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sehr finstern Ausdruck an und er stieß unwillig heraus: Ich bin sehr müde und bitteDich, Deine Mittheilungen auf eine gelegenere Stunde zu sparen.
Nein, Theuerster, heut' schon mußtest Du es wisse», daß ich Dich mehr als jebewundere. Wer für seinen Bruder eine so hingebende Liebe an den Tag legt, wieDu, der besitzt ein großes, warmes Herz und der verdient auch meine »»getheilte Liebe!Sie schmiegte sich dabei an ihn an und ihre feurigen Augen ruhten voll Schwärmereiauf seinem regungslosen Antlitz, das auch jetzt ^chts von seiner gleichgiltigen Kälte verlor,ja, der Baron hatte Mühe, die Zeichen tiefer Ävneigung zu verbergen. Du bist sehrgütig, sagte er kühl,, aber nun laß mich schlafen gehen, ich bin ganz erschöpft und bedarfder Ruhe.
Nein, nein, entgcgnete sie eifrig und drängte sich noch zärtlicher an ihn heran;Du mußt mir jenes schreckliche Abenteuer erzählen und mir bekennen, warum Du dar-über geschwiegen, und nie ein Wort von Deinem armen Bruder erwähnt hast? Geradeheute will ich es wissen, denn ich bin wie berauscht von dem Glück, einen solch' edlen,großherzigen Mann als Gatten zu haben.
Ueber das blasse Antlitz des Barons flog wieder ein Schatten des Unmuthes under entgegnete schärfer als bisher: Madame, wir machen >uns lächerlich. Sollen morgendie spottlustigen Pariser erzählen, daß Sie wie eine glüchende Julia mitten in der Nachtzu mir geschlichen sind, um ein zärtliches Stelldichein zu suchen? Er stieß dabei einkurzes höhnisches Lachen aus.
Und hätte ich nicht ein Recht dazu? Bin ich nicht Deine Gattin? Kann ich eslänger dulden, daß Du Dich plötzlich kühl und gleichgiltig von mir abwenden willst,während ich mich in h"'üer Liebe für Dich verzehre? — Warum wollen wir nicht jeneseligen Tage zurückrus m denen wir uns Alles waren und nach der übrigen Weltnicht fragten?! Ohne auf seine abwehrende Bewegung zu achten, schlang sie die Armeum seinen Hals und bedeckte seinen Mund mit feurigen Küssen. Er vermochte im erstenAugenblick der leidenschaftlich erregten Frau keinen Widerstand zu leisten und mußte esdulden, daß sie ihn mit ihrer Zärtlichkeit beinahe erstickte, aber einen günstigen Momentwußte er geschickt zu benutzen und mit allen Zeichen schlecht verhehlten Widerwillensentwand er sich ihren Armen und sprang rasch »om Lehnsessel empor. Ah, Madamewir leben ja nicht mehr in den Flittcrwochen, sagte er leise und höhnisch. In unsernKreisen sind solch' schwärmerische Scenen, wie Sie dieselben heut auszuführen belieben,nicht Sitte.
Gregor! Ich habe Dich aus Liebe geheirathet! rief die Fürstin mit dem Ausdruckvollster Empfindung. Und verdiene ich solche Zurücksetzung? Bin ich nicht noch schönund würde jeder Andere glücklich im Besitze Mies solchen Weibes sein? Mit dem Ge-schick einer Italienerin nahm sie eine Stellung an, die ihre volle, üppige Gestalt in diebeste Beleuchtung rückte. Ein stolzes, selbstbewußtes Lächeln thronte dabei auf ihremAntlitz.
Der Baron würdigte sie keines Blickes. Gewiß würden Sie noch Eindruckmachen, sagte er mit vornehmer Gleichgiltigkeit und ich begreife deshalb nicht, warumSie sich vor aller Welt zurückziehen. Wenn Sie nach irgend einem feurigen HerzenVerlangen tragen, habe ich durchaus nichts dagegen. Sie dürfen überzeugt sein, daßich nicht den Othello spielen werde.
Gregorio! Dich will ich haben! Deine Liebe gehört mir und Du darfst Dich nichtwieder thörichten Vergnügungen hingeben. An meiner Brust wirst Du wieder ein weitgrößeres Glück finden, als Dir all' diese Zerstreuungen von Paris zu bieten vermögen;und sie wollte auf ihn zueilen und ihn vom Neuem stürmisch und voll leidenschaftlicherGluth in ihre Arme schließen.
Der Baron wich erschrocken einige Schritte zurück und sagte jetzt kalt und schneidend:
Nein, es ist Zeit, daß wir der Komödie ein Ende machen. Ich will nicht zumGespött meiner Leute und von ganz Paris werden und muß Sie bitten, wenn Sie