Ausgabe 
(25.8.1880) 16
 
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Die Tiroler schaden sich viel mit dem Gerede von der übertriebenen Sommerhitzedes Etschlandes. Es kommt davon her, daß ein großer Theil seiner Bewohner anenergische Berglust gewöhnt ist und es demnach zu schwül findet, wenn er an einen Ortkommt, dessen Mittel im Juni 21.4 Celsius (Nizza 20.5), im Juli 23.1 (Nizza 22.2),im August 22.2 (Nizza 24.3) beträgt. Es ist in Folge dessen vorgekommen, daß Reisendeselbst vor einer flüchtigen Berührung Bozens oder Merans zurückscheuten. Zur näm-lichen Zeit aber ist es oben in Nazes, Seis, Völs, Oberbozen so kühl wie im Salz-kammergut , die Nächte sind voll erfrischenden Hauches, und der Süden spendet zu dieserErquickung noch obendrein seinen regenarmen Himmel. Zudem fehlt es nicht an Solchen,welche den Sommer sogar in der Hitze des Tieflandes wundervoll finden es istwenigstens ein echtwerthiger, wirklicher, ausgewachsener Sommer, nicht jene Parapluie-Verkäufern heilige Zeit nordischer Wallfahrtsorte.

Den goldenen Herbst dieses fruchtreichen Landes, dem noch Mitte des Novemberso manche Rose entgegenglänzt, willl ich nicht schildern, weil das Andere besser gethanhaben. Ich will den Zahlen ihr Schlußwort gönnen: Bozen September 18.4 Celsius(Montreux 16.4, Comersee 17.9, Nizza 20.6); Oktober 12.8 (Montreux 10.6,Comersee 14.2).

Das ist die Wahrheit vom Klima dieses Alpenlandes. Es ist das schönste Besitz-thum Oesterreichs , und der Germane findet unter den Burgtrümmern und Feigenbäumenhier seine Provence. Denn einst klang es hier unter dem sonnigen Himmel allerortenvon Minnelied und Fröhlichkeit. Warum ist es anders geworden? Das ist einanderesKapitel." Nicht das Klima ist es, das sich in der Heimath Walther's von der Vogel-wZde verändert hat, > N,

Miseellerr.

(Mögliches aus Ammergau .) Was der Huberbauer seinem Nachbar' vonder Oberammergauer Reise erzählt hat, können wir unsern Lesern nicht verschweigen:Bin ganz gut aber etwas durchnäßt am Freitag in Ammergau angekommen. Herodes war so freundlich mir einen Rock zu leihen, während der meinige zum Trocknen aufge-hängt war. Die Kinder des Herodes führten mich zum Pilatus, wo ich eine sehr an-genehme Wohnung bekam. In der Nacht hat es mich sehr stark gefroren, die Schwägerindes Pilatus, die Maria Magdalena » verschaffte mir einen guten Shawl. Als ich gleichnach dem Frühstücke einen Rundgang im Dorfe machte, lernte ich Jesum Christum kennen.Bei Joseph von Arimathäa mußte ich mir eine Kleinigkeit kaufen. Da lernte ich denlinken Schacher, einen sehr charmanten Mann kennen, der mich dem Hohenpriester Kaiphas vorstellte, welcher mich gleich zum Essen einlud. Habe mich dabei sehr gut unterhalten.Rechts neben mir saß Maria, links der Apostel Petrus . Die Vorstellung hatte groß-artigen Eindruck auf mich gemacht. Leider ist ein Theil durch Platzregen gestört worden.Judas war so gütig mir ein Regendach zu leihen. Nach der Vorstellung habe ich mitdem Hohenpriester Annas, dem rechten Schächer und einem Kriegsknecht einen Tarockgemacht. Mein Herbergsvater Pontius Pilatus gab mir seine Photographie; mit Petrus habe ich Bruderschaft getrunken» ' (Salzb. Chr.)

(Chinesische Aerzte.) In der Unterredung eines englischen Arztes mit demKaiser von China fragte dieser, wie man in England die Aerzte bezahle. Als der Arztihm den englischen Gebrauch erzählt hatte, sagte der Kaiser scherzhaft:Es ist unmöglich,daß man sich in England wohlbefinde. Ich halte es mit meinen Aerzten anders. IchHabe deren vier, und bezahle ihnen wöchentlich ein anständiges Gehalt. Werde ich krank,ifo hört die Bezahlung so lange auf, bis ich wieder gesund bin. Ich brauche nicht zu^agen, daß meine Krankheiten immer nur von kurzer Dauer find."

^llr. die Redaktion verantwortlich: Alphons Planer in Augsburg . Druck und Verlag des

f ^ Literarischen Instituts von Dr. M. Huttlcr.