Ausgabe 
(24.7.1880) 7
 
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Ängsbirrgtr Postjeitmig "

Nr. 7. Samstag, 24. Juli 1680.

Am schönsten ist die Rose, wenn ihre Knospe bricht,

So tagt aus Furcht empor der Hoffnung schönstes Licht;

Am süßesten glüht Rose vom Morgenthau gefeuchtet,

Am lieblichsten blickt Liebe, wenn sie durch Thränen leuchtet.

Scott.

Der Aerr Daran.

Novelle von Ludwig Habicht .

(Fortsetzung.)

III.

Seit jener Stunde war das Herz der Fürstin wie verwandelt; so leidenschaftlichsie ihren Gemahl geliebt hatte, so tief und glühend haßte sie ihn jetzt. Die Binde, dieso lange ihre Augen umfangen, war plötzlich fort und nun sah sie ihren Gatten inseiner wahren Gestalt. Sie wurde die Vorstellung nicht mehr los, daß sie es nicht miteinem Edelmann, sondern mit einem bloßen Abenteurer zu thun habe. Sein Benehmenwar zu wenig edelmännisch gewesen, als ob er diese Manieren nur nachahme, als obihm eine aristokratische Haltung nicht anerzogen und angeboren sei. Sie begriff sichselbst nicht, warum ihr dies Alles nicht schon früher an ihrem Manne aufgefallen sei,warum sie einen Menschen so sehr bewundert, der kein Herz, keine wahrhaft edle Ge-sinnung besaß? Er halte sonst nimmermehr gegen sie in solcher Weise auftretenkönnen! Nun erfolgte der Rückschlag und so groß und so bedeutend er ihr frühervorgekommen war, so armselig erschien ihr jetzt sein ganzer Charakter. Und sie hatteNiemand, gegen den sie sich aussprcchen, dem sie klagen konnte, wie bitter und grenzenlosdie Täuschung war, der sie sich so lange hingegeben . . .

Sich ihrer Dienerin völlig anvertrauen, dazu war die Fürstin doch zu stolz. Wohlhatte sie mit Enrichetta gern über Alles geplaudert, denn sie zeigte sich treu und auf-opfernd, aber die schmerzliche Entdeckung, die sie gestern gemacht, mußte sie trotzdemsorgfältig in ihrer Brust verschließen. Enrichetta durste nicht ahnen, wie tief die Nieder-lage gewesen, die sie sich in jener verhängnißvollen Nacht geholt hatte. Und dennochwollte sie Gewißheit haben, ob ihre schreckliche Vermuthung eine Wahrheit sei oder obsie sich nur Hirngcspinnsten hingebe. Zuweilen wünschte sie das Letztere, aber eswar doch Alles vorbei, zwischen ihr und diesem Manne kam es zu keiner Versöhnungmehr sind dann erwachte auch in ihrem grollenden Herzen die Sehnsucht, ihn für seineUnverschämtheit und Nichtswürdigkeit so hart zu züchtigen, als er es verdiente.

Einige Tage später fand sich Doktor Bernard wieder ein; er traf auch heut seinenverehrten Freund nicht daheim; aber dies Mißgeschick schien ihm nicht ganz unangenehmzu sein , denn die Fürstin war gegen ihn so liebenswürdig, daß der treffliche und einwenig eitle Mann von der stattlichen, noch immer schönen Frau ganz bezaubert wurde»Sie wußte geschickt das Gespräch wieder auf die damaligen Vorgänge in Sorrent zu