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der Varon an ihr erstes Zusammentreffen in Sorrent , an die wichtigen Dienste, die ihmder theure Doktor damals geleistet und er sprach die Hoffnung aus, den lieben Freundnun öfter bei sich zu sehen, um mit ihm über die Verewigte plaudern zu können.
Doktor Bernard wurde von Neuem von der Liebenswürdigkeit des Barons völligLezaubert. Als er endlich sich an seine Pflicht erinnerte und noch einmal zu der Leichetrat, war die Dämmerung schon hereingebrochen.
Der Baron wich auch jetzt nicht von seiner Seite und sich vertraulich auf seineSchulter lehnend und den Arm nach der Fürstin ausstreckend, sagte er mit tiefbewegterStimme: Ist es nicht grausam theurer Freund, ein solch' herrliches Weib zu verlieren?
Die Blicke des Arztes ruhten bewundernd auf der vollen üppigen Gestalt,deren schwellende Formen deutlicher als je hervortraten. Ein Meisterwerk der Schöpfungging hier zu Grunde.
Kommen Sie, lieber Doktor, ich kann ihren Anblick kaum ertragen, es bricht mirdas Herz und doch zieht es mich immer wieder zu der theuren Verblichenen hin — undder Varon ergriff mit diesen Worten den Arm des Arztes und führte ihn ohne Weitereshinweg.
Auf den Wunsch des Barons stellte Doktor Bernard nunmehr den Todtenschsinaus, einen Herzschlag bestätigend und dann schieden die beiden Freunde in der herz-lichsten Weise von einander.
Das Begräbniß der unglücklichen Frau fand mit großer Feierlichkeit statt. DerBaron ließ es an keinem Glanz fehlen und spielte die Rolle des tiefgebeugten Leid-tragenden mit solcher Wahrheit, daß Niemand daran zweifeln konnte, er betrauere denVerlust seiner Gattin tief und aufrichtig. Man war voll Bewunderung für den zärt-lichen Gatten und Doktor Bernard besonders verkündete überall die Herzensgröße seinesverehrten Freundes. Auf dem Kirchhofe Du Montparnasse hatte die Fürstin ihre letzteRuhestätte gefunden und was Niemand für möglich gehalten hätte, der Baron fuhrtäglich auf den Kirchhof und verweilte dort längere Zeit. Er war überhaupt seit demTode seiner Gattin völlig verändert, mied plötzlich alle Gesellschaften, jeden Verkehr mitseinen früheren Freunden und schien sich für immer in die Einsamkeit xergraben zu wollen.
(Jortsttzung salzt.)
Im Etsch.Wt«r-r.
Bon Ernst Reiter.
(Schluß.)
Welch ein überwältigender Anblick wird jetzt unseren Augen! Das MalerischeBecken von Meran , der echte „Etsch-Winkel", dehnt sich da vor unseren Blicken aus! Imweiten leuchtenden Umkreise nichts als höher und höher strebende Bergzüge, Wälder undBurgen- und dort, ein breites Silberband, die Etsch , tausend Hütten und Höfe, verstreutund verbunden, vereinzelnt und vereint, winzige Menschen, Gcthier und Gefährt, Sonnen-gold und Frühlingswehen darüber, die blaue Kuppel des Himmels, millionenfaches Glitzernund Leuchten, Funkeln und Blühen und Keimen und überreiches Sprossen! Die Lahn -bcrger-, die Drcn-Spitz, der hohe Muth, die Röthel-Spitz, das Spitzhorn, die Gurgler-,ferner ini Hintergründe die Algunder Höhen, die Vintschganer Berge; — nichts alsBerge und hohe Burgen ringsum! Wie ein Perlenregen liegen da mehr als zwanzigBesten v.nd Schloßruinen rings verstreut stn blauen Duft der Weiten. Und die Luft indiesen Stunden dxs jungen Lenzes, in diesem Blüthenrausch des Königs Frühling, sieist wie ein zarter, verschwimmender, durchsichtig-feiner, würziger Hauch halkponischer Tage!Und in scharfen reinen Lienien zeichnen sich am dunkleren Plan der Waldpartien ab;Schloß Tirol, das dem Lande den Namen gab und der früheste Sitz der Fürsten war,Dürnitein, Lebenberg, die reizende Brunnenburg, Schönna, des einstigen deutschen „Reichs-