Ausgabe 
(31.7.1880) 9
 
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taste geschäftig, die wunderlichsten Grillen zu erzeugen, deren Ausführung beinahe einVermögen kostete.

Als Enrichetta die plötzliche Verlobung des Barons erfuhr, wollte sie es nichtglauben, selbst dann nicht, als der Kammerdiener boshaft genug, ihr das betreffendeZeitungsblatt vorlegte.

Es ist ein alberner Scherz, den sich irgend Jemand gemacht hat, nichts weiter,sagte sie und warf Jean einen hochmüthigen, verächtlichen Blick zu; aber die An-zeichen, daß die Verlobung auf Wahrheit beruhe, mehrten sich.

Der Baron war so von seinem Glück erfüllt, daß er selbst gegen seine Leute ausseiner bevorstehenden Verbindung kein Hehl machte. Im Schlafzimmer war die lebens-große Photographie der Braut ausgestellt und die Dienerschaft hatte jetzt vollkommen zuthun, um die Besorgungen auszuführen, die alle auf Fräulein Combelaine Bezug hatten.Täglich wanderten aus dem Hause des Barons die kostbarsten Blumen, Früchte unddergleichen zu der Braut und endlich veranstaltete Bloomhaus in seinen Salons ein großesFest, das zum ersten Male seine theure Desiräe mit ihrer Anwesenheit verherrlichenwollte.

Nun konnte Enrichetta freilich nicht länger zweifeln und ihr Entschluß war raschgefaßt. Seit seiner Verlobung hatte der Baron eine ungeheure Zerstreutheit an den Taggelegt, auf ihre Fragen kaum oder doch nur flüchtig geantwortet und selbst ihre feinstenund liebenswürdigsten Schmeicheleien waren von ihm sehr kühl aufgenommen worden.Sie hatte so lange seine steigende Kälte ertragen in der Hoffnung, daß Baron nach demAbleben der Fürstin dem Kammermädchen derselben die Führung des Hauswesens ganzallein überlassen hatte, war er seit seiner Verlobung sehr zurückhaltend geworden. Erüberging Enrichetta völlig und wandte sich mit all seinen Wünschen und Befehlen anseine eigenen Leute.

Der Italienerin seine'Verlobung mitzutheilen, hatte er doch nicht gewagt. Siemußte es ja schon erfahren haben und wenn sie schwieg und ihm nicht erst eine Scenemachte, that sie sicher das Klügste.

Auch alle Anstalten zu seinem heutigen Feste hatte Bloomhaus nur mit seinemKammerdiener berathen und er wollte eben ausführen, um selbst noch Manches dafüreinzukaufen, als plötzlich Enrichetta vor ihm erschien. So freundlich und zuvorkommend,wie immer, obwohl nicht ohne eine gewisse Sicherheit. Sie gab, wie die Herrin desHauses, dem Kammerdiener einen Wink, sich zu entfernen und als dieser es nicht fürnöthig fand, dem verblassenden Stern noch Gehorsam zu leisten, sagte sie mit scharferStimme: Warum entfernen Sie sich nicht, wenn ich es wünsche? und da jetzt auch derBaron seinem Jean heimlich zunickte, zog sich der Kammerdiener endlich zurück.

(Fortsetzung folgt.)

Ein guter Zeitvertreib.

Dorfschwank von P. K. Roseggcr.

Vor Allen: muß ich um' Entschuldigung dafür bitten, daß diese Geschichte so närrischist. Dann muß ich auch noch um Entschuldigung dafür bitten, daß der Eine Mirt heißtund der Andere Mart. Diese Namen passen so gut zusammen, daß ich drei Batzenwetten möchte, sie wären erfunden, wenn ich nicht so ganz bestimmt wüßte, daß der Einswirklich Mirt hieß und der Andere Mart. Und so siegt die Wahrheit: Der Weber hießMart und der Schneider hieß Mirt.

Es waren zwei junge Gesellen, nicht ohne Grund verhaßt vom männlichen Ge-schlechte, was maßen vom weiblichen ... Doch, das geht zu rasch.

Die beiden Burschen waren Freunde und spielten Maultrommeln. Kennt ihrdiese Instrumente? Nicht? Dann sitzen wir fest. Sie des Langen und Breiten zu be-