Ausgabe 
(7.8.1880) 11
 
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wunderbarer ist der Eindruck, wenn der mit dem Purpur bekleidete arme Teufel vonBildschnitzer diese stattlichen Sätze mit wahrhaft fürstlichem Aplomb vorbringt, wie dieLeistungen der Passionsspieler es überhaupt ohne Ausnahme sind, von jeder schau-spielerischen Coquetterie himmelweit entfernt ist. Der bayerisch-tirolische Dialekt, der beijedem der Darsteller mehr oder weniger zu Tage tritt, stört durchaus nicht, selbst wennJosef von Arimathäa bei der Kreuzabnahme begeistert ausruft:O du siße, heilige >Birde, komm' auf meine Schultern!" Viel störender wäre es, wenn die Dorfschauspielerein Hochdeutsch anstreben würden, das sicherlich nicht gut ausfallen könnte. Auch Ncndlspricht mit starkem Accent. Das hohe a und das tiefe ö sind für ihn fernabliegendeHerrlichkeiten, für deren Mangel er aber durch seinen eminenten dramatischen Instinktreichlichen Ersatz bietet.

Es war ein trauliches Stündchen in seinem Stübchen, als wir einmal miteinanderfeine Rolle durchnahmen. Mir war aufgefallen, daß er auf die berühmte Stelle:Wasist Wahrheit?" keinerlei Nachdruck legte, und ich erfuhr auf meine Frage gar bald,daß der arme Kerl, wie es ja natürlich ist, von der philosophischen und weltmännischenBedeutung dieser Stelle keine Ahnung hatte, daher er denn, ohne die Geberde zu ändern,bei den drei Worten Christus einfach fragend ansah. Ich mußte mich nun bequemen,ihm den Sinn der Worte von seinem Standpunkte aus rräherzurücken; das war keinekleine Aufgabe, denn ich mußte allen verdammten Humbug derBildung" beiseite lassenund einfach natürlich reden, was uns Städtlern erschrecklich sauer wird. Ich schlug ihmvor, den Nazarener, der von der Wahrheit spricht, verwundert anzusehen und dann, dieArme kreuzend, für einige Augenblicke sinnend in sich zu versinken und dabei, mehr fürsich, die drei Worte zu sagen, mit besondern: Nachdruck auf Wahrheit. So rieth ichihm auch, bei demSo nehmet ihn hin und kreuziget ihn!", das er vor dem letztenAbgehen zu sagen hat, nach demund" eine Pause zu machen und dasKreuziget ihn!"erst in der Bewegung des Abgehens zu sagen, wie Jemand, der sich gegen sein Gewissensein Wort abdringen läßt. Selten hat wohl das Lächerliche so nahe bei dem Erhabenengestanden als in dem Augenblicke, wo Rendl beim Probiren dieser Stelle in Flanellhemdund Jacke mit famosem Nachdruck die verhängnißvollen Worte sprach und dann mitschöner Wendung majestätisch gegen seinen grünen Kachelofen abmarschirte.

Vergessen sie ja nicht, den Pilatus in seinem Häuschen zu besuchen, wenn Sienach dem Passionsdorf reisen! Lassen Sie sich von ihm zeigen, wie er den Stab her-richtet, den er über Christus bricht, und plaudern Sie ein Stündchen mit ihm. Wenndann der seelengute, redliche, höchst bescheidene Mann nicht ihr Freund wird, so liegtdie Schuld an Ihnen und nicht an ihm. (Deutsche Ztg.)

Miseelleir.

(Warum die Frage?) Untersuchungsrichter:Woraus schließt Ihr denn, daßder Mayer zu viel getrunken hatte, als er den Fischer packte?" Zeuge:Er hat

eben en Rausch g'hobt!"-Untersuchungsrichter:Woher wißt Ihr das?" Wie

benahm er sich denn?" Zeuge:Ha, Ihr wißt ja selber, Herr Untersuchungsrichter,wie's ist» wenn Einer einen Rausch hat." >

Beieinemjungen Ehepaar wurde eine Pfändung vollzogen und unter Thränenließ es die junge Gattin geschehen.Daß unsere Ehe so kurz sein sollte!" rief sietraurig aus.Unsere Ehe so kurz wie so denn?"Erst eine Woche verheirathet und wir müßen uns doch schon von Tisch und Bett trennen!"

Auslösung des Spaßrebus in Nr. 10:Florenz ."

Für die Redaktion verantwortlich: Alphons Planer in Augsburg . Druck und Verlag desLiterarischen Instituts von Dr. M. Huttlcr.