lenden Gedanken bohrten sich in ihre Seele eint Das alles müßtest Du haben! Du hastcs Dir verdient und er hat es Dir versprochen und ohne Deine Hilfe märe er zumelenden Abenteurer herabgesunken. — Trotzdem Enrichetta sich immer wieder neueQualen holte, war sie doch ängstlich bemüht, genau zu erforschen, wie es jetzt in demPalais des Barons zuging. Ach und sie hörte nichts weiter, als daß der gnädige Herrseine Gemahlin förmlich auf Händen trug, sie noch imme,r vergötterte und bemüht war,ihr jeden Wunsch zu erfüllen. — Und sie hatte wenigstens gehofft, daß der Rausch desLeichtfertigen ebenfalls wieder rasch verfliegen werde.
Je mehr die Italienerin sah, wie glücklich sich der Baron im Besitz seiner neue»Gemahlin fühlte, je tiefer grub sich der bitterste Groll gegen den Wortbrüchigen in ihr
Herz Sie mußte ihn dennoch vernichten,-um jeden Preis vernichten, — — das
schwur sie sich hoch und theuer, ihr ganzes Sinnen und Trachten ging darauf hin, sichan dem elenden Verräther zu rächen, der sie so lange mit seinen Liebesbetheuerungenund Versprechungen bethört und beschwatzt, bis sie eingewillt, das schändliche Verbreche»zu begehen. Jetzt erst empfand sie darüber die tiefste Reue und nun hatte sie das vollsteBewußtsein von der Schändlichkeit ihres Thuns. Wie hatte sie es nur über sich ver-mocht, ihre theure Herrin zu vergiften, die ihr stets nur Gutes erwiesen und von dersie mit Beweisen des grenzenlosesten Vertrauens, ja aufrichtigster Zärtlichkeit überhäuftworden. Aber der Baron hatte es verstanden, ihr Gewissen einzuschläfern. — Wie zärt-lich, wie schwärmerisch war er zu ihr gewesen, welch' verlockende Zukunfsbilder hatte ervor ihr zu entfalten gewußt und endlich war es ihm gelungen, ihr Herz völlig zu be-thören. Sie hatte ihn geliebt, tief und leidenschaftlich, blind und in ihrer Liebe warsie zuletzt sein williges Werkzeug geworden. — Und nun diese furchtbare Täuschung! —Anstatt sie zur Baronin zu machen, wie er ihr gelobt, führte er diese elende Komödiantinals Gattin heim. Es war zu schändlich! — sie mußte suchen ihn von seiner Höheherabzustürzen.
Tausend Pläne wirbelten durch den Kopf der Italienerin. Zuweilen kam ihr derGedanke, bei einer Ausfahrt dem glücklichen Paare aufzulauern und der Schauspielerindurch einen Dolchstoß ein rasches Ende zu machen. Aber traf sie damit wirklich denVerräther in's Herz? Der Elende tröstete sich gewiß ebenso leicht wieder über den Verlust.Solche Geschöpfe wie diese Combelaine, gab es ja noch in Menge. — Und wenn sieihn selber erdolchte, hatte sie sich damit gerächt? — Sie wollte ihm nicht ein rasche-Vnde bereiten, er sollte erst Schmach und Elend kennen lernen, das traf ihn sicher weitempfindlicher und härter als ein Dolchstoß.
Einige Tage war Enrichetta durch Krankheit an das Zimmer gefesselt und als siewieder im Palais ihre Spionirversuche anstellen wollte, hörte sie zu ihrer Ueberraschung,daß der Baron mit seiner Gemahlin plötzlich abgereist sei. Nach Deutschland , sagtendie zurückgelassenen Leute. Näher wußten sie das Reiseziel des gnädigen Herrn nichtanzugeben.
Warum hatte Bloomhaus plötzlich Paris verlassen? Fühlte er sich dennoch nichtsicher, oder war ihm mitgetheilt worden, daß sie ihm beständig auflauere und jeden seinerSchritte beobachte? — Enrichetta grübelte darüber vergeblich nach. Nun war er auSihrem Bereich entschwunden und vor ihrem Racheanfall sicher. Ach warum hatte sie nichteher gehandelt und einfach an dem Verräther Vergeltung geübt!? — Sie bereute ihrefeige Schwäche und war anfangs von der Nachricht seiner Flucht wie vernichtet. Aberdann raffte sie sich auf. Sie mußte ihn verfolgen und finden und wenn sie bis an dasEnde der Welt wandern sollte.
Als Enrichetta noch vor dem Palais in höchster Anfregung auf- und abging,darüber brütend, wie sie den Aufenthalt des Barons ermitteln könne, erschien ein ein-fach gekleideter Mensch mit purpurrothem Gesicht, der unsicher auf die Eingangspfortezuschwankte und dann sehr heftig an der Klingel riß.
Was wollen Sie? rief der Portier zu seinem Guckfenster heraus.