Ausgabe 
(24.7.1880) 7
 
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Gargazon , Burg stall und außerdem ab und zu ein kleiner Flecken oderWeiler folgen nun, von denen uns biedere Bursche mit Heller, frischer Stimme herüber-grüßten.

Und hoch oben auf felsigen Höhen im Waldesdunkel thronen, bald frei und frank,bald wieder umschattet von dichter, reicher Baumwelt, nur hervorlugend aus tiefstillerEinsamkeit und Abgeschiedenheit, Burgen und Schlösser.

Welch unnennbare Zauber wehen da herab aus lichtumflossenem Baumreviere,welch beglückende Poesie aus längst entschwundenen Kindheitstagen; welch reine Herzens-seligkeit schimmert da nicht herein in die frühling ersehnende Brust und glänzt undflammt in den unvergeßlichen Farbentönen der Jugendfrische? Jean Paul 'sche Tintenziehen da vor unserem geistigen Blicke her und wie ein goldig Mührlein aus verblühtensonnigen Stunden dämmert es erinnerungsfreudig, wonneberauschend auf vor dem sen-sitiven Wanderer.

In den Wipfeln und Kronen der alten Buchen und Eschen jubilirt es gar lustigvon jenen kleinen gefiederten Sängern, denen Frühling und Sommer und die goldigenTage des Herbstes zu eigen gehören. Auf jedem Blatt, auf jedem wirr hervorragendenZweiglein scheint das Ehrwürdige von Jahrhunderten zu ruhen. Epheuumrankt strebenda und dort die einzelnen Steinwände der verfallenden Burgen in das reine Blau desHimmels, während unserem Geiste wohl eine weitentrückte fremde bunte Welt, den Tagendes minniglichen Nitterthums entspringend, ersteht.

(Schluß folgt.)

M i s e e l l e,t.

(Wie man einen Trunkenbold curirt.) Der k. mexikanische Cavallerie-Officier Theodor Wachlig erzählt in seinenWanderungen in Mexiko " folgende Episode:Eine eigenthümliche Strafart sah ich einst bei einer indianischen Freiwilligenschaar. Aneinem Indianer, der sich dem unverbesserlichen Trunke ergeben, sollte ein Exempel statuirtwerden. Zu diesem Behufe formirte die Truppe ein Carrs, in dessen Mitte der Delin-quent unter einem heillosen Lärm von Trommeln und Trompeten geführt wurde. DreiCabos (Korporale) stellten sich ihm zur Seite, der eine hielt einen großen Krug Seifen-wasser in der Hand, die beiden anderen waren mit elastischen Stöcken bewaffnet. DerCommandant hielt eine kurze, kernige Ansprache an die Truppe und verurtheilte schließ-lich den Trunkenbold zu dem Kruge Seifenwassers, den er bis zur Neige zu leerenhatte. Der Delinquent, dem noch ganz katzenjämmerlich zu Muthe war, that angesichtsder drohend emporgehobenen Stöcke einen herzhaften Schluck aus dem verhängnißvollenKruge, dann wurde abwechselnd getrunken, geblasen, getrommelt, gebrochen und geprügeltund die jedesmaligen empfindlichen Prügel halfen dem Verurtheilten über den furchtbarenEckel hinweg, den in ihm der ungewohnte Trank erregen mußte. Man sagt mir, derIndianer wäre seit jener Zeit in Folge der originellen Kur der nüchternste Mensch ge-worden."

(Nach dem Examen.) A.:Also sie haben Dich wieder durchplumpfen lassen?" B.:Na, das war auch kein Kunststück! Geben die mir dieselben Fragen, dieich voriges Mal schon nicht wußte!"

(Selbstschätzung.) Ein Liebhaber schickte seiner Geliebten sein Porträt milderPost. Da er nun fürchtete, daß das Porto sonst zu hoch kommen würde, schrieb er aufdie Adresse:Muster ohne Werth."

Ein geistreicher Mann wurde wegen einer sehr schönen Frau gefragt, wie sie ihnanspräche.Sie hat mich sehr angesprochen, als sie mich noch nicht angesprochen. Seitsie mich angesprochen, spricht sie mich gar nicht mehr an," war die ruhige Antwort.

Für die Redaktion verantwortlich: Alphons Planer in Augsburg . Druck und Verlag desLiterarischen Jnstitus von Dr. M. Huttlcr.