Frühstück einnehmen wollte, während seine Gemahlin noch ruhig weiter schlief, legte ihmsein Kammerdiener mit bestürzter Miene einen großen Brief vor. Mißmuthig öffneteer denselben. Das Schreiben enthielt eine Vorladung zum Gericht.
Ach, das ist langweilig! murmelte der Baron verdrießlich ohne die mindeste Aengst-lichkeit zu verrathen. Er sah nach seiner Uhr: Die festgesetzte Stunde ist zwar schonvorbei, aber vielleicht ist es nicht so ängstlich. Laß' den Kutscher anspannen. Er kleidetesich dann gemächlich an, gab seinem Kammerdiener die Weisung, er möge seiner Gemahlinsagen, daß er eine kleine Morgenspazierfahrt gemacht habe und bald zurückkehren werde,wenn sie nach ihm fragen solle und fuhr dann, zur großen Verwunderung seines treuenJean, gleichmüthig davon, als ob es sich um eine ganz unbedeutende Sache handle, unddoch ahnte Jean bereits, was für seinen Herrn aus dem Spiele stand, denn Enrichettahatte ihm, als sie an jenem Tage sogleich das Haus verließ, dunkle Andeutungen ge-macht und Drohungen fallen lassen, die verriethen, daß sie über das Haupt des Baronsein finsteres Unwetter heraufbeschwören wolle.
Mit derselben vornehmen Ruhe, die Baron Bloomhaus seinem Kammerdiener gezeigthatte, trat er jetzt auch vor den Untersuchungsrichter. Als ihm derselbe die Selbst-anklage der Italienerin vorlas und ein höfliches Bedauern nicht unterdrücken konnte, daßer den Herrn Baron mit dieser unerquicklichen Sache behelligen müsse, sagte Bloomhausmit feinem Lächeln: Mein Herr, Sie thun als Mann der Themis nur Ihre Pflicht undbei meinem ruhigen Gewissen und meiner Unschuld wird es mir sehr leicht werden, dieAnklage als das hinzustellen, was sie wirklich ist — eine elende, heimtückische Ver-leumdung und die Ausgeburt eines erhitzten Gehirns.
Wohl habe ich mir Aehnliches gedacht, erwiderte der Beamte, aber die Angabender Person lauten doch so bestimmt, daß ich wenigstens Ihre Vernehmung für noth-wendig hielt. -
Ich begreife das, entgegnete der Baron und er fuhr mit großer Sicherheit fort:das alberne Geschöpf hat sich eingebildet — warum? weiß ich freilich nicht, daß ich Sieheirathen würde, und da sie sich nun um ihre Hoffnungen betrogen sieht, erfrecht sie sichaus Rachsucht, gegen mich solch' wahrhaft lächerliche Dinge vorzubringen.
Sie bestreiten also, der Anstifter dieses Verbrechens zu sein?
Ah, mein Herr, wie können Sie glauben, daß ich eine solch' furchtbare Schuld aufmich laden würde? Ich habe meine erste Frau tief und aufrichtig geliebt und ihrenVerlust lange und schmerzlich genug betrauert. ^
Die Denunziantin behauptet freilich das Gegentheil und beruft sich auf zahlreicheZeugen, daß die Ehe zwischen Ihnen und Ihrer ersten Gemahlin sehr unglücklich ge-wesen sei.
Der Baron warf einen Blick tief gekränkter Unschuld zur Decke. Alle meine Leutewerden bekunden, wie zärtlich das Verhältniß war, das zwischen mir und meiner seligenFrau bestand und wenn meine Diener nicht als völlig glaubwürdige Zeugen gelten sollten,dann berufe ich mich auf Doktor Bernard, er weiß, wie schwärmerisch noch in der letztenZeit die Fürstin von mir gesprochen hat und er wird auch sagen können, wie grenzenlosder Schmerz und die Verzweiflung waren, die mich nach dem plötzlichen Verlust heim-suchten.
Sie haben also dem Mädchen das Gift nicht eingehändigt?
Ich meine, daß mich schon meine gesellschaftliche Stellung vor solchem Verdacht.schützen sollte, entgegnete der Baron mit moralischer Entrüstung.
Seien Sie überzeugt, Herr Baron, daß ich persönlich von Ihrer Unschuld über-zeugt bin, bemerkte der Richter, dem die Gereiztheit des Vorgeladenen nicht entging,.Md dick ich aber als Beamter vor Ihnen stehe und deshalb Fragen stellen muß, dieWie leider peinlich berühren.
^ . Verzeihen Sie meine Aufregung. Ich vergaß, daß es Ihr Amt ist, die Wahr»