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durch einen Vorhang abgeschlossen; in dieser auf Holzblöcken Bretter und darüber eins
Des Morgens standen wir noch bei Mondschein auf, um bei dieser Beleuchtung -vom Wachthurme noch einen Abschiedsblick auf die schauerliche Einöde zu werfen. Gigan-tischeGestalten der kahlen Felswildniß, so weit nur das Auge reicht; h,e und da emschwarzes Beduinenlager; unter uns die Schlucht des Kidron mit ihren 2—300 Metersenkrecht abfallenden Wänden, deren weit ausgebuchtete Krümmungen, mit dem braunen»grauen geschichteten Gestein, mit den riesigen Dimensionen an manchen Stellen dasrömische Kolosseum in Erinnerung rufen. All das im zitternden, schwachen Lichte undin dem tiefen Schatten des Halbmondes.
Mit denselben Schwierigkeiten und Verzögerungen gelangten wir aus dem Klosterheraus, wie wir gestern hineingekommen waren. Nach mühsamem Felsenritte gelangtenwir nach Bethlehem und von da nach einem starken Gallopp nach Jerusalem .
^ (Pester Lloyd.)
Sympathetische Tinten.
Darunter versteht man gewisse Flüssigkeiten, wovon, wenn man sich derselben zumSchreiben bedient, die Schriftlichen auf dem Papier unsichtbar sind, aber durch An-wendung von Wärme oder gewissen chemischen Stoffen in verschiedenen Farben deutlichund leserlich hervortreten. Schon die alten Nömer bedienten sich einer Art sympathetischerSchrift, indem sie einfach mit frischer Milch schrieben und die Schrift, wenn sie leserlichwerden sollte, mit Kohlenstaub bestreuten, der sich an die fettigen Theile der Milch an-hing. Diese Methode ist also eine rein mechanische. In neuerer Zeit kennt man indeßeine Menge anderer Mittel, welche den beabsichtigten Zweck in besserer Weise erfüllen.Die einfachsten sind jedenfalls diejenigen, wo die unsichtbaren Schriftzüge durch Anwendungvon Wärme hervorgerufen werden. Schreibt man z. B. mittelst eines Gänsekiels mitZwiebel-, Citronen- oder Aepfelsaft, so ist die Schrift, wenn trocken, vollkommen un-sichtbar, tritt aber in brauner Farbe hervor, sobald das Papier stark erwärmt wird.Wenn mit einer verdünnten Auflösung von salzsaurem Kupfer geschrieben wird, so istdie Schrift unsichtbar, sobald aber das Papier erwärmt wird, treten die Buchstaben inschöner gelber Farbe hervor und verschwinden wieder, wenn das Papier erkaltet ist.Alle Salze von Cobalt besitzen dieselbe Eigenschaft. Löst man essig-, salz-, schwefel- odersalpetersauren Cobalt in Wasser auf, so ist die damit hergestellte Schrift unsichtbar, er-scheint aber sofort blau, wenn das Papier erwärmt wird. — Ein anderes Verfahrenwandte man während des indischen Kriegs in England an, indem man wichtige Staats-depeschen mit Neiswasser schrieb. Wurde dann eine solche Schrift mit Jod überpinselt,so trat sie in blauer Farbe hervor. Schreibt man mit einer Auflösung von Eisenvitriolund überfährt die unsichtbare Schrift später mit einer Tanninauflösung, so erscheint sieschwarz. Und so gibt es noch zahlreiche chemische Mittel, die ähnliche Resultate liefern.
_ (Fundgr.)
M i s c e l l - ,r.
Ein Handwerksbursche reiste mit, einem Juden in eine nahe Provinzialstadt, undhatte nebst einem Bündel einen schweren Mantel zu tragen. Als sie in das erste Wirths-haus kamen und der Handwerksbursche die Zeche bezahlen sollte, sagte er zu dem Juden:„ach du lieber Himmel, ich habe kein Geld bei mir. Leihen Sie mir doch einen Gulden."Der mißtrauische Jude ließ sich herbei, ihm einen Gulden zu geben, aber nur in demFalle, daß er ihm ein Pfand dafür einsetze; der Handwerksbursche gab ihm seinenMantel. Vom Schweiße triefend, schleppte sich der Jude in der Hitze mit dem Mantelbis zum Städtchen; dort angelangt, zog der Handwerksbursch einen Gulden aus derTasche, gab ihm denselben und bedankte sich schönstens, daß er ihm seinen Mantel soweit getragen habe.