trafen sorgfältig aufbewahrt haben, aber wo? murmelte er vor sich hin und blicktesich dann überall im Gemach um.
Vielleicht hat sie ihn im Schlafzimmer irgendwo versteckt, grübelte er weiter undohne Besinnen eilte er dahin, um auch diesen Raum sorgfältig zu durchspähen. Je mehrsich der gesuchte Gegenstand seinem Forschen entzog, je mehr erhielten seine Augen, seinganzes Wesen etwas Naubthierartiges. Eine fieberhafte Hast bemächtigte sich seiner, erdurchwühlte das Bett seiner Gemahlin, jeden Schrank, in allen Winkeln spähten seine unrrkHig funkelnden Augen umher, aber ohne Erfolg.
Völlig erschöpft ließ sich der Baron auf die kostbare Lagerstätte der Fürstin nieder-sinken und den Kopf vornübergebeugt, verharrte er einige Sekunden in völliger Ab-spannung. Plötzlich blitzte ihm ein Gedanke durch das Hirn — Sollte Enrichetta? —er vollendete nicht und sprang wieder auf. Nein, nein, sie hat davon keine Ahnung,denn ich hab' sie zu sorgfältig ausgeforscht, — aber sie ist kühn und verschlagen, solltesie doch? — Pah, keine Furcht! ermähnte er sich selber und warf den gesenkten Kopfwieder rasch entschlossen in den Nacken.
Ich werde schlimmstenfalls auch mit dieser Dirne fertig werden, und sein Gesichtwieder in schwermüthige Falten legend, ging er in seine eigenen Gemächer zurück.
Doktor Bernard hatte noch einmal Gelegenheit, das weiche, warme Herz desBarons zu bewundern. Er war von dem verehrten Freunde sofort in den Palais dcrFürstin gerufen worden, um die Todesart dcr unglücklichen Frau festzustellen und augen-blicklich erschienen.
Der Baron stand an der Leiche seiner Gemahlin, bleich und regungslos, ein Bilddes tiefsten, grenzenlosesten Schmerzes, als der Arzt eintrat. Erst auf die Anrede desDoktors kam etwas Leben in die düster, schwermüthigen Züge. Vloomhaus warf sichsogleich an die Brust des Franzosen und rief mit weicher, klagender Stimme aus: Ah,wie danke ich Ihnen, theurer Freund, daß Sie gekommen, ich bcdadf des Trostes, dennich habe keine Thränen mehr.'
Mein armer, verehrter Freund wie beklag ich Sie, Sie haben in der That einenentsetzlichen Verlust erlitten, aber wie ist das so rasch .und urplötzlich gekommen? setzteBernard hinzu. Die Fürstin war ja voll Leben und ^Gesundheit, der ich prophezeithätte, daß sie es auf achzig Jahre bringen müsse und der Doktor richtete sogleich seineBlicke auf die Leiche, die inzwischen auf einem Ruhebett Platz gefunden hatte.
Sie haben die Verewigte gekannt und Sie allein können meinen Schmerz ermessen,begann der Baron von Neuem und stieß einen tiefen Seufzer aus.
Sie haben Recht, begann der Franzose sogleich mit großer Lebhaftigkeit und wandtesein Gesicht wieder dem Baron zu. Die Fürstin war ein herrliches Weib, die ich auf-richtig bewunderte und wie wurden Sie von ihr geliebt? Was sag' ich, geliebt? An-gebetet, vergöttert. So hat noch nie ein Mann das Herz einer Frau zu bewegen ge-wußt, wie Sie und doch, es ist so natürlich. Ein volles hingebendes Herz kann in einerverwandten Brust ein solches Echo wecken.
Wie danke ich Ihnen für das glänzende Lob, das Sie meiner Gattin ertheilen;aber kommen Sie hierher, ich will Ihnen alles erzählen, wie das Unglück so plötzlichund gewaltig über mich hereingebrochen — und er zog den Doktor in einen anderenWinkel des Zimmers, nöthigte ihn Platz zu nehmen und ließ sich dann auch, wie völliggebrochen, in den nächsten Lehnsessel nieder. Nun erzählte er dein aufmerksam zuhörendenArzte mit großer Ausführlichkeit, auf welche Weise seine verehrte Gemahlin sich ihrrasches, plötzliches Ende zugezogen habe.
Das ist freilich eine bedauerliche Unvorsichtigkeit, die schon Manchem das Lebengekostet hat, bemerkte Doktor Bernard und wollte sich wieder der Leiche der Fürstinnähern, aber der Baron wußte ihn zurückzuhalten und sprach mit seinem verehrten Freundeso zutraulich, daß dieser dadurch völlig gefesselt und von dem eigentlichen Gegenständeseines Besuches abgezogen wurde. Mit großer Wärme und Dankbarkeit erinnerte sich