Ausgabe 
(6.11.1880) 37
 
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nter^aktungsökatt

zur

Nr. 37.

Angsburger pojheitimg.

Samstag, 6. November

Der kluge Mann schweift nicht nach dem Fernen,Um Nahes zu finden,

Und seine Hand greift nicht nach den Sternen,Uni Licht anzuzünden.

1880.

Mirza Schassy.

Aus der Jugendzeit Napoleon I.

erzählt Guy von Maupassand imGaulois" folgende nicht veröffentlichte spannende Episode:

Drei Tage vor seinem Tode fügte Napoleon seinem Testamente ein Kodizill mit denfolgenden Bestimmungen hinzu:Ich vermache 20,000 Fr. dem Manne aus Bocognano,der mich einst aus den Händen der Mörder, welche mir nach dem Leben trachteten, be-freite; 10,000 Fr. Herrn Vissavona, dem einzigen Mitgliede dieser Familie, welches zumeiner Partei gehört hat; 100,000 Fr. Herrn Jerome Levy; 100,000 Fr. Herrn CostanusBastelica; 20,000 Fr. dem Abbä Neccho." In den letzten Stunden seines Lebenswaren Erinnerungen aus früher Jugend im Geiste des sterbenden Kaisers aufgetaucht,welche nach vielen Jahren der gewaltigsten Erlebnisse und wunderlichsten Abenteuer nocheinen so lebhaften Eindruck in ihm hinterlassen hatten, um ihn zu jenen letztwilligenVerfügungsn zu bestimmen. Diese Visionen aus ferner Vergangenheit veranlaßten Na-poleon zu dem vorstehenden Vermächtniß zu Gunsten des Retters, dessen Name selbstseinem geschwächten Gedächtnisse entfallen war und der Freunde, die ihm im Augenblicksder Gefahr zu Hilfe gekommen waren.

Ludwig XVI . war eben gestorben. Die Insel Corsika wurde damals von demGeneral Paoli, einem begeisterten, wild energischen Royalisten regiert, der die Revolutionhaßte, während Napoleon Bonaparte , damals als junger Artillerieoffizier auf Urlaub inAjaccio , seinen und seiner Familie Einfluß zur Förderung der neuen Ideen anwandte.Der General Paoli hatte von der Republik Befehl erhalten, die Insel Madeleine zubesetzen und übertrug diese Mission dem Obersten Cesari, dem er jedoch, wie behauptetwird, heimlich befahl, den Angriff mißlingen zu lassen. Napoleon , welcher zum Oberst-lieutenant in der Nationalgarde ernannt und zur Theilnahme an jener Expedition be-stimmt worden war, tadelte nachher auf das Heftigste die Art, wie dieselbe geführtworden war und beschuldigte offen den Kommandanten derselben des Verraths. Es gabzu jener Zeit in dem halbwilden Lande noch keine Kaffeehäuser und so versammeltensich denn die Anhänger der Republik in einem Zimmer Napoleons , in welchem sie dieLage besprachen, Pläne schmiedeten und dazu Wein tranken und Feigen aßen.

Kurz nach der fchlgeschlagenen Expedition trafen Kommissäre der Republik in Bastia ein, unter welchen sich Salicetti befand. Als Napoleon ihre Ankunft erfuhr, beschloß ersie aufzusuchen und ließ aus Bocognano seinen Vertrauensmann und treuesten AnhängerSanto Bonelli, genannt Riccio, kommen, um sich seiner als Führer zu bedienen.

Sie reisten beide zu Pferde in der Richtung nach Eorte ab, wo sich der GeneralPaoli aufhielt, bei welchem Bonaparte vorsprechen wollte. Es war ihm nämlich damals

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