Ausgabe 
(7.8.1880) 11
 
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heit zu erforschen, und ich kein Recht habe, mich über solch' unerhörte Anschuldigungenverletzt zu fühlen.

Der Richter nickte befriedigend mit dem Kopfe und fuhr in seiner höflichen, zuvor-kommenden Weise fort: Das Kammermädchen ihrer verstorbenen Gemahlin hat mit große«Entschiedenheit angegeben, daß Sie von Ihnen das Gift erhalten habe und Sie ihr die^ glänzendsten Versprechungen gemacht hätten.

Und doch ist die Behauptung Enrichetta's die frechste und unerhörteste Lüge, dieje vorgebracht worden! erklärte der Bar«y mit großer Entschiedenheit,i Der Richter hörte zwar auf diesen lebhaften Widerspruch, er fuhr aber dennoch

! mit gewohnter Ruhe fort: Die Italienerin hat auch einen Grund angegeben, warum

! Ihnen sehr viel an der schleunigen Beseitigung Ihrer Gemahlin liegen mußte, denn die

Fürstin hatte einen Brief erhalten, in dem sie vor Ihnen gewarnt wurde, denn Sieseien höchst wahrscheinlich nichts weiter als ein Abenteurer, es stehe wenigstens fest, daßin den Ostseeprovinzen nur ein einziger Baron Bloomhaus vorhanden gewesen, der späte«nach Italien gegangen und dort in Räuberhände gefallen sei.

Im ersten Augenblick vermochte der Baron seine Betroffenheit kaum zu verbergen,dann richtete er sich um so stolzer in die Höhe und er begann mit einem trüben schmerz-lichen Lächeln: Sie sehen mich bestürzt, denn es giebt Anschuldigungen von so nichts-würdiger unerhörter Art, daß man darüber verstummen möchte, und doch bleibt mirnichts Anderes übrig^ als dieses lächerliche Lügengewebe zu zerreißen, so viel Ueber-windung es mich auch kostet, mich überhaupt damit zu befassen.

Diese Geschichte würde eigentlich nicht hierher gehören und mich wenig angehen,

> erklärte der Gcrichtsbeamte, wie zu seiner eigenen Entschuldigung, aber ich muß sie er-

^ örtern, weil sie im Zusammenhange mit dem vorliegenden Verbrechen steht. Voraus-

gesetzt der Brief enthielte nur einen Schatten von Wahrheit, dann würde er freilich denBeweggrund erklären, warum die Fürstin zu beseitigen war und damit die Angaben desKammermädchens unterstützen. Der Beamte blickte dabei so freundlich und unbefangenauf den Baron, als habe er für den vornehmen Herrn durchaus nichts Verletzendes vor-gebracht.

Der Baron war mit großer Aufmerksamkeit den Auseinandersetzungen des Richtersgefolgt; er sann einen Augenblick nach, dann rief er aus, als komme ihm plötzlich einrettender Einfall: Wenn meine Gemahlin an Gift gestorben ist, dann muß es sich inder Leiche vorfinden und die Gerichtsärzte werden dies feststellen. Lassen Sie die Aermsteansgraben und nach dem vermeintlichen Gift forschen und die elende Verleumdung En-richetta's wird sich schon mit voller Sicherheit herausstellen. Meine Frau ist, so wahrich ein Edelmann bin, nimmermehr an Gift, sondern eines ganz natürlichen Todes ge-storben und die Italienerin hat sich nur in thörichter Verblendung als Mörderin bezichtigt,um zugleich ihre Rachegelüste gegen mich befriedigen zu können. Er sagte alles miterhobener Stimme und aus seinem ganzen Wesen sprach die völlige Sicherheit einesruhigen Gewissens.

Auf den Richter blieb dies stolze, selbstbewußte Auftreten nicht ohne Eindruck under entgegnete nach kurzem Nachdenken: Nun gut. Ich werde das Nöthige veranlassen^ und bis dahin mag die gegen Sie eingeleitete Untersuchung ruhen, wenn Sie mir die

nöthige Sicherheit bieten, daß Sie bis zum Austrag der Sache Paris nicht verlassen.

Und was verlangen Sie?

Die Stellung einer Kaution.

Sollte mein Ehrenwort nicht genügen?

Ich darf als Beamter nicht von den gesetzlichen Vorschriften abweichen.

Und welche Summe fordern Sie? fragte der Baron.

- - Hunderttausend Francs .

Ohne Weiteres zog der Baron seine Brieftasche hervor und legte die verlangte