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seiner Ateliers der verstorbene König Ludwig von Bayern, der große Kunstkenner undKunstfreund, der Schöpfer von Münchens künstlerischem Ruhm und Glänze. Lebte damalsin Wien ein junger unbekannter Maler, der eben erst den Säbel mit Pinsel und Maler-stock vertauscht hatte. Der junge Ex - Cürassir - Lieutenant — er ist, beiläufig bemerkt,jetzt einer unserer berühmtesten und bestbezahlten Maler — dachte nicht im entferntestenan die Ehre eines königlichen Besuches. Im Gegentheile, als dienstfertige Freunde, die ^ihm damit zu nützen glaubten, vom König Ludwig die Zusage erlangt hatten, auch dasbescheidene, in einem vierten Stocke gelegene Atelier des Anfängers zu besuchen, unddemselben diese Ehre ankündigten, war er in Verzweiflung über dieselbe; fand sich dochin diesem kahlen, ärmlichen Atelier nichts vor, was einen so hohen und kunstverständigenMann interessiren konnte, nichts als einige untermalte Porträts behäbiger Spießbürger,Gevatter Schneider und Handschuhmacher, und ihrer geputzten, mit Schmuck überladenenwohlbeleibten Ehehälften — Conterfeis, die der Künstler zu billigem Preise malte, umdas Leben zu fristen. Indessen, „geschehen war geschehen" — der hohe Besuch war nichtmehr zu vermeiden; der König kam, sah sich einen Moment lang in dem seltsamen Atelierum und sagte dann zu dem verlegenen Künstler mit seiner bekannten schnarrenden Stimmeund in seiner lakonischen und sarkastischen Weise: „Gedient?" — „Zu Befehl, Maje-stät!" — „Waffe?" — „Cürassier, Majestät!" — Da lächelte der König, klopfte demMaler herablassend und wohlwollend auf die Schulter und schnarrte: „Wieder reiten!wieder reiten!" Der Künstler hat glücklicherweise den Rath des Königs nicht befolgt,er ist nicht wieder geritten, und er sowohl als die Kunst sind gut dabei gefahren. Einerseiner Freunde aber, ein bekannter Musiker, hat die Geschichte in Form eines Canons inMusik gesetzt.
(Die neue Orthographie.) Schüler (in eine Buchhandlung tretend): „Ich >möchte gern Caesar's Loklum OuIIieum, Textausgabe von Teubncr." — Buchhändler:„Hier. Kostet ungebunden achtzig Pfennig." — Schüler: „Entschuldigen Sie, ist esauch die neue Ausgabe von 1880 mit der neuen Orthographie?"
Ein Kaufmann schrieb an seinen Korrespondenten einen Brief und wollte ihn ebenzusiegeln, als ihn der Schlag tödtlich rührte. Sein Diener schrieb darunter: „Als ichden Brief geschrieben hatte, starb ich!" — siegelte ihn zu und schickte ihn zur Post.
Ein verdienstvoller hoher Offizier hatte sich auf den schwarzen Adlerorden Rechnunggemacht, erhielt aber nur die höchste Klasse des rothen. Wehmüthig lächelnd legte erdenselben zu seinen andern Orden, und rief aus: „Da liege bis du schwarz wirst!"
(In den Hundstagen.) „Ist das 'ne Hitze — da möcht' man schon einenRock aus lauter Knopflöchern haben!"-
Berrchtt gung.
In meinem Gedichtecyklus zum Wittclsbacher Jubiläumsfeste in Nr. 4 „Getreu bis in denTod" möge der geehrte Leser folgendes verbessern:
1) In Nr. 3 (Arko) 5. Strophe ist statt:
„Denn als sie ritten, wo des Jnnes Fluchen rauschen rc."zu lesen:
Denn wo des Jnnes Wellen gleiten,
Die Martinswand anfraget hoch und hehr,
Sprach Arko: „Laßt mich, Fürst, zur Rechten reiten,
Von trüber Ahnung ist mein Herz heut schwer!"
2) In Nr. 4 (Obelisk) ist in dem ersten Verse der letzten Strophe statt „Plan" „Plane"und statt des in dem zweiten Verse dieser Strophe stehenden „In blutigen Schlachten" zu lesen §Jktvielen blutigen Schlachten" rc.
3) In Nr. 5 muß es in dritter Strophe statt „belohnte" „belehnte" heißen. Lek