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das so plötzlich gekommen? Die Fürstin erfreute sich ja stets einer blühenden Gesundheitund ich hatte gehofft, das herrliche Weib noch lange zu besitzen. Jetzt erst, nachdem ichsie verloren, weis; ich ihren Werth völlig zu schätzen, und er warf einen schmerzlich-klagenden Blick auf den stattlichen Körper, der noch jetzt im Tode und in dieser Stellungseine vollen üppigen Formen ganz besonders zeigte.
Excellenz« war über eine Kleinigkeit in große Aufregung gerathen, berichtete En-richctta mit großer Zungenlüufigkcit und einem so treuherzigen Gesicht, daß an der Wahr-heit ihrer Worte Niemand zweifeln konnte. Sie forderte einen Tropfen Wein und eineFlasche Selters, um ihr Blut ein wenig zu kühlen. Ich wagte Excellenz« davon ab-zurathen, da in ihrer Verfassung ein kalter Trunk sehr leicht gefährlich werden könne,aber sie wollte davon nichts wissen und wurde ungeduldig. Ich mußte ihr das Ge-forderte bringen, obwohl ich gleich in Sorge war. Sie trank das Glas in einem Zuge.Ach, wie das wohl thut, sagte sie und sie setzte lächelnd hinzu, da siehst Du Närrin,daß es keine Gefahr damit hat. Wie könnte denn ein Glas Wasser schädlich sein? Ichdurste nicht widersprechen. Excellenz» ging mehrmals im Zimmer auf und ab, plötzlichblieb sie stehen, klammerte sich mit der Linken an den Tisch während sie die Rechteauf ihre Brust drückte und sie rief klagend aus: Wie wird mir? Mein Herz droht mirzu zerspringen. Am Ende hast Du doch Recht gehabt! O Du treue Seele, warumhabe ich nicht auf Dich gehört! Mein Gott — es wird Nacht! und mit einem lautenSchrei, ehe ich noch hinzuspringen konnte, sank sie zur Erde. Ich stürzte sogleich hinweg,um Hilfe herbeizuholen. -— O meine Excellenz«! So rasch mußte sie ihren Tod finden!und Enrichetta bedeckte das thränenüberströmte Antlitz mit ihrer Schürze.
Bei der Erzählung des Kammermädchens zuckte ein tiefer Schmerz über das Antlitzdes Barons. Mit thräncnerstickter Stimme brachte er jetzt mühsam hervor: Ich dankeDir, Enrichetta, Du hast meiner theuren Gemahlin den letzten Liebesdienst erwiesen, ichwerde desselben dankbar eingedenk bleiben.
Enrichetta nahm rasch die Schürze vom Gesicht, ihre dunklen Augen blitzten eineSekunde freudig auf, ein eigenthümliches Lächeln huschte um ihre Lippen, das raschwieder verschwand und sie entgegiiete leise und demüthig: Sie sind sehr gütig, gnädigerHerr Baron .
Ich weiß, wie treu Du Deiner Herrin ergeben warst, fuhr der Baron mit großerWärme fort: und für solche Treue hab' ich ein gutes Gedächtniß., Er kehrte sich nachdiesen Worten um und als er jetzt wieder der Leiche seiner Gattin ansichtig wurde,überwältigte ihn die Verzweiflung von Neuem so furchtbar, daß er laut jammernd zu-sammenbrach und sein Gesicht in den Kleidern der Verstorbenen barg. Dann winkteer mit der Hand, zum Zeichen, daß er mit seiner todten Gemahlin allein sein wollte.
Die anwesende Dienerschaft verstand ihn und entfernte sich leise, Enrichetta wardie Letzte, die hinausging, ein triumphircndes Lächeln spielte um ihren Mund, Sucheimmer, Du wirst den Brief nicht mehr finden, dachte sie und durch ihr Gehirn zucktenlausend unruhige Gedanken.
Kaum hatten die Leute das Zimmer verlassen, als der Baron sich erhob, sorg-fältig die Thür verschloß und dann an den Schreibtisch der Fürstin eilte, um jedes Fachhastig zu durchwühlen. Wohl fielen ihm eine Menge Briefe in die Hände, aber er legteeinen nach dem anderen enttäuscht bei Seite. Nirgends konnte er entdecken, was er suchte.Auch das geheime Fach, das er rasch gefunden, enthielt nichts als einige kostbare Schmuck-sachen, die er sofort in seine Tasche gleiten ließ.
Ungeduldig und enttäuscht warf er sich in den Lehnsessel, der vor dem Schreib-tisch stand, stützte den Kopf in die Rechte und sann einige Augenblicke nach.
Seine Blicke irrten gleichgiltig über den prächtigen Marmor hinweg, der sich ihmzeigte und spähten nur gierig nach dem vcrhängnißvollen Briefe, der noch immer seinemeifrigen Forschen entging. Als auch hier seine Hoffnung zu Schanden wurde, stieß erleise eine Verwünschung aus und sein Gesicht verfinsterte sich. Sie muß den Brief des