wir uns nicht mehr in der tropischen