Ausgabe 
(28.7.1880) 8
 
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Ängsbilrger Poshcitmlg."

Nr. 8. Mittwoch, 28 . Julk 1880.

Gmiestc, wo? du hast, als cb du heuteHeck stcrbcn selltest! aber spar' es auch,

LU l,k du ewig lcblcst. Ter allein ist weise,

Ter lnüi? cinacderk, im Lparcn zuEtniistiu, im Ermaß zu spa:rn weist.

Wielaud.

Dev Aerr Baron.

Novelle von Ludw i g H abich t.

Als die Diener die Fürstm am Boden ausgestreckt fanden und ihr Aussehen deut-lich verrieth, daß sie bereits eins Leiche sei, blieben die Meisten scheu an der Thür stehen,nur Enrichetta eilte wieder aus die Todte zu, kniete vor ihr nieder und bedeckte ihreweiße, kalte Hand mit Küssen, während sie dabei beständig das große, furchtbare Un-glück bejammerte, so plötzlich ihre theure Exccllrnza verloren zu haben.

Wenige Minuten später erschien der Baron . Er hatte heut, seltsam genug, nochnicht seinen gewohnten Ausflug unternommen. Kaum war er der Leiche seiner Gemahlinansichtig geworden, da stürzte er mit ausgebreiteten Armen auf sie zu: O, meine Car-lottn l Du darfst nicht todt sein l Es ist ja nicht möglich! Meine Liebe wird Dich zuneuem Leben erwecken! und in wilder Verzweiflung warf er sich über die Tode hinwegund bedeckte ihren bleichen Mund mit seinen Küssen.

Enrichetta hatte sich bei der Ankunft des Barons erhoben und war scheu zur Seitegetreten, als wolle sie vor dem größeren Schmerz des Gatten zurückweichen.

Die hier versammelten Leute wußten wohl, daß ihr Herr mit seiner Gemahlinnicht auf dem zärtlichsten Fuße gelebt; aber die Dienerschaft in einem großen PariserHause ist an solche vornehme Ehen gewöhnt und der Tod hat dann doch eine versöhnendeKraft, trotzdem hätte man nicht erwartet, daß der gnädige Herr die Sache gar so tragischnehmen würde und die leicht erregbaren Franzosen, aus denen die übrige Dienerschaftbestand, bewunderten aufrichtig den tiefen, grenzenlosen Schmerz des Barons und wurdenvon diesem leidenschaftlichen Erguß mit fortgerissen. Die weibliche Hälfte begann heftigzu weinen, während die Männer sich mit kurzen, schmerzlichen Ausrufen begnügten,daß die herrliche schöne Frau vom Tode so plötzlich hinwcggerafft worden.

Ach, sie erwacht nicht mehr! Sie ist von mir geschieden, ohne mir Lebewohl gesagtzu haben, rief der Baron klagend aus, und indem er liebkosend über das Haar derVerblichenen strich, griff er nach seinem Taschentuch, um die reichlich hervorstürzendenThränen zu verbergen. Carlotta, o meine einzige Carlotta, Du nimmst auch von mirdas Leben hinweg! . . . und er beugte sich vom Neuem über die Todte und starrtemit allen Zeichen der Verzweiflung in ihr bleiches Antlitz.

Die Dienerschaft wagte ihren Herrn in dem Ausbruch seines Schmerzes nicht zustören, der sich jetzt erhob und mächtig mit der Frage auf Enrichetta zutrat: Wie ist