verhalt an den Tag komme; bis dahin kann ich Dir Nichts sein als — wenn Du willst
— eine Freundin, eine Bekannte, die sich für zu gut hält, um sich auch nur den Anscheinzu geben, als wolle sie Dich und Deinen reinen Namen als Schild und Schirm fürihren befleckten benutzen."
Wie sehr auch William sich bemühte, diesen Entschluß Hildegard's wankend zumachen, gelang eS ihm nicht. Sie fand außerdem eine Stütze in ihrem ehrenhaftenVater sowohl wie in dessen Freund und Collegen Krelle. Ja, als die „Frau Consulin"durch William von Hildegard's Entscheidung Kunde erhielt, da klärte sich ihr strengesGesicht auf und sie sagte:
»Jetzt glaube ich auch an ihren ehrenwerthen Charakter und jetzt bin ich selbstfester von ihrer Unschuld überzeugt, als mich ihre Freisprechung hätte überzeugen können.Das Mädchen hat Recht und handelt brav!"
Auch William mußte, wenn schon widerstrebend, die Nichtigkeit von Hildegarv'sEntschließung anerkennen. Von diesem Augenblick an kannte er nur einen Zweck, einZiel, dessen Erreichung ihm über allen anderen Lebenszwecken stand; er mußte die Dieb-stahls- oder Verschwindungsgeschichte des „Murillo" aufklären.
Doch wie? — das war die große Frage.
In den Schwurgerichtsverhandlungen war davon die Rede gewesen, daß ein Eng-länder auf den Besitz des Bildes erpicht gewesen und erklärt habe, er werde für dasselbejeden Preis zahlen. Es war schon öfter vorgekommen — unter Andern: in Spanien
— daß Kunstschätze von hohem Werth aus ähnlicher Veranlassung abhanden gekommen
waren. Sollte jener Engländer, von dem man ja nicht wußte, wer er war, zu unlauterenMitteln seine Zuflucht genommen haben, um seinen Zweck zu erreichen? — Zu direktenMitteln dieser Art wohl kaum; allein es war keineswegs ausgeschlossen, daß er am Endeindirect seinen Zweck erreicht haben mochte. Es konnte ja einer der subalternen An-gestellten der Galerie von den: Wunsche und dem Erbieten des Engländers Kenntniß er-langt und beschlossen haben, auf eigene Faust das „Geschäft" zu machen.
Dieser möglichen Spur zu folgen, mit aller Energie und mit allen ihm zu Gebotestehenden Mitteln, nahm William Walter sich vor, und der Zufall begünstigte bald daraufseine Bemühungen.
Eines Tages befand er sich an Bord eines im Hafen liegenden, nach Nordamerika bestimmten Dampfers, der Sourhampton anlaufen sollte. Er hatte mit den: Capitänwegen einer ansehnlichen, von der Firma „W. Walter L Sohn" verschifften Fracht nochEiniges zu besprechen und befand sich mit diesem in der „Rauch-Cabine" des großenSteamcrs. Ihre Geschäfte waren abgemacht, und die beiden befreundeten Herren saßennoch bei Kaffee, und Cigarre plaudernd zusammen, als ein soeben an Bord gekommenerPassagier, ein Mann von etwa vierzig Jahren, eintrat, den der Capitän gleich einemalten Bekannten begrüßte und dem Viceconsul als Mr. Leveson aus Sheffield vorstellte.
„Nun, Mr. Leveson", sagte der Capitän, endlich fahren Sie nun doch mit; sindlange hier in Hamburg gewesen."
„Ja, Capital:", entgegnete der Engländer, „ich war nahezu ein halbes Jahr hierund hatte mir vorgenommen, nicht eher abzureisen, als bis ich meinen Zweck erreichthätte — und den habe ich endlich erreicht."
„Nun, das freut mich, Sir. — Darf man wissen, worin dieser Zweck bestand?"
„O ja. Ich hatte ein Bild hier gesehen und wollte es kaufen, weil es mir ganzaußerordentlich gefiel; man sagte mir aber, es sei nicht verkäuflich und wies alle meineAnerbietungen beharrlich Zurück. Ich hachte, daß ich mit Geld doch endlich reussirenmüsse, und beschloß ruhig zu warten. Vor drei Tagen kommt ein Mensch nach meinemHotel und bringt mir das wohlverpackte Bild mit den: Auftrag des Eigcnthümcrs, daßich es für den zuletzt von mir offerirten Preis haben könne. Ich solle dem Ueberbringerden Betrag gegen dessen Quittung behändigen. Ich überzeugte mich, daß es das richtige