Ausgabe 
(7.8.1880) 11
 
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Nr. 11.

1880.

zur

Ailgslmrger PostMmg."

Samstag, 7. August

Der Irrthum verhält sich gegen das Wahre, wie der Schlaf gegen das Wachen; ich hal>>.bemerkt, daß man aus dem Irren sich wie erquickt wieder zu dem Wahren hinwende.

Goethe.

Der Herr Zaron.

Novelle von Ludwig Habicht .

(Fortsetzung.)

V.

Unbekümmert um die finstern Drohungen der Italienerin bereitete Baron Bloom-Haus alles zur Hochzeit vor. Sie sollte das glänzendste Fest werden, das Paris inletzter Zeit gesehen und wahre Unsummen wurden dafür verschwendet.

Fräulein Combelaine war über das Auftreten ihres Bräutigams entzückt, das über-traf ihre kühnsten Erwartungen. Sie schwamm in einem Meere von Wonne, denn derBaron benahm sich wie ein Zauberer, der ihre leisesten Wünsche erfüllte, selbst wenn sienoch so toll und übermüthig waren. Keine ihrer Kolleginnen konnte sich rühmen, einenso gefügigen schwärmerischen Bräutigam zu haben. Für seine angebetete Desirse warihm nichts zu theuer und kostbar genug und sie kam sich wie eine Märchenprinzessin vor,der alles zu Gebote steht, was nur je ihr Herz begehrt.

Die Männer fanden das Auftreten des BaronS närrisch, die Damen entzückendund jede Schauspielerin wünschte nur, einen ähnlichen Anbeter erbeuten zu können.

Wirklich fand die Hochzeit des Barons mit all der verschwenderischen Pracht statt,die den Neid und die Bewunderung aller leichtlebigen Leute erregte. Es war nichtsgespart worden, um das Fest so blendend und großartig wie möglich zu machen. Unterden zahlreichen Gästen herrschte deshalb auch die lustige übermüthige Stimmung, dennes waren ohnehin nur Leute geladen worden, die das Vergnügen aus ihre Fahne schriebenund es verstanden, in lustiger Gesellschaft wirklich lustig zu sein.

Das Brautpaar ging in ungezwungener Heiterkeit den Gästen kühn voran. DerBaron liebte es, sich etwas gehen zu lassen und er überschritt dann gern die Grenzedes Erlaubten und seine Braut stimmte darin vollständig mit ihmüberein, nur war siedabei wirklich brillant und witzig, während der Baron sich mit Ausübung von allerhandTollheiten begnügen mußte.

Die Hochzeitsgäste bestanden meist aus Künstlem, leichtsinnigen Lebemännern, mitdenen der Baron vorwiegend verkehrte und so wäre ohnehin in das Fest ein freiererTon gekommen, auch wenn nicht der reichlich fließende Champagner die übermüthig«Stimmung noch erhöht hätte.

Erst in den Morgenstunden nahm das glänzende Hochzeitsfest, das endlich zürnwilden Bachanal ausgeartet, ein Ende.

Als der Baron am anderen Mittag mit schwerem Kopf erwachte, und eben sein