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noch einen leidlich hübschen Mund gehabt, ihr unregelmäßiges schmales Gesicht würdeschwerlich Interesse erregt haben.
Freilich konnte die Dienerschaft wohl bemerken, daß die Italienerin es verstand,den Baron zu umschmeicheln. Sie wußte wie ein Kätzchen um ihn herumzuschleichenund seine Gunst zu gewinnen, und merkwürdig genug, selbst seine üble Laune fürchtetesie nicht.
Wenn der Baron nach einer durchschwärmten Nacht mit wüstem Kopf erwachte,dann mußten seine Leute vor ihm zittern. Wegen der geringsten Kleinigkeit gerieth erin Wuth und er behandelte dann seine Diener mit einer Brutalität, die ihn als Bar-baren kennzeichnete. Die empfindlichen Franzosen hätten gewiß alle längst sein Hausverlassen, wenn er nicht immer wieder durch die glänzendsten Geschenke seine ZornauS-sprüche gut gemacht hätte.
Nur Enrichetta wagte sich zu jeder Zeit dem Baron zu nähern, und seltsam genug,gegen sie schlug er sogleich einen ganz andern Ton an, er mochte kurz vorher noch sowüthend gewesen sein. Dadurch waren die Diener vollends überzeugt, daß die schlaueKammerkatze über den gnädigen Herrn einen eigenen Zauber ausübe und daß es ihrschon gelingen würde, sich zur Baronin Bloomhaus aufzuschwingen.
Um so größer war die allgemeine Ueberraschung, als sich der Baron plötzlich miteiner jungen Schauspielerin des Palais-Royal-Theaters, Fräulein Desirse Combelaine,verlobte. Die Künstlerin gehörte zu den beliebtesten Mitgliedern jener Bühne und rißdurch ihr übermüthiges, keckes Spiel Alle mit sich fort. Sie ging gern im Gesang undSpiel über die Grenze des Schicklichen ein wenig hinaus; aber sie wußte doch durchdas Feuer ihres Wesens, durch einen übersprudelnden Humor und champagnerartigenEsprit auch moralische Murrköpfe mit fortzureißen und zur Heiterkeit zu stimmen.
Fräulein Combelaine war auch außerhalb der Bühne eben so frisch und lebens-lustig, wie sie dort auf den Brettern erschien, und wie dies in Paris nicht anders zuerwarten war, hatte sie stets einen reichen, glänzenden Kranz von Anbetern um sich ver-sammelt. Man brachte ihr die stürmischsten Huldigungen dar; die Größen der Finanzund der Aristokratie warben um ihre Gunst, überschütteten sie mit den kostbarsten Ge-schenken und sie hatte unter Fürsten und Herzögen die Wahl, wem sie ihre kleine zier-liche Hand reichen wolle.
Baron Bloomhaus war noch bei Lebzeiten seiner Gemahlin kein seltener Gast imSalon von Fräulein Combelaine und zum Erstaunen der Schauspielerin war er nachdem Tode seiner Gemahlin plötzlich weggeblieben. Nun kam er endlich wieder, und dasVerhältniß der Beiden gestaltete sich bald zärtlicher.
Der Baron hatte schon damals unter all' den vornehmen Herren, die FräuleinDesirse umschwärmten, ihre Aufmerksamkeit erregt; der schöne hochgewachsene schlank unddennoch kräftig aussehende Mann gefiel ihr und er verstand es noch dazu, sie zu be-zaubern. Seine Geschenke waren die glänzendsten und sein ganzes Auftreten ließ daraufschließen, daß er ein ungeheures Vermögen besitzen und zu den reichsten Leuten von Paris gehören müsse.
Dies gab vollends bei der französischen Schauspielerin, die wie all' ihre Kolleginnenzu rechnen verstand, den Ausschlag. Sie schenkte dem stürmischen Werben des BaronsGehör und beglückte ihn mit ihrer Hand.
Bloomhaus war überselig, als er endlich ihr Jawort erhielt. Hatte ihn doch diegefeierte Künstlerin vor Tausenden bevorzugt und war es ihm doch gelungen, selbstHerzögen und Fürsten den Rang abzulaufen. Er konnte kaum den Tag erwarten, woer seine angebetete Desirse für immer sein nennen würde, und bis dahin verschwendeteer Hunderttausende, um jeden ihrer Wünsche zu erfüllen und die Schauspielerin warnicht arm an Wünschen. — Je mehr sie sah, daß ihr Bräutigam sich bemühte, auch ihreflüchtigste Laune,^en Einfall eines Augenblicks, zrr verwirklichen, je mehr war ihre Phan-