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Manne gegenüber zuweilen gehen ließ und der Todtengräber stieß auch in der That einkurzes beifälliges Gelächter aus. Sie haben Recht, Herr Baron, aber das ist nun ein-mal so die Redensart, wenn man sagen will, daß ein Ehemann alles gethan was erseiner Frau nur an den Augen absehen konnte.
Der Baron schwieg, da der Todtengräber von andern Geschäften in Anspruchgenommen wurde, entfernte er sich, um am andern Tage zur gewohnten Stunde wiederzu kommen. Heut suchte er eine passende Gelegenheit, um mit seinem alten Bekanntenallein zu sprechen. Die Unterhaltung dauerte weit länger als gewöhnlich und wurdenoch leiser als sonst geführt.
Mehrmals schüttelte der Todtengräber bedenklich mit dem Kopse, aber der Baronredete immer eifriger in ihn hinein; endlich schien der Mann seinen Widerstand auf-zugeben. Baron Bloomhaus zog seine Brieftasche hervor, drückte dem Todtengräber einPacketchen Papiere in die Hand und flüsterte ihm leise zu: Also eS bleibt dabei. —Mir ist der Platz zu widerwärtig und Sie laufen durchaus keine Gefahr.
Der Andere antwortete nicht; er verbarg nur rasch die Papiere in seiner Brust-tasche, nickte dann mit dem Kopfe und der Baron drückte ihm mit einem letzten viel-sagenden Blicke die Hand, dann wanderte er langsamen Schrittes, mit seiner gewöhn-lichen schwermüthigen Miene, der Kirchhofspforte zu.
IV.
Seit jenem Tage schien die Lebenslust des Barons in alter Kraft erwacht zu sein,ja sie trat noch stärker und rücksichtsloser hervor. BloomhauS gab es auf, noch längerden trauernden Wittwer zu spielen und jetzt stürzte er sich mit wahrhaft blinder Wuthin den Strudel der Vergnügungen. Seine Verschwendungssucht kannte keine Grenzen,das Geld mußte für ihn allen Werth verloren haben, denn er warf eS förmlich zumFenster hinaus.
Doktor Bernard, der dieses Treiben sah, sagte sich bedauernd, der Aermste willsich seinen Schmerz betäuben, und der Baron ließ ihm diese günstige Meinung, ja erwußte ihn darin zu bestärken, denn zuweilen erklärte er dem Arzt: Ich muß den großenSchmerz auf irgend eine Weise etwas zu vergessen suchen, wenn ich nicht wahnsinnigwerden will; und der Doktor gab ihm recht.
Freilich war der Lethetrank, dessen der Baron bedurfte etwas kostspielig, aber erhatte ja das große Vermögen seiner Frau geerbt und konnte sich schon den größtenLuxus gestatten.
Enrichetta nahm jetzt in dem Hause des Barons eine sehr hervorragende Stellungein, denn ihr Herr hatte Wort gehalten und sich für die treuen Dienste, die sie für seineverschiedene Gemahlin geleistet, dankbar erwiesen. Sie stand jetzt an der Spitze desganzen Hauswesens und man munkelte sogar davon, daß der Baron sie zu seiner zweitenFrau erheben werde.
Enrichetta machte kein Hehl daraus, daß sie auch bestimmt darauf rechne undbenahm sich bereits als ob sie wirklich schon die Baronin Bloomhaus sei. Gegen dieübrige Dienerschaft kehrte sie jetzt sehr unangenehme Seiten heraus, sie verlangte un-bedingten Gehorsam, überwachte sorgfältig das Treiben der Leute und duldete nirgendseinen Unterschleif. Man. war deshalb mit ihr sehr unzufrieden, die Kecksten versuchtenwohl, sich bei dem Baron über die Italienerin zu beschweren, aber als sie bei demgnädigen Herrn niemals Gehör fanden und er all solche Klagen ohne Weiteres abwies,wurden Alle in der Ansicht bestärkt, daß die kühnen Hoffnungen Enrichettas wohl dochbegründet seien und sie über kurz oder lang ihr stolzes Ziel erreichen würde.
Es war freilich seltsam, daß ein hübscher stattlicher Mann wie Baron Bloomhaus,der unter den Schönheiten der Pariser Aristokratie die Auswahl hatte, jetzt seine Handeinem Mädchen schenken wollte, das nicht einmal auf große körperliche Vorzüge Airspruchmachen konnte. Hätte Enrichetta nicht die Paar schwarze, brennende Augen und vielleicht