Ausgabe 
(27.10.1880) 34
 
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einer bedeutenden überseeischen Forderung gemeldet. Gebeugt schwer athmend saß deralte Herr in seinem Lehnstuhl. Auch für ihn mußte, wenn der düstere Horizont sich nichtbald aufhellte, der Todesstoß des reellen Kaufmannes die Insolvenz in kürzesterFrist da sein. Und Rettung sah er nirgends; das einzige Mittel, welches ihm Hülfebringen konnte, durste er «icht ergreifen, denn es wäre ja identisch gewesen mit derVernichtung des Lebensglücks seines Sohnes, seines einzigen Kindes. ^

Engenicn'S Vater hatte mit ihm viel verloren, doch lagen die Verhältnisse drüben !anders, als hier. Der Generalconsul wußte, daß Herr Delahaye allein im Standewar, ihn in dieser schweren Zeit zu halten; diese umfassende Hülfe war nur dann selbst-verständlich und außer Zweifel, wenn William und Eugenik ein Paar wurden. DieserFall, von den beiden Vütern schon im Voraus in's Auge gefaßt, sollte des jungen ConsulS !Uebersiedelung nach Amerika und die Uebernahme des Delahaye'schen Geschäftshauses !dort zur Folge haben, da William' als dessen Erbe bestimmt war und dann in den Besitzeiner der reichsten und bedeutendsten Firmen Südamerika's kam.

(Fortsetzung folgt.) >

Daö Schulwesen in Bayern zur sogenannten guten, alten Zeit.

Eine kulturhistorische Studie nach einer alten Chronik von Dr. xkil Franz Beda Stubenvoll.

(Schluß.)

Die Alumnen, welche des Aufwartens (Ministrantendienst) wegen einige Bestallunghaben, sollen in der Schule, Kirche und auf der Gasse ein gutes Exempel geben; ihreMusik und Nesponsoria fleißig lernen, und je Einer bei der Provisur mit auf's Land '

gehen, in der Stadt aber alle zusammen und dort auferbaulich vor dein Krankenhause i

absingen. Auch sollen sie wöchentlich zweimal den Schulherren frische Ruthen einliefern.

Zur Christenlehre sollen die Schullehrcr ihre Kinder paarweise zur Kirche führen; welcheKinder ausbleiben, müssen jedesmal einen Groschen Strafe zahlen.

Die Lehrer wurden größtentheils alle Jahre wieder frischgedingt" oder entlassen;manchmal auch nur ein Viertel- oder Halbjahr zur Probe angenommen. So sagt ein.Stadtordnungsbuch vom Jahre 1581:Dieweilen Von einem erbahren rat Und burger-schafft Und ihren vorclteren fast alle geistlichen stüfftungen herkhommen Und kürchen Undschueldiener Underhalten Werden; so haben sie auch daß recht, bemeldte bedienste auff >Und Anzuwerben oder zne entlassen." . .

Die Schulrektoren waren meist graduirte Magister. 1554 hatte ein Schulrcltor !70 fl., 1574 der unterste Lehrer 52 fl. Jahresbesoldung, an Holz und Streu 2 fl., i

davon er seine und des Kantors Schule heizen solle u. s. f. Anno 1586 heißt es !

in unsrer Chronik über die Verrichtung eines neuen Lehrers für die unterste Klasse:

so lange man täglich das frühambt bey der kürchen hält, soll er die Hauptstuck christ-licher lehr durchnemben; ant michatag gehen die drey olaaso« in die predig, da wechselt

er wöchentlich mit dem Onntor ab, ebenso an der freytagspredig in der fasten, sowie ^

undcr dene suntagsprcdigen im winter. am sambstag, suntag Und pfinsttag solle er dcnevespsris anwohnen; auch möge er da die jezige teutsche schuel eingehn, dene khinder, so !es begehren, teutsch lernen." - tz,

Die sogenanntenarmen Schüler" erhielten sich in vielen Gegenden bis in unser IJahrhundert herein wenigstens dem Namen nach. Anfangs waren sie Diener der Kirche, >indem sie als Ministranten, als Singknaben, Laternen-, Kreuz- und Fahnenträger fun- !giren'mußten, wofür sie ein kleines Jahrgeld, bei Leichenbegängnissen Bier und Brod, ^

bei Hochzeiten Trinkgelder erhielten. In der Charwoche führten sie die ganze Schul- ^

fugend durch die Stadt mitRatschen und Hampeln", um unter Gelärm und Geschreidas erste und zweite Zeichen zum Gottesdienste zu geben. Unter Tags besorgten sie in ^

derselben Woche das Äufzündcn der farbigen Kugeln am sogenannten hl. Grabe und !

fangen hie und da ein Klagelied dabei; dafür sammelten sie sich alsWächter des heil.