Summe auf den Tisch. Unser Geschäft ist also damit vorläufig erledigt? fragte er vonNeuem mit vornehmem Lächeln.
Der Gerichtsbeamte verbeugte sich und der Baron verließ nach höflichem Gruß instolzer siegesgewisser Haltung das Zimmer.
VI.
In seinem ersten Schmerz hatte der Baron die Absicht gehabt seiner verstorbenenGemahlin ein großartiges Denkmal zu setzen, und er war bereits mit einem berühmtenBildhauer in Verbindung getreten, der ihm zunächst den betreffenden Entwurf liefernsollte. Aber dein Baron hatten all' die vorgelegten Zeichnungen nicht genügt; immerhatte er daran etwas auszusetzen gewußt, und so war die Sache sehr in die Längegezogen worden. Der stolze Bildhauer hatte endlich den Auftrag ganz und gar ab-gelehnt, weil er verdrießlich geworden. Mit einem zweiten Künstler konnte sich derBaron ebenfalls nicht rasch genug verständigen und inzwischen hatte der wilde, leiden-schaftliche Schinerz des trauernden Wittwers schon einen Dämpfer erfahren und späterwar ihm über seiner neuen Liebe zu Desiröe die Denkmalsangelegenheit völlig in Ver-gessenheit gerathen, so daß sich das Grab der Fürstin noch immer ohne allen Schmuckbefand. Nur eine kleine Marmortafel, die damals als interimistischer Grabstein dienensollte, bezeichnete die Stelle, wo die Fürstin die letzte Ruhestätte gefunden hatte.
Jetzt mußte zu dem traurigen Schritt der Ausgrabung geschritten werden. DieGcrichtSärzte erhielten die bereits stark in Verwesung übergegangene Leiche zur Sektionund nach der genauesten und sorgfältigsten Untersuchung, gaben die Aerzte ihr Gutachtendahin ab, daß in dem Leichnam auch nicht ein Atom von Gift zu finden sei. — DieAngaben des Barons stellten sich damit als völlige Wahrheit heraus, daß die Italienerinnur aus thörichter Verblendung sich selbst und ihren früheren Herrn angeklagt habe.
Ueber die Echtheit des Baron Bloomhaus nähere Forschungen anzustellen, hattendie französischen Gerichte weiter keine Ursache, denn unter dem Strom von Fremden,der jährlich die französische Hauptstadt heimsucht, befinden sich immer Elemente vonzweifelhafter Beschaffenheit und sobald die fremden Grafen und Barone nicht geradezuauf den Wegen des Verbrechens betroffen werden, läßt man ihnen gern das Vergnügen,in Paris als hohe Aristokraten aufzutreten. Die Anklage der Italienerin zerfiel damitin nichts; sie wurde trotz ihres eigenen Widerstandes auf freien Fuß gesetzt, und ihreVetheuerungen, daß sie dennoch auf Anstiften des Barons das Verbrechen begangenhabe, fanden keinen Glauben.
Enrichetta war außer sich darüber. Ihre Seele lechzte nach Vergeltung, sie wolltegern den Tod erleiden, wenn sie nur den schändlichen, treulosen Menschen mit ins Ver-derben zog. Nun hatte sie dennoch ihr Ziel nicht erreicht! Wie war es nur möglichgewesen, daß man in dem Körper der Fürstin daß Gift nicht mehr gefunden? — Undwarum genügte es nicht, daß sie sich selber des Mordes beschuldigte, warum traute manden Worten des Barons mehr, als ihren feurigsten Schwüren? Vielleicht hatte derSchändliche die Richter und Aerzte bestochen? Mit seinem großen Vermögen war ihmja Alles möglich;
Das rachsüchtige Herz der Italienerin kam nicht mehr zur Ruhe. Obwohl sie sichin Paris gar nicht glücklich fühlte und sich in ihre Heimath zurücksehnte, war es ihrunmöglich, sich von der französischen Hauptstadt zu trennen. Sie fühlte sich an diesenOrt wie gebunden, ja sie miethete ganz in der Nähe des Verhaßten ein kleines Stübchen,um das Leben und Treiben des Barons genau zu beobachten, obwohl sie sich täglichdamit die furchtbarsten Qualen verschaffte. Sie konnte von ihrem Zimmer aus ganzgut sehen, wenn Baron Bloomhaus mit ihrer glücklichen Nebenbuhlerin ausfuhr, wiezärtlich und aufmerksam er dabei die Komödiantin behandelte, die einen wahrhaft fürst-lichen Luxus entfaltete. Wie funkelte der Diamantschmuck an dem Halse des eitlenleichtsinnigen Geschöpfes! Enrichetta sah das alles mit Wuth und Neid und die quä-