In schwarze Spitzen gehüllt, welche das schöne Gesicht mit den glänzenden dunkelnAugen noch weit schöner scheinen üeßen, lag Eugcnie graciös in einem Schaukelstuhl.Sie erröthete, als William's Augen fragend auf sie gerichtet waren.
„Mein Vater wird Ihnen die Antwort geben, welche ich Ihnen versprochen habe",sagte sie, etwas verlegen den Blick senkend.
Herr Delahaye reichte William die Hand, und mit sichtlich bewegter Stimme sagteer in reinem, nur wenig den fremden Accent verrathen lassenden Deutsch :
„Mein Kind hat mir Ihre offene, ehrliche Handlungsweise erzählt, mein lieberFreund, und ich bedauere, daß es so ist, wie es ist, nun ich Sie kenne, um so mehr,beklage tief, daß mein langgehegter Wunsch, der zugleich auch derjenige Ihrer liebenEltern ist, nicht in Erfüllung gehen kann. Allein unsere geschäftlichen Beziehungensollen dadurch nicht gelockert werden. Eugcnie hat mir ihren Entschluß mitgetheilt; siewird die Verbindung mit Ihnen eingehen, lieber Walter, doch nur in geschäftlicher Hinsicht;das bedeutende Erbtheil ihrer seligen Mutter steht ihr zur sofortigen freien Verfügung,und mit diesem in der Hand bittet sie um die Ehre, Ihr stiller Compagnon werden zudürfen."
„Aber, Herr Delahaye", stammelte William fast bestürzt, „Sie kennen, wie eSscheint, unsere wahre Lage nicht, die bedenklicher ist, als sie wohl annehmen mögen!"
„Ich weiß, wie es augenblicklich in der commerciellcn Welt hier aussieht, ziemlichgenau", erwiderte Eugenie's Vater; „doch ich bin auch überzeugt, daß das Capital,welches Ihr Compagnon dem alten reellen Geschäft zubringt, genügen wird, dasselbeVollkommen sturmfrei zu halten."
William war auf Eugenie zugetreten, und ihre Hand warm drückend, sagte er vollInnigkeit:
„Wie wenig habe ich Ihren Edelmuth verdient, Eugenie, und wie tief beschämtmich Ihre Großmuth!"
Ein Blick warmer, seelenvoller Liebe aus den Augen der schönen Creolin traf ihn,und er fühlte, daß er sich in ihr geirrt, daß sie doch ein liebendes Weib sein konnte,wenn er es nur der Mühe werth gehalten hätte, ihre Liebe sich zu gewinnen; doch nunwar das ja zu spät, denn leise — nur ihm vernehmbar — sagte sie:
„Werden Sie glücklich mit der, die Sie lieben!"
William glaubte zu träumen; war denn dies sanfte, so edeldenkende und handelndedasselbe eigensinnig-übermüthige Ding, das früher nur herben Spott für ihn gehabt?— Jetzt, wo er sie verschmähen mußte, sah er erst ein, daß doch ein edler Kern in ihrgeschlummert, der eben nur geweckt sein wollte.
Williams Eltern nahmen die Botschaft freudig auf, denn nun konnten sie wiederruhig und sorgenlos in die Zukunft blicken. Sie trösteten sich darüber, daß Eugenienicht ihre Tochter wurde, denn sie verstand es, ihnen klar zu machen, daß sie nicht indas nüchtern-kalte, nordische Klima und Leben hineinpasse, daß sie sich zurücksehne nachihrer sonnigen, südlichen Heimath, es also» so am besten sei, da William nicht seine Elternund sein Vaterland verlassen könne, um ihr zu folgen.
Die kurze Zeit, welche Eugenie mit ihrem Vater noch im Walter'schen Hause blieb,hatte ein herzliches, freundschaftliches Verhältniß zwischen ihr und William hergestellt.Mit Bedauern sahen Alle das schöne Mädchen scheiden, und als beim Abschied ein Zugleidenschaftlichen Schmerzes auf dem lieblichen Gesicht der schönen Creolin lag, da erstahnte William, daß er innig geliebt worden, wo er verschmäht hatte,
(Schluß folgt.)