Ausgabe 
(21.7.1880) 6
 
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Die Augen des Mannes funkelten unheimlich, plötzlich mochte ein Rest von ruhigerUeberlegung in ihm zurückkehren, denn er ließ die schon zum Schlage erhobene Handfallen und einen Schritt zurücktretend stieß er ein höhnisches Gelächter aus. MeinKammerdiener wird sich gewundert haben, daß unsere zärtliche Unterhaltung so langewährt, und um uns nicht in den Augen der Dienerschaft völlig lächerlich zu machen,halte ich es doch für gerathen, wenn wir dieselbe abbrechen, Madame! Er verbeugtesich mit einem nicht mißzuverstehenden Blicke nach der Thür.

Durch diesen Spott erwachte auch die Fürsten aus ihrer an Raserei grenzendenWuth und sie bemühte sich in einem ähnlichen Tone zu antworten, obwohl es ihr nichtvöllig gelang.

Sie haben Recht. Aber seien Sie überzeugt, daß ich diese Unterhaltung zu gelegener Zeit wieder anknüpfen werde, denn ich fürchte, daß mein Herr Gemahl nichtsweiter ist als ein gefährlicher Abenteurer, wenn nicht noch mehr.

Um die Lippen des Barons glitt ein halb mitleidiges, halb geringschätziges Lächeln.Also gute Nacht, Carlotta, sagte er, die schwere Portiere zurückschlagend und ihr dieThür öffnend. Ich danke Ihnen, daß Sie so gütig waren, mir noch so spät diese inter-essanten Nachrichten mitzutheilen, und er verbeugte sich artig vor ferner Gattin, die stolzerhobenen Hauptes, ohne ein Wort zu entgegnen, ohne ihn auch nur eines Blickes zuwürdigen, das Zimmer verließ und Mit raschen, festen Schritten ihre Gemächer aufsuchte.

(Forijctz.i'-,g folgt.)

D!« Wüst« Zuda.

Von Johann v. Asboth.

(Schluß.)

Auf der Wedelte des Hofes steht eine andere Kirche, die des heiligen Nikolaus,eigentlich eine Felsenhöhle, in deren Tiefe eine kleinere, gitterbedeckte Höhlung voll mitgrinsenden Todtenkopien, wie der Mönch erklärt, 40,000 Stück lauter Blutzeugen,die durch die Heiden des Kosroes in den Hohlen dieser Gegenden umgebracht wurden.An der gegenüberliegenden Seite liegt die basilika-ariige eigentliche Klosterkirche: düstererleuchtet, vollbehangen mit alten byzantinischen Bildern, von welchen aber die werth-vollsten von den Russen weggeführt wurden. Hier treffen wir in den die Wand um-gebenden Armstühlen, in ihren schwarzen Talaren, den hohen, flachen schwarzen Mützen,die bärtigen Mönche, ungefähr ihrer 50, versunken in tiefe Kontemplationen, die aberüberaus an jene orientalische Ruhe erinnern, in welcher der Geist sich noch mehr derabsoluten Ruhe erfreut als der Körper, der wenigstens in seinen Organen fungirt. Unsschenkt Keiner von ihnen irgend eine Beachtung. Das Hauptheiligthnm dieser Kirche istdas Grab, des heiligen Johannes von Damaskus , des letzten großen Kirchenvaters dergriechischen Kirche. Unter dein Name» Almansor nahn» dieser Heilige im Dienste derKhalifen eine hohe Stellung ein, trat aber 730 in das Kloster des heiligen Sabbas undhier verfaßte er seine berühmte, in der griechischen Kirche seither maßgebende Schriftvom wahren Glauben", die einerseits das Kloster selbst mit neuem Glänze umgab,andererseits der Abschluß der theologischen Entwicklung der griechische!: Kirche war. Ineiner Nebenräumlichkeit sahen wir Teller mit Holzlöffeln und mit offenbaren Spuren,daß die frommen Brüder soeben ihr aus trockenen Bohnen bestehendes Mahl genossenhaben. Die Bewohner des Klosters leben sehr einfach und streng und nähren sich blosaus Vegetabilien. Aber im Orient gibt man überhaupt weniger auf Genuß und Luxus,als auf Rast und Ruhe. Das ist der Hauptunterschied zwischen orientalischer und west-licher Lebensweise. Wir unsererseits stehen so ziemlich in der Mitte zwischen der imGenusse, im Luxus und in der Arbeit gleich fieberischen westlichen Zivilisation und jenereinfachen, anspruchslosen orientalischen Indolenz, die es der Vorsehung überläßt, dieGeschäfte der Vorsehung zu besorgen. Jetzt sind wir aber stark in den Fortschritt hinein-