Ausgabe 
(31.7.1880) 9
 
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Fenster aebrummelt hätte und das will doch was sagen. Daher hat derMeßner sofrüh geläutet und der Müller so früh Säcke geklopft, und was die Hauptsache dieHypothese von der Gewichtlosigkeit der Schneider ist in jener Nacht glänzend widerlegt

worden.

Sonntsgofeirr.

Auch ist es gleich, ob GlockenklängeDie Frommen laden zum Gebet,

Ob eine andachtsvolle Menge

Den Tag des Herrn mit Dank begeht;

Deutsche

In meiner Kindheit ward gesprochen,

Daß durch der Freiheit WogeugangDie alte Zwingburg sei gebrochen,

Die schwer das Volk zur Krone zwang;

Und treten glauvig pe zu,ammen.

Und feierlich die Glocke klingt,

Dann steht der Arme, schürt die FlammenUnd horcht, wie es im Kessel singt.

Man wolle keinen: Herren dienen,

Entstanden sei ein neues ReichUnd eine goldne Zeit erschienen,Wo Alle frei und Alle gleich.

Das singt ihm eine alte Weise,Die einst zur Sonntagsseier sangDer Vater in der Seinen Kreise,

singt ihm eine alte Weise,lst zur Sonntagsseier sang

Doch jetzt, da ich erwuchs zum Manne,Schau' ich verwundert rings umher;

Die sich befreit von: alten Banne,

Drückt nun ein neuer dovvelt schwer:

Und singt und mahnt mit trüben: Klang,

Die Gleichsten, kne aus Auen lallet,Die Freiheit, die Ihr selbst Ench gabt,Ist: das; Ihr nie von Arbeit rastet,

Ist, das; Ihr tausend Herren habt.

Es grollt in seltsamen Accorden,

Denn Freiheit heisst jetzt: Geldverdicnen,Und gleich tönt Sonn- und WochentagDas Stampfen rastloser MaschinenUnd Dampfesstos; und Hammerschlag,

Und gleich ist's, ob der Glanz der Lichter,Ob Sonnenschein herniederstrahltAuf welke schläfrige Gesichter; -

Das Blut wird ja mit Geld bezahlt l

(jbvUb st.ttsttUtr.lt

Es stürmt und dröhnt und rauscht und droht:Wollt Ihr den Tag der Ruhe morden,

So rüstet Ihr Euch selbst den Tod;

Denn heilig ist der Schweißestropfen,

Der von der Stirn des Armen fiel."Wild hört man's an die Wände klopfen,Herbei und öffnet das Ventil!

(ZeitschriftWahrheit.")

Miscellerr

(Kindermund.) Frau Thcrese, die junge hübsche Frau Doctorin, ist heute be-sonders rosiger Laune. Es sind ein paar gute Freunde zum Besuch da; man sitzt beiherrlichstem Frühlingswetter im Garten. Frau Therese ist von dem Dienstmädchen in'sHaus gerufen worden, hat eine sehr angenehme Nachricht erhalten, kommt zurück, undkann, bei ihrem Gatten vorbeigehend, nicht umhin, demselben im Ueberschwunge ihrerglücklichen Stimmung die Wange zu streicheln.Willi de Geld, Mama?" fragt daszweijährige Töchterchen, das die Liebkosung wahrgenommen.

(Professoren - Geschichte.) Professorin (mit ihrem Manne durch die Felderwandelnd):Nein, sie doch nur, lieber Mann, wie so gar kümmerlich und dürftig derFlachs dort steht." Professor:Nun, nun, liebe Elenore, ich denke, zu Kinder-hemden wird er wohl immer noch groß genug sein."

(Heikel.) Lehrer:Höre, Michel, sage mir aufrichtig, was hat Dich denn ver-anlaßt, Dein einträgliches Mauerhandwerk an den Nagel zu hängen und Landstreicher zuwerden? Michel:Ja wissen S', Herr Lehrer, :' hab' a mal a Haar im Mörtelg'funden und seit der Zeit graust'S ma vor der Arbeit!"

(Sonderbare Frage.) Amtsrichter:Bedenkt Euch wohl, eh' Ihr schwört,wenn Ihr falsch schwört, könnt Ihr vier Jahr Zuchthaus bekommen." Bauer:HerrAmtsrichter, mit Berlaub, was bekomm' ich denn aber, wenn ich recht schwöre,"

(W i eder reiten!) Selbst die gewiegtesten Kunstkenner irren zuweilen, besonderswenn es sich um das Erkennen jugendlicher, aufkeimender Talente handelt. Einen Beweisfür die Nichtigkeit dieses Satzes lieferte vor vielen Jahrei: bei einem Besuche Wiens und